Spaniens Flutkatastrophe: Warum niemand zurücktritt

Die Flut in Valencia forderte über 200 vermeidbare Tote, doch es gab keine Rücktritte. Wahlkalkül und Verwaltungsschutz erklären die fehlende Verantwortung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens Flutkatastrophe: Warum niemand zurücktritt
Flut in Valencia: Keine Rücktritte, Politik siegt

Die DANA-Katastrophe in Valencia hinterließ Hunderte Tote und eine Frage, die jede Diskussion bestimmt: Warum tritt niemand zurück? Die Ausgangsthese ist verheerend: Eine vorhersehbare Katastrophe mit ausreichend Warnzeit, mehr als 200 vermeidbare Todesopfer und null politische Verantwortung. In jedem zivilisierten Land, so diese Diagnose, hätte es Dutzende von Rücktritten und Entlassungen gegeben. Die kurze Antwort lautet: Rücktritt steht nicht im Handbuch. Die lange Antwort hat mit Wahlen, Investituren und einer Verwaltung zu tun, die darauf ausgelegt ist, Schuld zwischen Abteilungen aufzulösen.

Was geschah und warum Rücktritte gefordert werden

Der Ausgangspunkt ist ein Management, das als eklatantes Kettenversagen beschrieben wird: verschiedene Verwaltungen, Abteilungen, Beamte und Politiker. Die Warnung kam zu spät, Protokolle wurden ignoriert und Koordination war Fehlanzeige. Manche unterscheiden zwischen politischer Verantwortung – wer war unterwegs, wer aß, wer war unauffindbar – und strafrechtlicher Verantwortung, die den Abteilungen zugeschrieben wird, die ihre eigenen Vorschriften missachteten. Diese Unterscheidung ist wichtig, da sie den Unterschied zwischen Entlassung und Anklagebank markiert.

Die Zahl, die über allem schwebt, ist die der Opfer. Es ist die Rede von mehr als 200 vermeidbaren Toten, hunderten Menschen, die ertranken, während die Warnung nicht einging. Dazu die Paradoxie, die viele betonen: Ein Amtsträger tritt wegen Belästigung zurück, aber niemand wegen des Todes von Hunderten. Der Vergleich ist brutal, fasst aber das wahrgenommene Maß an Erwartung zusammen.

Wahlkalkül schützt den Regionalpräsidenten

Die häufigste Erklärung ist nicht technisch, sondern arithmetisch. Würde der Präsident der Generalitat zurücktreten, gäbe es keine Stimmen für eine neue Investitur: Vox würde sie nicht unterstützen und Neuwahlen wären nötig. Die PP würde ruinieren, Vox verdoppeln und Teile des ländlichen Wählerschaft würden links wählen, um die PP zu bestrafen. Von der nationalen Führung bleibt nichts anderes übrig, als den Markierten auszuhalten oder die Autonomie abzugeben. Alles machiavellistisch, fassen einige zusammen. Das ist der Grund, warum kein Präsident zurücktritt: Eine Investitur muss stattfinden und niemand würde sie unterstützen.

Hinzu kommt eine territoriale Struktur, die die Schuld verteilt, bis sie verschwindet. Die autonomen Gemeinschaften, so das Argument, sind eine hervorragende Methode, damit niemand die letzte Verantwortung trägt. Wenn das Versagen kettenartig ist, kann jedes Glied auf das nächste zeigen. Wer zuerst zurücktritt, trägt alle Schuld, unabhängig davon, wer mehr Schuld hat. Und in einem System, in dem Schuld eine knappe Ressource ist, verschenkt sie niemand.

Gewohnheit des Nicht-Zurücktretens: Von Corona zur DANA

Das Muster ist nicht neu. Niemand trat wegen Corona zurück, also stellen Sie sich das hier vor. Die Gewohnheit setzt sich fest: Wenn Nicht-Rücktritt keine Kosten hat, tritt niemand zurück. Ob angeklagt, schlecht gemanagt oder beim Betrügen erwischt, es ist egal. Politische Straflosigkeit wird zur ungeschriebenen Norm und die Entlassung durch Untersuchungsausschüsse ersetzt. Diese Ausschüsse ziehen immer dieselben Schlüsse: Einige Protokolle versagten, ein solches Phänomen tritt alle 1500 Jahre auf, wir haben aus Fehlern gelernt, man kann niemandem die Schuld geben und arbeitet bereits an einem Staudammprojekt, das das Unvermeidliche verhindern soll.

Die Presse spielt in dieser Erzählung auch eine Rolle. Es wird berichtet, dass der Bösewicht ein Moderator ist und die Schuld beim Klimawandel liegt. Die Verantwortung löst sich im Klima, im Protokoll, im Schicksal auf. Währenddessen waren die Markierten am Wochenende: einer in Paris, einer in Kolumbien, einer in Brasilien, einer bei seiner Geliebten, eine wusste nicht einmal, dass es ein mobiles Warnsystem gibt, obwohl sie Leiterin der Notfallbehörde ist. Andere diskutierten eine Stunde lang, ob die Warnung auf Valencianisch oder Spanisch gesendet werden sollte und der Text nicht zu alarmierend sein dürfe.

Urnen als einziges Gericht

Die häufigste Prognose ist, dass früher oder später die Markierten zurücktreten werden und der Hund Teresa Ribera nach Brüssel schicken wird, wenn möglich. Aber die Verantwortlichkeiten werden nicht vor Gericht, sondern an der Urne geklärt. Hier kommt das Fischgedächtnis ins Spiel: Das wird in ein paar Monaten vergessen sein, vielleicht noch früher. Die Herde, heißt es, hat ein Fischgedächtnis.

Manche gehen weiter und fordern Gefängnis, nicht Rücktritte: Was wir fordern sollten, sind Haftstrafen. Und manche vermuten etwas Schlimmeres als Fahrlässigkeit: kriminelles Unterlassen der Zentralregierung, um die Lage zu verschlimmern und die PP aus Valencia zu verdrängen. Diese Hypothese wird nicht durch Beweise gestützt und kursiert als Verdacht, nicht als Tatsache. Dass die Demonstration danach in dieselbe Richtung ging, Verantwortlichkeit zu fordern, ist jedoch eine Tatsache.

Verwaltungsschutz und die unbeantwortete Frage

Der Hintergrund ist die Perversion des Verwaltungsrechts und der Parteiokratie: Der Staat hat Macht über die Bürger und handelt nach Belieben. Gegenüber rechtlicher Verantwortung sind Amtsträger geschützt; wenn es sich um Beamte oder Verwaltungen handelt, fällt die Schuld auf die Verwaltung, nie auf die Person. Es ist der Mechanismus, der den Rücktritt zu einem fremden Verb macht. In Spanien ist Zurücktreten ein russisches Verb, ironisieren sie.

Also bleibt die Frage unbeantwortet. Man fordert Rücktritte, man fordert Gefängnis, man fordert, dass jemand bezahlt. Aber das System ist so konzipiert, dass niemand bezahlt. Und währenddessen hat der Untersuchungsausschuss seine Schlussfolgerungen bereits geschrieben.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (127 Antworten).

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