Spaniens Politische Euphemismen Verzerren Realität

In Spanien verschleiern Begriffe wie 'Lohnzurückhaltung' oder 'negatives Wachstum' harte Realitäten. Diese sprachliche Manipulation verschiebt Schuld und verdeckt die wahren Kosten der Politik.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens Politische Euphemismen Verzerren Realität
"Lohnzurückhaltung" und andere kostspielige Sprachverirrungen

Lohnkürzungen werden als "Lohnzurückhaltung" bezeichnet. Eine Abtreibung wird "freiwilliger Schwangerschaftsabbruch" genannt. Dekretierte Preisobergrenzen heißen "Preisdeckelung". Das Katalog von Ausdrücken, die das Gegenteil dessen sagen, was sie benennen, wächst seit fast viereinhalb Jahren und durchzieht das gesamte ideologische Spektrum: vom katalanischen Unabhängigkeitsdiskurs über das Gleichstellungsministerium bis hin zum medizinischen und juristischen Vokabular. Die zugrunde liegende These hält einer Prüfung stand: Der Euphemismus ist nie unschuldig und kommt fast immer denen zugute, die ihn prägen. Der unbequeme Grund: Wörter beschreiben nicht nur die Realität, sie verteilen auch Schuld und bestimmen, wer die Rechnung zahlt.

"Politischer Konflikt" und Euphemismen, die Schuld verschieben

Der am häufigsten zitierte Fall ist "politischer Konflikt", das Etikett, mit dem die bleiernen Jahre der ETA beschrieben wurden und das in letzter Zeit wieder in Gebrauch kam. Das Argument lautet, dass der Ausdruck einseitig sei: Er zeigt auf den Staat und verlagert das Problem vom Strafgesetzbuch an den Verhandlungstisch. Derselbe Sachverhalt kann Gewalt oder Konflikt sein, je nachdem, wer das Kommuniqué unterzeichnet, und das Substantiv erledigt die halbe Drecksarbeit.

Zur selben Familie gehört "spanischer Staat" für Spanien – wobei eine autonome Gemeinschaft auf die gleiche Ebene wie das Land als Ganzes gestellt wird – oder das Adjektiv "sozial", das sich in ein halbes Dutzend Behörden einschleicht, um das Wort Freiheit zu entleeren.

"Lohnzurückhaltung", "Negatives Wachstum" und das Wirtschaftswörterbuch

Die wirtschaftliche Ader bringt den meisten Ertrag. Wenn eine "Lohnzurückhaltung" angekündigt wird, wird im direkten Sinne Lohnmoderation angekündigt; wenn von "negativem Wachstum" die Rede ist, ist Rezession gemeint; wenn angekündigt wird, den Preis "zu deckeln", wird ein administrativer Eingriff in den Markt angekündigt. Die technische Verpackung ist kein Zufall: Sie mildert die Maßnahme und legt vorab fest, wer dafür zahlen wird.

Ebenfalls auf der Liste steht der Satz "Mieten ist Geldverschwendung". Mieter zahlen dafür, irgendwo zu leben, ob allein, mit Partner oder Familie, und manche können nicht kaufen und möchten ihr Leben nicht hypothekarisch belasten. Das Gegenargument ist symmetrisch: Wer einen dreißigjährigen Hypothekenvertrag unterschreibt, übergibt ebenfalls Geld an einen Dritten, die Bank, in Form von Zinsen. Die vollständige Berechnung, mit Gebühren und aufgeschlüsselten Zinsen, zeigt eine Differenz, die überrascht, wer noch glaubt, es gäbe eine kostenlose Option.

Hinzu kommt die Verwaltungsformel "unbegleitete minderjährige Migranten", die im allgemeinen Sprachgebrauch betreute Jugendliche bezeichnet und von vielen Lesern als Umschreibung interpretiert wird, um den Migrationsstatus nicht zu nennen. Über das Phänomen herrscht breite Einigkeit; über die Angemessenheit dieser Bezeichnung keine.

"Bizarr" bedeutet jetzt, was das Wörterbuch nicht wollte

Das Adjektiv "bizarr", italienischen Ursprungs, hat als erste Bedeutung "tapfer". Dennoch wird es massenhaft im Sinne von extravagant oder skurril verwendet. Manche verteidigen, dass dies kein Fehler, sondern eine vorhersehbare semantische Verschiebung sei – "du hast eine tapfere Scheiße geleistet" –, während andere daran erinnern, dass der Maler und Theoretiker Jusepe Martínez, geboren 1600, es bereits in diesem abwertenden Sinne gebrauchte. Wörter haben ein Eigenleben, und das Wörterbuch kommt zu spät.

Im selben Topf landen "dantesk" und "kafkaesk", so offen, dass jeder sie nach seiner Fasson interpretiert, sowie Begriffe wie "Pogre", "Normalisierung" oder "stille Apostasie", die eher als Stammespasswörter denn als Beschreibungen funktionieren.

Warum ist die Juristensprache die verdrehte?[B/

Weil ihre Funktion nicht darin besteht, die Realität zu beschreiben, sondern Rechte, Fristen und Verantwortlichkeiten abzugrenzen, und dort jedes Adjektiv Geld wert ist. Daher Formeln wie "Elternteil, das nicht die biologische Mutter ist", die ein gängiges Wort durch eine dreistöckige Umschreibung ersetzen.

Ein Nuancierung ist im Fall "menschliche Personen" angebracht. Es handelt sich nicht um eine leere Redundanz: Die heutige Bedeutung von Person – vom Lateinischen, Schauspielermaske – entspringt der christlichen Theologie des 4. und 5. Jahrhunderts, angewandt auf Gott und die Dreifaltigkeit, und ging von dort auf Engel und Menschen über. Es gibt auch juristische und göttliche Personen. Eine andere Sache ist, dass es in einem normalen Text unnötig sein mag, dies zu spezifizieren.

"Asymptomatischer Patient" und der behördliche Euphemismus

"Asymptomatischer Patient" war die Sternkonstruktion der letzten Pandemie: ein Segarro, verwandelt in eine klinische Kategorie und nebenbei eine elegante Art, Statistiken zu füllen, ohne Betten zu füllen. Parallel dazu wird "freiwilliger Schwangerschaftsabbruch" dort verwendet, wo früher Abtreibung gesagt wurde, nach demselben Kriterium, nach dem Euthanasie freiwillige Lebensunterbrechung genannt werden könnte.

Der behördliche Euphemismus hat sein eigenes Museum. Die LOGSE (Allgemeines Bildungsgesetz) taufte die Tafel in "vertikales Lernpanel" um und die Pause in "Freizeitsegment". Daneben klingt "schwangeren und nicht schwangeren Frauen" fast vernünftig.



An diesem Punkt ist das Inventar unüberschaubar geworden, und dort stockt die Analyse. Niemand bestreitet, dass Wörter sich entwickeln und dass sich der Gebrauch schließlich durchsetzt: "bizarr" bedeutet jetzt, was das Wörterbuch nicht wollte. Was ungelöst bleibt, ist, wo die natürliche Evolution einer Sprache endet und wo die Wortschatzingenieurerei für konkrete Zwecke beginnt. Und solange dies nicht gelöst ist, wird weiterhin derjenige gewinnen, der die Schlagzeile schreibt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (125 Antworten).

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