Spaniens Polizei-Auswahl: Kritik begünstigt aggressive Kandidaten

Ein ehemaliger Interimsbeamter behauptet, Spaniens Auswahlverfahren für die Polizei bevorzuge Aggression statt Integrität und löst Debatten aus.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens Polizei-Auswahl: Kritik begünstigt aggressive Kandidaten

Ein ehemaliger Interimsbeamter in einer spanischen Tourismusgemeinde behauptet, das Auswahlverfahren der Polizei funktioniere umgekehrt: Die Bestehenden seien nicht die Besten, sondern jene mit mehr Aggressivität, weniger Skrupeln und größerem Machtstreben. Sein Zeugnis, gesammelt in einem Vorbereitungsforum und über ein Jahr lang diskutiert, beschreibt eine Akademie, in der eine Psychologin die gesamte Klasse evaluierte und nur vier Schüler die Tests bestanden. Laut seinem Bericht waren diese vier die schlechtesten Elemente der Gruppe: jene, die Fragen verspotteten, den Unterricht unterbrachen und Schlägereien provozierten. Der Rest fiel durch.

Die im Debate vorherrschende These ist unbequem: Das System wählt nicht nach Berufung zum Dienst aus, sondern nach Gehorsamsfähigkeit und Freude am Quälen. Der Autor gibt an, zuvor als Sicherheitswächter gearbeitet zu haben, bevor er als Interimsbeamter in einem Rathaus (Ayuntamiento) einer stark frequentierten Ortschaft eingestellt wurde. Dort habe er, stets seiner Version folgend, erlebt, wie Karrierebeamte unangenehme Aufgaben den Interimsbeamten überließen, während sie bis zur Morgendämmerung Streife fuhren, Bußgelder für Angehörige erlassen, ernste Fälle vertuscht hätten und ein Kollege, der sich mit Schwarzgurt-Künsten brüstete, später versteckt rauchend mit zitternden Händen gesehen worden sei.

Was ist ein Interimsbeamter und welche Kompetenzen hat er?

Die Diskussion schnell auf eine technische Frage, die die Teilnehmer spaltet: Ob Interimsbeamte als Polizisten gelten. Eine Seite argumentiert, diese Figuren gehörten nicht zu den Staatlichen Sicherheitskräften und Korps (Fuerzas y Cuerpos de Seguridad del Estado), besäßen keinen Behördenstatus, dürften keine Waffen tragen und dienten nur Hilfsfunktionen, niemals als Ersatz für volle Beamte. Die andere Seite entgegnet, dass Interimsbeamte in der Praxis Stellen in Tourismuskommunen besetzten, Waffen tragen könnten, wenn sie aus einem lizenzierten professionellen Umfeld kämen, Festnahmen vornähmen, echte Bürgeraufgaben erfüllten und genau dort eingesetzt würden, wo Karrierebeamte nicht hin wollten.

Die Spannung steigt, als dem Autor vorgeworfen wird, über die Polizei zu sprechen, ohne selbst Polizist gewesen zu sein. Er besteht darauf, Interimsbeamter und Wachmann gewesen zu sein, und dass seine Erfahrung als Beleg für ein Muster diene, nicht als Ausnahme. Die Debatte wird zu einem Ringen darum, wer die sarracena Autorität hat, die Truppe zu kritisieren.

Im Austausch erhobene Vorwürfe

Der Bericht enthält Episoden, die bei Wahrheit schwere Straftaten darstellen würden. Erwähnt wird der Fall zweier Beamten einer Nachbargemeinde, angezeigt wegen Besuchs eines Chalets mit Minderjährigen, Angebot von Drogen und Partys gegen Erlass von Geschwindigkeitsbußgeldern, sens Übergriffsversuchen und Körperverletzung an Jungen, die sie aufforderten zu gehen. Im Material finden sich keine Verurteilungen oder gerichtlichen Entscheidungen, daher muss es als ungeprüfter Vorwurf behandelt werden.

Es wird auch die Festnahme junger Leute beim Alkoholkonsum auf der Straße beschrieben, wobei der Polizeibericht angeblich falschen Widerstand, Flucht und Sachbeschädigung allein zum Nachteil der Betroffenen enthielt. Der Autor behauptet, Nachbarn hätten die Polizeiversion widerlegt und es habe keine Konsequenzen für die Beamten gegeben. Diese Aussagen werden als persönliche Erfahrung dargestellt, nicht als bewiesene Tatsachen.

Das Argument der Vermutung der Glaubhaftigkeit

Einer der stärksten Punkte der Debatte ist juristischer Natur. Es wird daran erinnert, dass das Wort eines Beamten der Vermutung der Glaubhaftigkeit genießt, das eines Bürgers nicht, was faktisch die Beweislast umkehrt. Das Gegenargument lautet, dass diese Vermutung kein Blankoscheck sei: Wenn ein Beamter einen illegalen Befehl ausführt, begeht er Rechtsbeugung, und der Pflichtgehorsam endete in Spanien nach dem Putschversuch vom 23. Februar 1981 (23F). Die Entgegnung ist, dass das Hinterfragen jedes Befehls den Beruf zur Hölle mache und die meisten Menschen einfach ihre Schicht beenden und nach Hause wollen.

Entwicklung der Debatte: Vom Einzelfall zur allgemeinen These

Das Gespräch beginnt mit persönlichem Zeugnis und endet mit einem Urteil über das gesamte Polizeimodell. Erste Nachrichten diskutieren, ob der Autor Polizist war. Folgende behandeln die Kompetenzen von Interimsbeamten. Dann springt man zur Pandemie, zu Anweisungen des Innenministers Marlaska, zu Nachbarschaftsprotesten und polizeilichen Einsätzen in konfliktreichen Stadtteilen. Der Thread wird zur Abrechnung mit der Institution, mit gegenseitigen Vorwürfen der Zynik, des Opportunismus und des Lebens vom Budget.

Die Debatte endet abrupt: Ein Teilnehmer erklärt seine Kapitulation und scherzt darüber, wegen Hochverrats an das Volk nach Guantánamo gebracht zu werden. Es gibt keine Schlussfolgerung. Nur das Gefühl bleibt, dass beide Seiten über unterschiedliche Realitäten sprechen.



Mit allen Vorbehalten lautet die Prognose, dass solche Zeugnisse weiter zunehmen werden. Nicht weil die Polizei schlechter wäre als früher, sondern weil das Misstrauen der Bürger nicht mehr eingedämmt ist. Wenn Misstrauen sich generalisiert, wird die Vermutung der Glaubhaftigkeit zu einem unhaltbaren Privileg.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (137 Antworten).

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