Spaniens Doppelgänger-Wahn: Wenn Promis und Politiker sich ähnlich sehen

Von Rocío Monasterio bis Charlton Heston: Die Liste der spanischen Lookalikes wächst ständig. Diese berühmten Doppelgänger sind die beliebtesten.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spaniens Doppelgänger-Wahn: Wenn Promis und Politiker sich ähnlich sehen
Lookalikes in Spanien: Der nationale Sport, Doppelgänger zu finden

Spanien pflegt eine Leidenschaft, die in keiner offiziellen Statistik auftaucht: das Suchen von Ähnlichkeiten bei jeder Person, die im Fernsehen erscheint. Dieser Brauch hat über Jahre hinweg einen Katalog hervorgebracht, in dem Regionalpräsidenten neben Zeichentrickfiguren, Schauspielerinnen neben Hollywood-Stars und Minister neben Videospiel-Charakteren koexistieren. Jeder Fund wird mit derselben Feierlichkeit wie ein wissenschaftlicher Durchbruch begangen. Im Hintergrund taucht dabei eine unbequeme Frage auf: Sehen sie wirklich ähnlich aus, oder brauchen wir es einfach so?

Was ist ein „Lookalike“ und warum fasziniert es?

Ein plausibler Doppelgänger erfordert keinen forensischen Beweis. Ein Kiefer, ein Blick oder eine Geste, aufgenommen im ungünstigsten Winkel, genügen. Die Mechanik ist immer identisch: Jemand sieht ein Bild, macht eine mentale Verbindung und teilt sie ohne Filter. Manchmal ist das Ergebnis ein Aha-Effekt, der den Atem stockt lässt; manchmal nur eine Tischgespräch-Idee. Dazwischen liegt alles Mögliche – und genau darin liegt der Reiz.

Was dieses Spiel von bloßem Geplauder unterscheidet, ist sein enzyklopädischer Anspruch. Es geht nicht darum, einen einzigen Doppelgänger zu finden, sondern Paarungen anzuhäufen wie beim Sammeln von Stickerbildern. Der Katalog wächst von selbst: Je höher die öffentliche Präsenz eines Gesichts, desto wahrscheinlicher hat jemand bereits seine filmische Version zugewiesen. Politiker sind per Definition dazu verurteilt, einen Doppelgänger zu haben.

Politiker und ihre fiktiven Ebenbilder

Der am stärksten frequentierte Bereich ist der institutionelle. Der Madrider Präsidentin werden je nach Liste mindestens drei Doppelgänger zugeschrieben: die Schauspielerin Lesley Ann Warren, Aitana Sánchez-Gijón und das Gesicht von Gene Davis. Rocío Monasterio wird mit Golda Meir verglichen; Santiago Abascal mit einem jungen Terence Stamp. In der Ära des Übergangs zur Demokratie (Transición) muss Felipe González den Vergleich mit dem Schauspieler Hervé Villechaize ertragen.

Keiner dieser Vergleiche soll etwas beweisen. Sie funktionieren als kostengünstige Form politischer Kommentar, ein Witz, der keine Argumentation braucht, weil das Bild bereits alles gesagt hat.

Ähnlichkeiten, die ideologische Grenzen überschreiten

Die gefeiertsten Paarungen sind jene, die Gräben ignorieren. Manche weisen auf die Ähnlichkeit zwischen Charlton Heston und Arnold Schwarzenegger in ihrer besten physischen Verfassung hin: Der Moses des klassischen Kinos und der Conan der Achtzigerjahre, fast vom selben Mann gespielt. Befürworter behaupten, dass man auf bestimmten Fotos kaum einen Unterschied feststellen kann.

Andere Vergleiche gehen noch weiter. Roy Scheider, der Schauspieler aus Der weiße Hai, wird mit Adolfo Suárez in Verbindung gebracht. Und auch wenn es wie Blasphemie klingt, finden manche eine Ähnlichkeit zwischen dem ägyptischen Langzeitpräsidenten Hosni Mubarak und dem Schauspieler Jesús Bonilla. Wenn der Doppelgänger ein Diktator ist, wird das Spiel plötzlich unangenehm ernst.

Vom Koch zum Streamer: Der Katalog wächst unaufhaltsam

Außerhalb der Politik ist die Quelle unerschöpflich. Der Koch Javier Romero hat seinen Doppelgänger im Weihnachtsmann. Jesús Calleja sammelt Kandidaten: Manche sehen ihn wie Owen Wilson, andere bevorzugen die Ähnlichkeit mit Rutger Hauer. Am nerdigen Rand des Spektrums kommen auch Videospiel-Charaktere ins Spiel: Jemand hat zwei Kreaturen aus verschiedenen Serien gepaart, bis man sie nicht mehr unterscheiden konnte.

Die Liste umfasst einen weiteren Klassiker des unfreiwilligen Humors: die Ähnlichkeit zwischen einem Mitglied der eher volkstümlich geprägten spanischen Königsfamilie und dem Ingenieur aus dem Film Prometheus. Im Thread beansprucht jemand, den Vergleich gestartet zu haben. Wenn die Urheberschaft eines Witzes wichtiger ist als der Witz selbst, dann ist die Sache ernst gemeint.

Die Methode, die es nie gab

Wenn dieser Katalog etwas zeigt, dann dass es kein System gibt. Ähnlichkeiten werden durch Akkumulation validiert, nicht durch Konsens: Es reicht, wenn genug Menschen die Verbindung wiederholen, damit sie fixiert wird. Die Übereinstimmung zählt mehr als die Gesichtsproportion. Und wenn zwei ähnliche Gesichter gegensätzliche Reden halten, erreicht das Spiel seinen Höhepunkt.

Darin liegt der wahre Reiz. Der plausible Doppelgänger erlaubt es, gleichzeitig zwei Dinge zu sagen: dass wir alle austauschbar sind und dass jeder einzigartig ist. Es ist ein Witz, der funktioniert, weil er etwas Echtes streift, auch wenn niemand genau weiß, was.

Es ist wahrscheinlich, dass der Katalog weiter wächst, auch wenn niemand vorhersagen kann, wie viele dieser Paarungen dem Vergessen anheimfallen werden. Bis jetzt ist die einzige Gewissheit, dass irgendwo schon jemand einen Doppelgänger für den Doppelgänger gefunden hat.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (379 Antworten).

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