Spaniens Ersparnisse schmelzen: August ohne Urlaub

26% der Spanier sind armutsgefährdet, doch Terrassen sind voll. Die Ersparnisse neigen sich dem Ende zu und der August verläuft ohne Reisen.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens Ersparnisse schmelzen: August ohne Urlaub
Juli-Budget frisst August auf: Pool und Bier

Das Feriengeld wurde im Juli ausgegeben. Wer keine Buchung hat, verbringt den August am städtischen Schwimmbad oder mit einem Bier in der Nähe: Keine Wochenendausflüge, geschweige denn eine Woche an der Küste, bestenfalls ein paar Tage im Heimatdorf. Konsumkredite, die Löcher stopften, haben ihre Grenzen erreicht. Das in guten Jahren angesparte Geld ist bereits liquidiert oder ausgegeben.

Die Szene hat zwei unvereinbare Versionen. In der einen beginnen die Engpässe vor Ende des Sommers. In der anderen gibt es kein Anzeichen einer Verlangsamung. Beides kann gleichzeitig wahr sein, was die Angelegenheit interessanter macht als eine August-Beschwerde.

Die Geschichte voller Terrassen und leerer Küsten

Manche behaupten pauschal, ihr Umfeld sei komplett im Urlaub und habe keine finanziellen Sorgen. Es werden Restaurants zitiert, die ohne Reservierung keinen Einlass gewähren, Lokale, die Kunden abweisen, und überhöhte Preise, die niemand infrage stellt. Am anderen Ende beschreibt jemand Gemeinden südlich von Madrid, wo um 22 Uhr kaum Menschen auf der Straße sind, Terrassen nur zwei bis vier besetzte Tische haben und Eisdielen schwache Nachfrage verzeichnen.

Beide Bilder koexistieren. Es gibt Viertel, wo der Sommer abrupt erlosch, und andere mit voller Auslastung. Der entscheidende Datenpunkt fehlt; vorhanden ist nur die Zusammensetzung jedes Umfelds.

Nicht alle Urlauber sind reich, nicht alle Reichen machen Urlaub. Ein illustrativer Fall: Eine Familie zahlte über 3.000 Euro für zehn Tage in einem abgelegenen Landhaus ohne Service und kaum Nachbarn. Dies ist nicht das Profil des Verschwenders, sondern desjenigen, der sein gesamtes Budget für einen einzigen Alucinación ausgibt.

Woher kommt das Geld, das die Tische füllt?

Das häufigste Argument verweist auf Einkommen, die nicht vom Konjunkturzyklus abhängen. Ein typischer Haushalt mit zwei Höchstrenten – 2.350 Euro bei 14 Zahlungen pro Person –, etwa 5.000 Euro monatlich aus Aktiendividenden der ehemaligen Arbeitgeberfirma und sechs Vermietungen mit 3.000 Euro netto summiert rund 13.000 Euro monatlich, bei bereits bezahlter Immobilie. Mit diesen Zahlen ist das Problem nicht das Ausgeben, sondern das Wo.

Hinzu kommen öffentliche Gehälter und Juli-Sonderzahlungen, die direkt in den Konsum fließen. Manche schätzen 17 Millionen öffentliche Gehaltsabrechnungen gegenüber 13,5 Millionen Angestellten und 3 Millionen Selbstständigen, bei Einnahmen von 260 Milliarden Euro und einer ähnlich hohen Verschuldung. Ein Teil des Landes konsumiert, weil der Staat jeden Monat zahlt, egal was passiert.

Die Haushaltsersparnis, die es nicht mehr gibt

Die andere Seite derselben Medaille ist das Fehlen eines Puffers. Ein Steuerberater fasst es nüchtern zusammen: Fast niemand hat Ersparnisse, heute leben Haushalte und Unternehmen von Bank- und Finanzierungsquellen. Dies würde erklären, warum trotz hoher Preise munter ausgegeben wird.

Der häusliche Detail widerlegt jede Heldengeschichte des Konsums: Der Einkaufskorb liegt bei 400 Euro monatlich für eine Person mit Grundbedarf, ohne Luxus. Manche berechnen 150 Euro monatlich für einen sparsamen Einkauf, basierend auf Frischware und Eigenmarken. Der Unterschied zwischen beiden Budgets ist nicht Geschmack, sondern Spielraum.

Warum ist der Lohnanstieg im Gehalt nicht sichtbar?

Weil ihn die IRPF (spanische Einkommensteuer) auffrisst. Eine Erhöhung von 3% bei einem Grenzsteuersatz von 35% auf 40% lässt den realen Anstieg auf 1,8% oder 2% schrumpfen, während die Inflation in einer anderen Liga spielt. Die fehlende Indexierung der Steuertabelle verwandelt jede Lohnanpassung in eine Illusion, und die Kaufkraft erodiert, ohne dass das Gehalt sinkt. Dies erklärt, warum viele Familien mehr ausgeben als früher und aufgehört haben zu sparen.

Die 26%, die nicht auf den Terrassenfotos erscheinen

Der harte Gegenpol kommt mit den Armutszahlen. Ein in Wirtschaftspresse verbreiteter Bericht stuft Spanien als viertgrößten Anteil der Bevölkerung in Armut oder sozialer Ausgrenzung in der EU ein: 26%, nur übertroffen von Rumänien (34%), Bulgarien (32%) und Griechenland (26,3%). Derselbe Bericht widerlegt die Erzählung einer boomenden Wirtschaft.

Hier liegt die echte Spannung. Ein Land, in dem ein Viertel der Bevölkerung am Abgrund steht und Terrassen keinen freien Tisch haben, ist kein Rätsel, sondern eine Frage der Verteilung. Und Verteilung sieht man anders als Ausgaben nicht von der Bartheke aus.



Die häufigste Prognose zeigt auf den Herbst, wenn variable Hypotheken angepasst werden und die September-Rechnungen eintreffen. Mit Vorbehalt: Niemand weiß noch, ob der Konsum hält, weil die Schulden ihn tragen, oder ob die Verlangsamung sich als Sommer tarnt. Die feinste Warnung in dieser ganzen Angelegenheit lautet jedoch anders. Der Klick ist erst hörbar, wenn die Arbeitslosigkeit endet.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (203 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver