Klage gegen verdeckten Ermittler wegen Spionage bei Aktivisten

Fünf Aktivistinnen erstatten Strafanzeige gegen einen verdeckten Ermittler, der durch persönliche Beziehungen Informationen beschafft haben soll.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Klage gegen verdeckten Ermittler wegen Spionage bei Aktivisten
Verdeckter Ermittler teilte Bett und Geheimnisse mit Aktivisten

Fünf Aktivistinnen haben eine Strafanzeige (*querella*) gegen einen Polizisten erstattet, dem sie vorwerfen, sich in ihre Kreise eingeschlichen zu haben und persönliche Beziehungen zur Informationsbeschaffung genutzt zu haben. Der Beamte tritt im Verfahren unter dem fiktiven Alias Dani Hernàndez Pons auf. Die Anklage behauptet, er habe seinen Status als Beamter und seine Überwachungsaufgabe verschwiegen, während er Sozialleben, Wohnung und Bett mit ihnen teilte. Die Schrift wirft ihm die Delikte fortgesetzter sens Missbrauch, Folter oder Verbrechen gegen die sittliche Unversehrtheit, Geheimnisverrat und Behinderung der Ausübung bürgerlicher Rechte vor. Die Anzeige liegt nicht mehr bei einem Ermittlungsgericht; sie ist in die Verfassungsgerichtsbarkeit eskaliert.

Was genau vorgeworfen wird und was bewiesen werden muss

Die Grenze zwischen einer gewöhnlichen polizeilichen Einschleusung und dem hier Angezeigten liegt im Einverständnis. Dass ein Agent über seinen Beruf lügt, um sich einem Verdächtigen zu nähern, ist für sich genommen kein Verbrechen: Es ist die Grundlage jeder Nachrichtendiensttätigkeit. Das Problem entsteht, wenn die Lüge zur direkten Ursache einer affektiven Beziehung wird, denn dann argumentiert die Anklage, dass dieses Einverständnis auf einem wesentlichen Irrtum beruhte. Dies vor Gericht durchzuhalten, ist schwieriger als es scheint: Im Strafrecht reicht das Gefühl, betrogen worden zu sein, nicht aus; es muss nachgewiesen werden, dass der Betrug ein geschütztes Rechtsgut berührte und ein konkreter Schaden entstand. Beim Schadenspunkt machen die Klägerinnen keine finanziellen Verluste geltend.

Strafanzeige vs. Anzeige: Die Kosten des Irrtums

Eine *querella* ist keine einfache Anzeige. Eine Anzeige informiert nur einen Richter über Fakten; eine *querella* macht den Unterzeichner zur klagenden Partei und, falls der Fall scheitert, zur Kostenträgerin, mit eigenem Anwalt und Gerichtsvollzieher. Hier liegt das reale Risiko dieses Falls, wie mehrere Analysen betonten: Wer gegen einen Polizisten wegen schwer beweisbarer Tatsachen klagt, riskiert eine Kostenentscheidung, die weit höher ist als die einer einfachen Anzeige. Die Klägerinnen werden rechtlich von der Gewerkschaft CGT unterstützt und von einer Frauenvereinigung getragen, was die Kosten verteilt, aber nicht eliminiert.

Ist Täuschung für eine Beziehung strafbar?

Nein, zumindest nicht allgemein, und das ist der Kern der Sache. Das spanische Gesetz "Nur Ja heißt Ja" stellte das Einverständnis ins Zentrum des Strafgesetzbuches, und gerade deshalb ist seine Anwendung hier unangenehm: Wenn das Einverständnis entscheidet, muss man bestimmen, was ein Einverständnis ungültig macht. Die Doktrin unterscheidet zwischen einem Willensmängel begründenden Irrtum – etwa zu glauben, jemand sei eine andere Person – und einer bloßen Täuschung über die Biografie des anderen, die allein eine einvernehmliche Handlung nicht zum Verbrechen macht. Die Anklage muss mehr als nachträgliche Reue beweisen. Hier kommt ein unbequemes Element hinzu: das Machtgefälle. Es ist nicht dasselbe, wenn eine Privatperson lügt, wie wenn ein Beamter im Dienst lügt.

Vom Profumo-Skandal zum MI5: Sens als Waffe der Nachrichtendienste

Der klassische Präzedenzfall ist der Profumo-Skandal. In den 1960er Jahren hatte der britische Kriegsminister John Profumo eine Beziehung mit Christine Keeler, einer jungen Frau, die gleichzeitig mit dem sowjetischen Militärattaché in London verbunden war. Die Beziehung beendete Profumos politische Karriere und löste eine Krise in der britischen Regierung aus. Das hier relevante Detail ist die Richtung der Einschleusung: Damals diente Sens dazu, Staatsgeheimnisse zu extrahieren, und den Schaden trug die Macht. In diesem Fall ging der Informationsaustausch angeblich in die entgegengesetzte Richtung, vom Agenten zu den Gruppen, und der behauptete Schaden ist individuell. Es ist nicht dasselbe Verbrechen noch dieselbe Erzählung.

Der juristische Weg: Von lokalen Gerichten zum Verfassungsgericht und vielleicht Straßburg

Verfügbare Daten deuten darauf hin, dass die Angelegenheit Instanzen durchlaufen hat: zuerst ordentliche Gerichte, dann der Nationale Gerichtshof (*Audiencia Nacional*) und nun das Verfassungsgericht über eine Verfassungsbeschwerde (*amparo*). Die Prognose ist für die Klägerinnen nicht optimistisch. Beobachter schätzen, dass das Verfassungsgericht nur etwa 1 % der Verfassungsbeschwerden annimmt. Letzte Station bleibt der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte. Den Fall bis nach Straßburg zu tragen, bedeutet große Kanzleien, sukzessive Rechtsmittel und eine Rechnung, die nach kursierenden Schätzungen sich einer Million Euro nähern könnte.

Was kaum jemand bestreitet

Es gibt einen Punkt, an dem disparate Lesarten übereinstimmen: Der Vorwurf des sens Missbrauchs ist nicht der starke Teil der Klage, und sein wahrscheinliches Scheitern spricht die übrigen Punkte nicht frei. Geheimnisverrat und Behinderung bürgerlicher Rechte sind unbequemere Anklagen, weil sie nicht vom Einverständnis abhängen. Diskutiert wird, ob ein Staat in das Leben von Bürgern ohne Vorstrafen, ohne Sicherheitsrisiko und ohne vorheriges Strafverfahren eindringen darf. Das ist die Frage, die den konkreten Fall überlebt.

Bezüglich der Zahl der Betroffenen schwanken die von Beobachtern genannten Zahlen zwischen den fünf Unterzeichnerinnen der Klage und acht Frauen, mit denen der Agent laut einer kursierenden Berechnung während seiner Einschleusung irgendeine Art von Beziehung gehabt haben soll. Die Justiz hat vorerst nur fünf vor sich.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (130 Antworten).

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