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Spaniens Mindestlohn stürzt Wirtschaft nicht ab
Die Beschäftigung im Privatsektor wuchs, während der spanische SMI über 1.000 Euro stieg. Der angekündigte Einbruch blieb aus, doch der Mindestlohn ist nun das häufigste Gehalt.
Langjährige Unternehmer sagten oft, eine Erhöhung des Mindestlohns sei „heute Brot und morgen Hunger“. Dieser Satz zirkulierte jahrelang in Büros und Debatten, als wäre er ein Naturgesetz. Doch blickt man auf die Beschäftigungsdaten der letzten Jahre, ist der vorhergesagte Einbruch nirgends zu sehen. Laut den zitierten Zahlen hat der Privatsektor Jahr für Jahr weiter Arbeitsplätze geschaffen, während der SMI (spanischer Mindestlohn) über 1.000 Euro kletterte. Die Vorhersage war falsch. Ob dieses Wunder jedoch bei den Gehältern der Mittelschicht ankam, steht auf einem anderen Blatt.
Der Privatsektor, der nicht zusammenbrach
Die diskutierten Daten zeichnen ein unbequemes Bild für die Katastrophenerzählung. Der Privatsektor stieg von etwa 17,25 Millionen Beschäftigten im Jahr 2022 auf über 19,1 Millionen im Zeitraum 2025-2026, so die genannten Zahlen. Parallel dazu konsolidierte sich der öffentliche Sektor bei rund 3,5 Millionen. Wäre der SMI das Gift, das manche beschreiben, hätte die Beschäftigung im Privatsektor schrumpfen müssen. Das geschah nicht.
Manche behaupten, diese Statistik werde durch unbefristete Saisonverträge und Auszubildende geschönt, Gruppen, die die Beschäftigungszahlen aufblähen, ohne stabile Vollzeitstellen darzustellen. Dies ist ein ernstzunehmendes Argument, das Diskussion verdient. Aber selbst wenn man diesen Effekt herausrechnet, trat der erwartete Kollaps nicht ein.
Warum wurde der SMI zum häufigsten Gehalt?
Die härteste Diagnose kommt nicht von den Arbeitgeberverbänden, sondern von denen, die die Lohnstruktur betrachten und ein grundlegendes Problem erkennen. Der Mindestlohn, der eigentlich eine Referenz für gering qualifizierte Stellen sein sollte, ist laut einigen Teilnehmern zum Modallohn geworden, dem häufigsten Gehalt im Land. Wenn die Untergrenze am Zentrum der Verteilung klebt, wird die Mittelschicht komprimiert. Viele Tarifverträge mit Zuschlägen über dem Mindestlohn wurden durch die sukzessiven Erhöhungen eingeholt: Der Arbeitnehmer, der früher etwas mehr verdiente, bekommt jetzt exakt dasselbe wie der Neueinsteiger.
Die Folge ist eine Angleichung nach unten. Die Untergrenze steigt, ja, aber die Obergrenze bewegt sich nicht. In dieser Zange spürt derjenige, der nie den Mindestlohn erhielt, wie seine Kaufkraft schwindet, ohne dass sein Gehalt sich ändert. Die Inflation erledigt den Rest.
Die realen Kosten: Inflation und Steuerkeil
Hier taucht das Argument auf, das Skeptiker am meisten gewichten. Eine Erhöhung des SMI per Dekret ohne Produktivitätssteigerung verlagert den Druck auf die Lohnkosten, die letztlich im Endpreis oder in der Marge des Arbeitgebers landen, so die Ansicht einiger. Bei einer Inflation, die die Kaufkraft der mittleren Einkommensschichten auffrisst, ist der Nettoeffekt für eine typische Familie in Madrid oder Barcelona, dass sie bei unvorhergesehenen Ausgaben knapp kalkulieren muss.
Die kursierende Berechnung ist aufschlussreich: Ein Gehalt im 90. Perzentil, etwa 60.000 Euro brutto, ergibt rund 2.800 Euro netto pro Monat. Eines von 100.000 Euro, nahe dem 98.-99. Perzentil, landet bei etwa 4.500 Euro. Das sind keine Luxussummen für jemanden, der dies in einer Großstadt mit zwei Kindern verdient. Währenddessen liegt das IMV (Existenzminimum) für eine Familie mit drei Kindern im Jahr 2027 bei rund 1.900 Euro, so eine kursierende Schätzung. Der Abstand zwischen Arbeiten und Nicht-Arbeiten schrumpft in die falsche Richtung.
Das Argument, das die Arbeitgeber nicht nutzen
Ein Schweigen fällt auf. Die Wirtschaftsverbände haben nicht den erwarteten Lärm gegen die SMI-Erhöhungen gemacht, heißt es in der Diskussion. Wäre das Mantra vom Absturz wahr, müssten sie in Alarmbereitschaft sein. Sind sie aber nicht. Das allein validiert die Politik nicht, entkräftet aber den Dramatismus derer, die, ohne Arbeitgeber zu sein, das Gespenst der Katastrophe beschwören.
Kritik mit Verstand lautet nicht, dass der SMI Arbeitsplätze zerstört. Sie lautet, dass die Lohnuntergrenze ohne Produktivität, ohne Rechtssicherheit und auf einem Arbeitsmarkt, der von verfügbaren Arbeitskräften überschwemmt ist, zur Obergrenze für zu viele wird. Und das lässt sich nicht durch ein Königliches Dekret beheben.
Am Ende ist der verwirrende Datenpunkt nicht die Arbeitslosigkeit, sondern das häufigste Gehalt des Landes: der Mindestlohn. Wenn die Untergrenze auch das Zentrum ist, geht es nicht darum, wie stark sie steigt, sondern darum, wie still alles andere geblieben ist.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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