Spaniens 'La bola negra' schlägt 'Torrente' im Kino

Geförderter Film bringt 34 Mio. € ein, unfinanzierter 'Torrente' 28 Mio. €. Neuauflage des Kulturkrieges.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens 'La bola negra' schlägt 'Torrente' im Kino
La bola zaina übertrifft Torrente und entfacht Debatte

Ein mit einer Million Euro subventionierter Film spielte 34 Millionen Euro ein. Ein anderer ohne öffentliche Mittel brachte 28 Millionen ein. Diese scheinbar neutrale Zahl wurde zum Schlachtfeld einer seit 33 Tagen laufenden Diskussion, die mehr über den spanischen Film aussagt als über die beiden Streifen selbst. Denn es geht nicht darum, welcher Film besser an der Kinokasse abschneidet, sondern welches Spanien jeder von ihnen repräsentiert.

Die These, die die Debatte eröffnete, war fast schon lehrbuchhaft symmetrisch: La bola zaina als Emblem des gebildeten, abstrakten, sensiblen und nach außen projizierten Spaniens; Torrente als Porträt des vulgären, unterentwickelten und endogamen Spaniens. Zwei Filme, zwei Länder. Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten: Der erste sei ein subventionierter, aktivistischer Film; der zweite eine Satire, die sich über die rechte Mittelmäßigkeit lustig macht. So füllte sich der Thread inmitten gegenseitiger Vorwürfe mit Zahlen.

Kosten und Einnahmen im Vergleich

Die am häufigsten wiederholte Berechnung vergleicht zwei Produktionsmodelle. La bola zaina habe laut Angaben eine Million Euro Subventionen erhalten, Kosten von 14 Millionen gehabt und 34 Millionen eingespielt, was einem Return-on-Investment von 3,1-fach entspricht. Torrente Presidente kostete ohne öffentliche Hilfe 6 Millionen und spielte 28 Millionen ein: das 4,7-Fache der Investition. Wer diese Zahlen nutzt, kommt zu dem Schluss, dass subventioniertes Kino nicht rentabler sei als rein kommerziell finanziertes.

Ein Detail darf nicht übersehen werden: Es handelt sich um Bruttokinoeinnahmen, nicht um Nettogewinne. Die Einnahmen entsprechen nicht den Einkünften für den Produzenten, da die Kinos ihren Anteil nehmen und die Werbung einen weiteren Teil auffrisst. Dennoch dient der Vergleich seinem Zweck: zur Diskussion des Modells öffentlicher Filmförderung, ein Thema, das in Spanien jahrzehntelang kontrovers diskutiert wird und hier durch die Hintertür eindringt.

Das Argument der Selbstkritik

Die ausgearbeitetste Verteidigung von Torrente ist nicht ästhetisch, sondern politisch. Sie besagt, dass eine Komödie, die sich über einen korrupten, sens und groben Polizisten lustig macht, zeige, dass die Rechte über sich selbst lachen kann, während der Film, der Sensibilität und Erinnerung beansprucht, jede Abweichung als Faschismus deutet. Diese These wurde im Verlauf der Diskussion in verschiedenen Worten wiederholt und hat ihren Reiz: Santiago Segura als letzte Bastion der kreativen Freiheit darzustellen.

Dagegen steht ein ebenso schlagkräftiges Gegenargument. Torrente sei keine Kritik an der Rechten, sondern eine Parodie, die von ihr vereinnahmt wurde; die Figur sei zum Icon dessen geworden, was sie angeblich verspottet. Und über La bola zaina schwebt der umgekehrte Verdacht: Dass sein internationales Ansehen auf institutioneller Promotion und genehmen Kritiken basiere, nicht auf künstlerischem Wert. Die Erwähnung einer vernichtenden Rezension im The New Yorker – die ihn als arrogant und künstlich bezeichnete – wurde in diesem Sinne als Munition genutzt.

Unverfilmtes Geschichtskino

Eine der häufigsten Strömungen spricht nicht über diese zwei Filme, sondern über die fehlenden. Es wird behauptet, Spanien habe reichlich Material für epische Produktionen – die Tercios, die Erkundung der Welt, Handelsrouten –, doch konzentriere sich der Großteil der geförderten Produktion auf den Bürgerkrieg und LGBTQ+-Themen. Die Beschwerde ist nicht neu, aber hier wird sie mit einer Mischung aus Überdruss und Spott formuliert: Es gibt Tausende von Filmen mit homosenshomo Themen im Bürgerkrieg, fasst eine vielbeachtete Nachricht zusammen.

Der Gegenpunkt taucht ebenfalls auf: Der Bürgerkrieg und seine Folgen – vierzig Jahre Diktatur und Repression – bleiben lebendige Materie, und wer fordert, sich den Tercios zuzuwenden, vergisst oft, dass auch das kommerzielle Kino die Kriegs-Thematik ausgeschlachtet hat, ohne viel beizutragen. Die Diskussion driftet dann zum Finanzierungsmodell: Wer entscheidet, was gedreht wird und mit wessen Geld.

Das Paradoxon der Kinokasse

Die Zahl, die beide Lager am meisten stört, ist jene, die diesen Artikel eröffnet: La bola zaina hat Torrente bei den Einnahmen übertroffen. Wenn der erste Propaganda mit Subventionen ist und der zweiter Mainstream-Geschmack, warum gewinnt dann die Propaganda? Die kursierende Erklärung lautet, dass das Publikum des ersten Films nicht unbedingt ideologisch motiviert ist, sondern auf eine massive Werbekampagne und eine Prestige-Erzählung reagiert. Der zweite profitiert hingegen von einer Marke, die sich über fast drei Jahrzehnte im Comedy-Bereich etabliert hat.

Tatsächlich lässt keine der beiden Zahlen weitreichende Schlüsse über das Land zu. Das Kino ist ein Geschäft mit engen Margen und volatilen Ergebnissen, und aus einem einzelnen Einspielergebnis eine nationale Soziologie abzuleiten, ist ein Unterfangen, das keiner Analyse standhält. Aber in einer Diskussion über die zwei Spanien spielt das kaum eine Rolle.

Glaubt wirklich jemand, dass eine Kinokarte die Ideologie des Käufers definiert?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (106 Antworten).

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