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Spaniens öffentlicher Dienst: Von 1,2 auf 3 Millionen Beschäftigte seit 1990
In Spanien stieg die Zahl der Beamten von 1.200.000 im Jahr 1990 auf fast 3.000.000. Wir analysieren Durchschnittsgehälter, Arbeitskosten und wer wirklich als Staatsbediensteter gilt.
Spanien verzeichnet einen Anstieg des öffentlichen Dienstes von 1,2 auf 3 Millionen Bedienstete seit 1990
Im Jahr 1990 zählte Spanien 1.200.000 Beamte. Heute nähert sich die Zahl den 3.000.000. Die Ver2,5-fachung des Personalbestands in drei Jahrzehnten – genau als Computer, Internet und E-Government Einzug hielten – nährt das häufigste Misstrauen: dass die Verwaltung wächst, weil sie kann, nicht weil es nötig ist. Die gängige Kritik lautet, dass spanische Staatsbedienstete zu den bestbezahlten Europas gehören, während die Schuldenquote bei 100 % des BIP liegt. Dieser Vergleich hält einer seriösen Prüfung in beiden Punkten nicht stand.
Wie viele Beamte gibt es in Spanien?
Die Zahl hängt davon ab, wo man die Grenze zieht, und hier beginnt die Verwirrung. Die festangestellten Beamten (funcionarios de carrera) – beim Staat oder in den Regionen – liegen bei etwa 3.000.000. Zählt man alle öffentlich Bediensteten hinzu, steigt die Spanne auf 4.000.000. Rechnet man Unternehmen wie Renfe, Correos, lokale Verkehrsbetriebe (EMT), U-Bahn oder Straßenbahn hinzu, kommt man auf 5.000.000. Bezieht man auch jene ein, die über Auftragsverträge aus öffentlichen Mitteln bezahlt werden – Reinigungskräfte, Sportstättenbetreiber, Lehrer an staatlich subventionierten Schulen –, erreicht die Zahl 6.000.000. Bei einer Basis von 20 Millionen Arbeitnehmern ergibt sich eine Quote von sechs im öffentlichen Sektor gegenüber vierzehn in der Privatwirtschaft oder Selbstständigkeit.
Das Detail ist entscheidend. In den nordischen Ländern gilt jeder als öffentlich Bediensteter, der ein Gehalt vom Staat erhält, was ihre Statistik aufbläht und die spanische relativ klein erscheinen lässt. Es hängt davon ab, wen man als „Beamten“ definiert, und darin sind sich die wenigsten einig.
Sind spanische Beamte die am besten bezahlten in Europa?
Die kursierenden Daten stellen Spanien über den Durchschnitt, mit durchschnittlichen Kosten pro Mitarbeiter von 57.000 US-Dollar. Das Gegenargument widerlegt die Hälfte der Schlagzeile: Diese Zahl, umgerechnet in Euro, liegt bei 46.000–47.000 und misst meist die gesamten Arbeitskosten, nicht das Nettogehalt. Das Durchschnittsbruttogehalt eines spanischen Beamten lag bei etwa 32.000 Euro; inklusive der Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung betragen die realen Kosten rund 41.000 Euro. Manche räumen ein, dass der Vergleich etwas übertrieben sei, „aber nicht allzu sehr“, andere leugnen die Prämisse direkt: Spanische Staatsbedienstete seien nicht die Bestverdiener des Kontinents.
Die Falle liegt in der Methodik. Vergleicht man spanische Arbeitskosten mit europäischen Bruttogehältern oder wirft einen Neurochirurgen und eine OP-Reinigungskraft in denselben Topf, entsteht eine Zahl ohne Aussagekraft.
Die Aufschlüsselung, die das Narrativ der Vetternwirtschaft entkräftet
Die Stadtverwaltung Madrid beschäftigt 29.000 Mitarbeiter. Davon sind 84% verbeamtete Kräfte und 15% befristete Angestellte (interinos). Nur 0,7% – etwa 203 Personen – besetzen politische Vertrauensposten (personal eventual), und die Stadt betont, diese Gruppe um 20% reduziert zu haben. Das Bild des Günstlings, der ohne Leistung kassiert, kollidiert mit einer unbequemen Zahl: Der Spielraum für willkürliche Ernennungen ist prozentual fast marginal.
Anders sieht es bei der Politik aus. Die vier großen Parteien zusammen erhalten 106 Millionen Euro an Zuschüssen aller Art, Korruption außen vor. Hier wächst ein Topf tatsächlich ohne Opposition.
21% MwSt. und die Marge des Staates
Der Kern der Beschwerde ist nicht nur die Anzahl der Mitarbeiter, sondern wer die Zeche zahlt. Eine unter Steuerzahlern verbreitete Rechnung: Ein Unternehmen, das ein Produkt herstellt und 10% Gewinn macht, sieht, wie der Staat via Mehrwertsteuer ohne Umweg 21% seiner Wertschöpfung abschöpft. Darauf basiert die klassische Kritik: Große Unternehmen entziehen sich durch Einflussnahme auf die Gesetzgebung, während kleine Firmen und Selbstständige die Hauptlast tragen.
Hier sinkt der Tonfall, aber die Zahlen steigen. Die Ausgaben werden nicht infrage gestellt; die Finanzierung schon.
Und der Weg über die Wettbewerbsprüfung (Oposiciones)?
Wenn der öffentliche Dienst so bequem ist, warum bewirbt sich dann nicht jeder? Die häufigste Antwort: Es ist nicht bequem, es ist langwierig. Rund 50% derer, die mehr als drei Jahre durchhalten, bestehen die Prüfung (oposición). Acht Stunden täglich und Geduld. Die andere Hälfte gibt unterwegs auf.
Demgegenüber steht die These der Privatisierung: Öffentliche Dienste werden ausgelagert, weiterhin mit Steuergeldern bezahlt, fallen aber aus der offiziellen Lohnstatistik heraus, was den Durchschnittscheinbar aufblähen würde. Das Problem: Die Daten widersprechen dem. Während angeblich Mitarbeiter aus der Statistik verschwanden, wuchs der öffentliche Dienst von 1,2 auf fast 3 Millionen. Damit das rechnerisch aufginge, müssten 1,5 Millionen Richter und Ärzte eingestellt worden sein. War aber nicht der Fall.
Die Digitalisierung kam, weniger Papierkram und Personal wurden versprochen, doch die Verwaltung tat das Gegenteil: Sie stellte mehr ein und digitalisierte weniger. 1990 gab es 1,2 Millionen Beamte und keinen Computer auf jedem Schreibtisch. Drei Jahrzehnte später gibt es mehr als doppelt so viele Mitarbeiter, und der Papierkram existiert weiter. Niemand hat bisher erklärt, was mit der gewonnenen Produktivität geschehen ist.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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