Spanien weitet Krypto-Überwachung auf Modell 720 aus

Das spanische Finanzministerium plant eine Reform zur Meldung von Krypto-Beständen und Transaktionen im In- und Ausland sowie die Ausweitung des Modells 720.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien weitet Krypto-Überwachung auf Modell 720 aus
Das Finanzamt will wissen, wie viele Kryptowährungen du besitzt und wo sie liegen

Musst du deine Bitcoin beim Finanzamt melden? Bislang war die ehrliche Antwort ein Achselzucken. Die geplante Reform zur Aktualisierung des Gesetzes 7/2012 ändert den Rahmen: Virtuelle Währungen werden innerhalb und außerhalb Spaniens in die Informationsmaschine der Agencia Tributaria (spanische Steuerbehörde) integriert. Und zwar nicht nur Bestände in Verwahrung. Auch jede Anschaffung, Übertragung, Tausch, Transfer, Einzahlung und Zahlung. Das heißt, der komplette Pfad der Operationen. Der offizielle Vorwand: Betrug bekämpfen. Die praktische Konsequenz: Ein Formular mehr.

Zu was verpflichtet die Reform des Gesetzes 7/2012 genau?

Der Text dehnt das Modell 720, die Erklärung über Vermögenswerte und Rechte im Ausland, auf virtuelle Währungen aus. Der Steuerpflichtige muss über Besitz und Operationen informieren, unabhängig davon, ob sich die Währungen in Spanien oder im Ausland befinden und einen spanischen Steuerresidenten betreffen. Zudem wird Information über Bestände und Inhaber der von Dritten verwahrten Währungen verlangt.

Die Liste der meldepflichtigen Operationen ist umfangreich: Anschaffung, Übertragung, Tausch, Transfer, Einzahlungen und Zahlungen. Übersetzt: Jedes Mal, wenn du etwas bewegst, könnte jemand zuschauen. Es ist keine neue Steuer, sondern eine Meldepflicht. Aber man weiß ja, dass hier das Papier dem Beleg vorausgeht.

Ist es eine Neuerung oder kommt das Finanzamt zu spät?

Hier gibt es Uneinigkeit. Ein Teil behauptet, das sei nichts Neues: Kryptowährungen unterliegen seit Jahren dem Modell 720, wenn man mehr als 50.000 Euro an Aktiva im Ausland hat, und die Umwandlung in Bargeld auf einem Konto ist ein Kapitalgewinn wie beim Verkauf von Aktien. Nach dieser Lesart ist die Änderung kosmetisch.

Die andere Lesart deutet auf das Gegenteil hin. Was jetzt kommt, ist nicht das Modell 720, das bereits existierte, sondern ein Geflecht aus Informationsmodellen, die praktisch alle Operationen abdecken. Der qualitative Sprung liegt im Detail: vom Überwachen des Bestands zum Überwachen der Bewegung. Und Bewegen tun alle.

Melden Börsen dem Finanzamt?

Es lohnt sich, bei den Fällen zu bleiben. Kraken hat seinen Sitz in San Francisco, operiert aber den SEPA-Raum über Schweizer und deutsche Banken mit nicht-spanischer IBAN. Die Frage ist, ob diese Entitäten der Agencia Tributaria Bericht erstatten. Die Antwort, die unter täglichen Nutzern kursiert: Nicht unbedingt, denn eine Börse ist keine klassische Finanzinstitution und das automatische System für den Informationsaustausch (CRS) gilt für sie nicht gleichermaßen.

Bei Börsen mit Sitz in Spanien sieht die Sache anders aus, so wird im Thread argumentiert: Dort gäbe es tatsächlich Datenlieferungen. Und in der Praxis ist der zuverlässigste Pfad, laut Nutzern, nicht die Börse, sondern die Überweisungen von spanischen Banken. Geld, das ein oder ausgeht, hinterlässt Spuren.

Dann bleibt das philosophische Problem, das niemand bei der Steuerbehörde gelöst zu haben scheint. Was bedeutet es, Kryptowährungen „außerhalb Spaniens“ zu haben? Die Blockchain ist in keinem Land und in allen zugleich. Private Keys bewahrt jeder auf, wo er will: auf einer Hardware-Wallet, in einer verschlüsselten Datei oder auf Papier. Wenn es nicht deine Keys sind, sind es nicht deine Coins; wenn es deine Keys sind, gibt es keine Grenze, die sie lokalisiert.

Eigene Wallet, „verlorene“ Keys und Geschenkkarten

Aus diesen Rissen entsteht das Repertoire an Tricks, die geteilt werden. Die Kernidee: Auf einer Börse kaufen, die ans Finanzamt meldet, und die Coins schnellstmöglich in eine eigene Wallet verschieben. Von da an zwei Auswege. Der erste, bestreiten, dass die Coins im Ausland sind, weil das Netzwerk auch spanische Nodes hat. Der zweite, dreist sein und erklären, dass man bei der Überweisung die Adresse falsch eingegeben habe und sie verloren seien, mit der entsprechenden Kapitalverlust zur Verrechnung.

Hinzu kommen Abkürzungen außerhalb der überwachten Kanäle: Automaten ohne Verifizierung, Dienste, die Bitcoin gegen Karten von Kaufhäusern und Treibstoff tauschen, ohne KYC durchzuführen, oder Prepaid-Karten bis 500 Euro mit hohen Gebühren. Die wiederkehrende Schlussfolgerung ist die alte: Während ein Land die Tür schließt, öffnet ein anderes das Fenster. Portugal, so wird in der Debatte behauptet, erhebt keine Steuer auf Kryptowährungen.

Das Poker-Präzedenzfalle und die reale Macht des Finanzamts

Die Episode, die über der ganzen Konversation schwebt, ist die des Online-Pokers. Damals forderte das Finanzamt eine halbe Million Euro von einem professionellen Spieler und verlor, weil es nur die Gewinne berechnete, nicht das Gesamtkapital. Dieses Urteil ist es, das heute denen Hoffnung gibt, die fürchten, dass ihr gesamter Bestand statt nur der Gewinn überprüft wird.

Die Hoffnung hat Kleingedrucktes. Die Steuerbehörde braucht nicht recht zu haben, um zu beginnen: Es reicht ihr, zu vermuten. Zuerst kommt die Festsetzung und die Sanktion; nachzuweisen, dass sie sich irrte, ist Sache des Steuerpflichtigen, mit Anwälten und Jahren vor sich. Die Vermutung der Richtigkeit spielt für sie, nicht für dich.

Alles in allem bereitet sich die Verwaltung darauf vor, detaillierte Rechenschaft über einen Vermögenswert zu verlangen, der nach ihrem eigenen Ermessen gleichzeitig im und außerhalb des Landes liegt, an einem Ort und nirgendwo. Vielleicht versteht die Agencia Tributaria die Blockchain nicht ganz. Was sie sehr gut versteht, ist, wie man ein Formular dreifach ausfüllt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (166 Antworten).

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