Warum der Krieg in der Ukraine auch Spaniens Krieg ist
Eine Paradoxie durchzieht diese Debatte von Anfang bis Ende: Wer am lautesten betont, dass der Krieg in der Ukraine nichts mit Spanien zu tun hat, räumt gleichzeitig ein, dass sich die internationale Ordnung durch Kanonenfeuer entscheidet. Wenn das stimmt, kann ein Land mit zwei Städten in Nordafrika, umstrittenen Gewässern mit Marokko und Algerien sowie aktiven separatistischen Bestrebungen nicht einfach wegsehen. Der Ausgangspunkt formuliert es unmissverständlich: „Wenn ukrainische Grenzen für Neutrale nichts gelten, dann auch spanische nicht.“ Die Diskussion mündete in gegenseitige Vorwürfe darüber, wer denn zum Militär gehen sollte, doch darunter liegt eine ernste Frage verborgen: Was kostet Neutralität, wenn der Nachbar offene Forderungen hat?
Das Argument der Abschreckung: Warum die Ukraine mehr als nur die Ukraine betrifft
Der Kern des Arguments ist, dass die Ukraine kein Einzelfall ist, sondern der erste Test einer neuen Ordnung, in der Grenzen durch Gewalt neu verhandelt werden. Befürworter dieser These weisen darauf hin, dass Spanien „Gewässer bei den Kanaren mit Marokko, Mittelmeer-Gewässer mit Algerien, Territorien und Gewässer im Norden Marokkos“ habe und dass gegenwärtiger und zukünftiger Separatismus Gegenstand dessen sei, was sie als hybriden Krieg beschreiben. Die Schlussfolgerung ist unbequem: Wenn das Völkerrecht versagt, gehört Spanien zu den Ländern, die am meisten zu verlieren haben.
Dagegen lautet die häufigste Antwort, dass die spanischen Grenzen seit Jahrhunderten klar definiert seien und es nichts gebe, was man 2.000 Kilometer entfernt verteidigen müsse. Die Entfernung wurde zum wiederkehrenden Argument, allerdings mit Nuancen: Jemand korrigierte, dass es von den Pyrenäen bis zur Ukraine etwa 2.000 Kilometer sind, nicht 10.000, und fügte hinzu, dass Russland, wenn es bis Gibraltar expandieren wollte, nicht vier oder fünf Jahre auf die Aufrüstung Europas warten würde. Diese Daten entkräften das Entfernungsargument, ohne die Grundfrage zu klären.
Ist die Ukraine eine Geldwäsche-Maschine oder eine echte Front?
Ein kritischer Strang behauptet, „die Ukraine ist kein Land, sondern eine riesige Geldwäsche-Maschine“, und europäische Politiker nutzten Angst aus, um öffentliche Ausgaben zu rechtfertigen, die „unsere Enkel und Urenkel“ bezahlen müssten. Dies ist die wirtschaftliche Version des Skeptizismus: Es gibt keine reale Bedrohung, nur Geschäfte. Befürworter des Engagements erwidern, dass sowjetisches Arsenal nicht mit der UdSSR verschwand, Russland dieses behält und die Zeit gezeigt hat, dass es eingesetzt wird. Der Austausch über Nukleararsenale und die Bedingungen der Auflösung des Warschauer Pakts blieb ungelöst.
Der technischste Punkt der Debatte betraf die Frage, was die Ukraine wirklich braucht. Die Mehrheit unter den Befürwortern des Engagements fordert nicht mehr Soldaten, sondern „Fernwaffen, die den Kriegsverlauf ändern“, die jedoch „tropfenweise und mit tausend Einschränkungen“ geliefert wurden. Dieser Aspekt widerlegt den Vorwurf, dass Verteidiger der ukrainischen Sache an der Front stehen sollten: Kriege werden nicht von hunderttausend eingegrabenen Soldaten entschieden, die auf einen Einschlag warten, sondern durch die Fähigkeit, die feindliche Nachschublinie zu treffen.
Kaliningrad, Brest und die unaufhörlichen Konvois
Der konkreteste Teil der Debatte konzentriert sich auf russische Militärmanöver an der Ostflanke der NATO. Beschrieben wird die Anhäufung von Material „direkt neben den polnischen Grenzen (in Brest), Kaliningrad, dem Baltikum und Finnland“, mit LKW-Konvois von über drei Kilometern Länge, vermutlich beladen mit S-400-Raketen, die monatelang neben Absilovorrichtungen geparkt standen. Solche Daten machen die abstrakte Diskussion greifbar.
Gegenargumente besagen, dass diese Raketen seit dem Moment des Zerfalls der UdSSR dort stationiert seien und Russland keine Absicht habe, Europa zu invadieren. Das Problem dieses Arguments, so die Erwiderung, sei, dass vor der Invasion der Ukraine ebenfalls keine „geringste Absicht“ einer Invasion erkennbar war – und sie geschah trotzdem.
Die Heimfront: Einrücken, zahlen oder wegschauen
Ein Großteil des Austauschs driftete in persönliche Vorwürfe ab: Wenn es dein Krieg ist, geh an die Front. Die häufigste Antwort lautet, dass solche Positionen die Funktionsweise eines modernen Krieges missverstehen. Doch es tauchte ein starkes wirtschaftliches Argument auf: „Ich möchte, dass mein Geld zum Schutz Spaniens verwendet wird, das Tag für Tag angegriffen wird.“ Dies ist die haushaltspolitische Übersetzung des Skeptizismus: Jeder Euro für die Ukraine ist ein Euro weniger für die Südgrenze.
Die Gegenposition besagt, dass Abschreckung im Osten genau das verhindert, was nötig wäre, um die Pyrenäen zu verteidigen. Befürworter erinnern daran, dass Spanien keine gelösten Grenzprobleme hat und Neutralität keine Position ist, sondern eine Wette. Und Wetten verliert man, wenn der Nachbar Forderungen stellt.
Das Balkan-Präzedenzfall und der Geist der verhandelbaren Grenzen
Die historische Diskussion lieferte den solidesten Gegenpunkt: Europäische Grenzen änderten sich drastisch in den neunziger Jahren durch den Zerfall Jugoslawiens und der UdSSR, die Teilung der Tschechoslowakei und die Eingliederung der DDR in die BRD. Das Argument lautet, dass territoriale Integrität selektiv angerufen wird, je nachdem, was den Großmächten passt. Die Erwiderung ist, dass gerade deshalb ein Ordnungssystem verteidigt werden muss, das, trotz all seiner Heuchelei, das einzige ist, das Schwache schützt.
Der Abschluss der Debatte lässt eine unbeantwortete Frage zurück: Wenn die internationale Ordnung durch Kanonenfeuer bestimmt wird, wie lange dauert es, bis jemand daran erinnert, dass Ceuta, Melilla, Gibraltar oder die kanarischen Gewässer auch auf der Karte stehen?
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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