Spaniens Katholizismus verliert Gläubige, intensiviert Werbung

Forum-Debatte: Der Katholizismus in Spanien sinkt auf 50%, nur 15% gehen zur Messe, während Workshops und Präsenz in der psychischen Gesundheit zunehmen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Der spanische Katholizismus schrumpft trotz verstärkter Propaganda

Der spanische Katholizismus befindet sich seit Jahrzehnten im Rückgang, doch laut den Teilnehmern einer Debatte hat sich in den letzten Monaten etwas geändert: Einladungen zu Bruderschaften kehren zurück, Pfarreien bieten Workshops, Lager und christliche Musikkonzerte an, und die Kirche scheint eine beschleunigte Neuausrichtung vorzunehmen. Die vorherrschende These ist, dass es sich nicht um eine Wiederbelebung des Glaubens handelt, sondern um eine Marketingoperation, um junge Menschen anzuziehen und den demografischen Zusammenbruch zu stoppen. Die in der Diskussion genannten Daten sind laut ihren Befürwortern eindeutig: Von einer Bevölkerung, die zu 90 % katholisch war, ist der Anteil auf 50 % gesunken, und von diesen 50 % gehen nur 15 % sonntags zur Messe. Darüber hinaus wird geschätzt, dass 70 % der Messbesucher über 50 Jahre alt sind, was auf einen praktisch nicht vorhandenen Generationenwechsel hindeutet.

Psychische Gesundheit als neues Missionsfeld

Ein besonders auffälliger Aspekt ist die Präsenz religiöser Symbolik in Sprechstunden für psychische Gesundheit, sowohl im öffentlichen als auch im privaten Gesundheitswesen. Beschrieben werden die Fälle eines Psychiaters beim SESCAM (dem regionalen Gesundheitsdienst Spaniens), der ein Kruzifix trägt und Marienbilder in seiner Praxis aufstellt, sowie einer privaten Psychologin, die empfiehlt, sich Hakuna anzuschließen oder bei Cáritas freiwillig zu arbeiten, als Teil der Behandlung. Für die Teilnehmer ist dies kein Zufall: Die Kirche hat in emotionalem Leid und der Krise der psychischen Gesundheit ein fruchtbares Feld für die Gewinnung neuer Anhänger entdeckt. Es wird sogar die Möglichkeit erwähnt, dass Techniken aus den USA übernommen werden, wo einige Bundesstaaten im Bible Belt bereits religionsbasierte Gesundheitsprogramme nutzen.

Das Paradoxon der neuen Gläubigen: Schwule, Geschiedene und Leihmutterschaft

Ein weiterer Schwerpunkt der Debatte ist der scheinbare Widerspruch zwischen der katholischen Doktrin und der Realität vieler neuer Konvertiten. Es wird über homosenshomo Personen gesprochen, die aktiv an Prozessionen und Messen teilnehmen, über Mütter, die ihre durch Leihmutterschaft geborenen Kinder taufen lassen, und über Geschiedene, die ohne sichtbare Scheu die Kommunion empfangen. Für manche ist dies ein Zeichen der Doppelmoral und der mangelnden Kohärenz einer Institution, die im Bestreben, keine weiteren Gläubigen zu verlieren, ihre Standards so weit gesenkt hat, dass sie alles akzeptiert. Für andere ist es einfach die logische Entwicklung einer Kirche, die immer pragmatischer als doktrinal war.

Die protestantische Umgestaltung des spanischen Katholizismus

Der Aufschwung biblischer Studien und Diskussionsgruppen zulasten des traditionellen Rosenkranzes wird als Protestantisierung der spanischen katholischen Kirche interpretiert. Pater Aberasturi wird zitiert, um darauf hinzuweisen, dass Katholiken früher die Bibel nicht lasen und nun protestantische Techniken innerhalb des Katholizismus übernommen werden. Diese Entwicklung, verbunden mit der Multikulturalität der Feiern und der wachsenden Präsenz nicht-spanischer Priester, zeichnet das Bild einer Kirche, die nach dieser Lesart ihre ursprüngliche Identität verloren hat und zu einem substanzlosen Identitäts-Pastiche geworden ist.

Wirtschaftlicher und sozialer Kontext: Frömmigkeit als Betäubungsmittel

Die zugrunde liegende Erklärung in der Unterhaltung ist, dass soziale Verarmung und wirtschaftliches Unbehagen die Bevölkerung dazu treiben, Zuflucht in der Religion zu suchen, wie es vor Jahrhunderten der Fall war. Die Kirche nutzt diese Situation bewusst aus, um kostengünstigen Trost und Gemeinschaft durch Lager, Reisen und Konzerte anzubieten, die direkt mit säkularen Alternativen konkurrieren. Für manche ist die Kombination dieses Angebots mit sozialen Medien und Wokismus die Kehrseite desselben Systems, das alles fest im Griff hat.

Eine vorsichtige Prognose: Keine Auferstehung erwartet

Trotz dieses Anstiegs der Aktivität sind sich mehrere Teilnehmer einig, dass es sich nicht um eine Auferstehung handelt, sondern um eine relative Stabilisierung nach Jahrzehnten steilen Niedergangs. Die Kirche verfügt weiterhin über Macht, Geld und Kontakte und nutzt diese, um zu versuchen, das Beste herauszuholen. Doch der Mangel an Generationenwechsel und das Fehlen eines festen Glaubens hinter den neuen Rekrutierungsmethoden lassen nach dieser Lesart vermuten, dass der spanische Katholizismus, sobald der Trend vorüber ist oder der emotionale Reiz erschöpft ist, wieder seinem abwärts gerichteten Trend folgen wird. Allerdings wohl mit mehr Kommunion-Videos auf Instagram als je zuvor.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (87 Antworten).

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