Spaniens PSOE, Wahlen und Züge: ein Verdacht, der allein nicht trägt

In einer Debatte wird ein Artikel von El Tiempo geteilt und der Verdacht wiederholt, Bauarbeiten seien auf Wahlen abgestimmt – doch die Arithmetik belegt keine Kausalität.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens PSOE, Wahlen und Züge: ein Verdacht, der allein nicht trägt
PSOE, Wahlen und Züge: die Arithmetik des Verdachts

Immer wenn Wahlen anstehen, holt jemand den Taschenrechner heraus und schaut auf den Kalender der Bahnbaustellen. Der Zufall sei, so die Erzählung, viel zu perfekt, um zufällig zu sein. Ausgangspunkt ist ein Beitrag von El Tiempo, der geteilt wird, als sei er ein Beweis: Bahninvestitionen, die auf der Landkarte landen, genau bevor die Bürger ihre Stimme abgeben. Danach schreibt sich die Schlussfolgerung von selbst. Das ist keine Magie, das ist die PSOE, fasst ein Beitrag im Thread zusammen.

Das Problem: Die Arithmetik allein beweist nichts. Dass zwei Dinge gleichzeitig passieren, macht sie noch lange nicht zu Ursache und Wirkung. Korrelation ist der älteste Trick im Buch: Die Eisverkäufe steigen, und die Ertrunkenen auch – und niemand macht die Sahne verantwortlich. Hier ist es genauso. Bauarbeiten werden ausgeschrieben, vergeben und eingeweiht, wenn es so weit ist, und der Wahlkalender folgt seinem eigenen Rhythmus. Kommt der Zug vor der Wahl, ist es Zufall. Kommt er danach, ebenso.

Der Verdacht wird wiederholt wie eine Familientradition. Man erbt ihn, wiederholt ihn und feiert ihn mit demselben Enthusiasmus wie einen Paella-Sonntag. „Alles Zufall" so lange zu sagen, bis es wie Wahrheit klingt, macht es nicht wahr. Es ist ein Mantra, kein Argument. Und wie jedes Mantra wirkt es umso besser, je weniger man es hinterfragt.

Die Sache hat ihre Ironie. In einem Land, in dem der AVE jahrzehntelang das große Schaufenster der Macht war, ist es fast eine Ehrung, dass heute jeder Kilometer Gleis unter die Lupe genommen wird. Infrastruktur war immer Politik. Geändert hat sich nur, wer mit dem Finger zeigt. Der Nachname der Regierung lautet Tod, urteilt ein anderer Beitrag – und liefert nicht viel mehr als ein grobes Adjektiv.

Das Gespräch driftet ab in Gefilde, in denen es keiner Daten mehr bedarf. Manche fordern Rücktritte aus reiner Gewohnheit, wie jemand die Rechnung verlangt, ohne die Karte anzusehen. Und manche unterstellen dem Regierungschef kurzerhand eine Verwandtschaft mit dem Teufel. Dort endet die ökonomische Analyse und beginnt die Exorzismus. Pedro Sánchez ist Luzifer, ist da zu lesen – und man fragt sich, ob das auch das Management der S-Bahn einschließt.

Mit diesen Zutaten hält der Korb nicht viel Wasser. Die interessante Frage ist nicht, ob die Bauarbeiten mit Wahlen zusammenfallen – manchmal tun sie das –, sondern ob dieser Zufall etwas erklärt. Und die Antwort lautet vorerst: nein. Kausalität verlangt mehr als einen Kalender und eine Ahnung. Sie verlangt Daten, und die sind auffällig abwesend.

Bleibt das Gefühl, dass der Zug – wie die Politik – immer zu spät oder zu früh kommt, je nachdem, wem es gerade passt. Und dass man das nächste Mal, wenn jemand „Zufall" ruft, fragen sollte, was er eigentlich misst. Denn einfache Arithmetik ist manchmal genau das: einfach.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (21 Antworten).

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