Spanien: Unterscheidung zwischen oberflächlichem und bescheidenem Konsum

Hausgemachte Tests wie die Frage nach Spritpreisen oder das Verhältnis von Einnahmen zu Ausgaben sollen unnötige Kosten entlarven.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien: Unterscheidung zwischen oberflächlichem und bescheidenem Konsum
Vom Benzin-Test bis zu den 50 Paar Schuhen

In einer Bar in einem kleinen Dorf teilt sich ein Anfang Zwanzig, frisch ausgezogenes Paar mit Nachbarn einen Tisch. Er hat gerade eine Werkstatt eröffnet, ohne Marke im Hintergrund und ohne Sicherheitsnetz. Sie arbeitet nicht. Mitten im Gespräch erwähnt er der Kellnerin gegenüber, dass er gerade Stiefel für 160 Euro anschaut. Die Szene, beobachtet von einem Stammgast, fasst eine Frage zusammen, die immer wieder auftaucht: Wie unterscheidet man eine visillera (oberflächliche Person) von einer bescheidenen Frau beim Konsum? Das Problem ist, dass Ausgaben – anders als Einkommen – nirgendwo deklariert werden.

Der Ameisen-Konsum und die Sätze, die ihn verraten

Das erste wiederkehrende Signal sind kleine, konstante Ausgaben. Kleidung, Schuhe und Make-up summieren sich in Dosen, die einzeln jeder sich leisten kann; multipliziert mit einem ganzen Kleiderschrank, wird es kritisch. Jemand erzählte, dass er mehr als 50 Paar Schuhe in den Schränken einer Ex-Partnerin fand und fast einen Anfall bekam. Was dies zeigt, ist nicht das einzelne Stück. Es ist die Summe.

Es gibt einige Sätze, die als Frühwarnung dienen. „Ich habe nichts anzuziehen.“ „Es ist aus der Mode.“ „Es ist nur für die Übergangszeit.“ „Es ist nicht derselbe Brauntön.“ Jeder rechtfertigt einen neuen Kauf; aneinandergereiht zeichnen sie ein Muster. Und ein Muster ist zuverlässiger als das Detail, aus dem es besteht.

Der Hinweis liegt nicht darin, was ausgegeben wird. Es ist die Unfähigkeit, bei dem zu bleiben, was man bereits hat.

Der Benzin-Test und andere Feldversuche

Die am häufigsten zitierte Methode ist auch die umstrittenste: Fragen, wie viel ein Liter Benzin kostet. Ein Erfahrener schlug dies als schnelle Prüfung vor – wer den Preis nicht auswendig kennt, so hieß es, sei oberflächlich –, und die Antwort ließ nicht auf sich warten. Sie fährt nicht Auto. Zahlt kein Benzin. Warum sollte sie diesen Preis kennen müssen und nicht den für Damenbinden oder Antibabypillen, die sie betreffen? Hier versagt das Thermometer.

Andere Tests haben einen besseren Ruf. Ein Restaurant wählen und beobachten, ob zuerst die Speisekarte oder die Preise angeschaut werden. An einem Container vorbeigehen und die Reaktion messen: positiv, sparsam; negativ, das Gegenteil. Zu IKEA gehen und sehen, welches Gesicht man zwischen den Gängen macht. Fragen, ob man nähen kann und eigene Kleidungsstücke repariert, das weibliche Äquivalent dazu, dass ein Mann handwerklich geschickt ist.

Die Liste ist lang, weil jeder seine eigene verteidigt. Niemand vertraut dem Thermometer des Nachbarn.

Das Einnahmen/Ausgaben-Verhältnis, die Metrik, über die kaum jemand streitet

Was disparate Positionen vereint, ist das Verhältnis zwischen Einnahmen und Ausgaben. Jemand reduzierte es auf zwei Wörter, Einnahmen/Ausgaben-Verhältnis, und es wurde zum Standard. Der isolierte Kauf sagt nichts aus: Es gibt Taschen über 100 Euro, die nur zu Hochzeiten rauskommen und 15 Jahre alt sind; es gibt Schuhe für 400 Euro, gekauft mit 21 und getragen bis 41. Es ist das Gesamtbild, nicht das Einzelstück.

Das Problem des Verhältnisses ist, dass man über Geld sprechen muss, und dabei ist kaum jemand ehrlich. Sichtbarer Konsum ist die Oberfläche. Reale Einnahmen sind der Hintergrund, den man nicht zeigt. Das Preisschild eines anderen mit dem eigenen Gehalt zu vergleichen ist der Lieblingssport bei jedem Essen danach und auch der unfruchtbarste.

Der doppelte Maßstab: Auch Männer können oberflächlich sein

Das Gespräch driftete, nicht zufällig, zur Kehrseite ab. Manche behaupten, der Begriff habe eine männliche Version, die niemand mit gleicher Bösartigkeit nutzt: Derjenige, der das Auto, das Viertel oder die Modemarke anderer beurteilt. Die Symmetrie ist nicht perfekt. Wer den Preis der Tasche eines anderen hervorhebt, trägt oft selbst mehr Last, als es scheint.

Mitte des Austauschs kamen Differenzierungen auf. Dass junge Leute vom Land zum Studieren gehen, finanziert von den Eltern. Dass auch Männer ihre Jugend verlängern. Die gemeinsame Schlussfolgerung war einmalig: Das Problem ist nicht geschlechtsspezifisch, sondern altersbedingt: Jede Generation vermutet, dass die nächste schlechter wirtschaftet als die vorherige.

Die Hochzeit ändert alles

Und dann gibt es die bitterste These, wonach der Unterschied zwischen einer bescheidenen Person und einer oberflächlichen sich bis zum Tag der Hochzeit messen lässt. Danach, so argumentiert man, ändern sich die Regeln von allein und das frühere Verhalten sagt nichts über das spätere aus. Der einzige konkrete Kredit, der im gesamten Thema auftaucht, ist einer über 20.000 Euro für eine Küchenrenovierung, mit Plänen, auch den Boden zu wechseln. Dass dies warnend und nicht beschreibend gesagt wird, sagt viel über die Stimmung.

Am Ende gewinnt der Skeptizismus. Abseits sehr offensichtlicher Fälle weiß niemand wirklich, mit wem er das Bett teilt, geschweige denn, mit wem er das Konto teilt. Man sieht die Kleidung. Nicht die Buchhaltung.

Mit 116 Antworten bleibt die Ausgangsfrage – wie man eine visillera von einer bescheidenen Frau unterscheidet – unbeantwortet. Die Mehrheit vertraut darauf, den Konsum jemandes anhand seiner Schuhe abzuleiten. Meistens irrt man sich.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (116 Antworten).

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