Spanien: Sparsamkeit bremst den Konsum

Hohe Preise für Kaffee und Kino sowie Steuererhöhungen dämpfen die Kaufkraft in Spanien deutlich.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien: Sparsamkeit bremst den Konsum
Kein Euro zu viel: Die stille Rebellion gegen den Konsum

Ein Milchkaffee und zwei kleine Toasts. Sechs Euro. Tausend alte Peseten für etwas, das vor Jahren nur die Hälfte kostete. Dieser Bon, wiederholt an tausenden Theken, erklärt besser als jeder Bericht die Stimmung eines Teils der spanischen Verbraucher: gerade so viel ausgeben wie nötig und wenn möglich gar nichts.

Der Ärger hat ein Motto. „Du wirst verdammt nochmal konsumieren“ ist zum Kampfschrei jener geworden, die der Meinung sind, dass Steuer- und Preiserhöhungen nicht durch Lohnsteigerungen ausgeglichen werden. Es ist keine Prognose. Es ist eine Drohung aus dem Geldbeutel. Und dahinter lauert eine unbequeme Frage: Wie viel von dieser Bremse ist Überzeugung und wie viel schlicht Geldmangel?

MwSt., Strom und Einkommensteuer: Die Erhöhungen, die alles änderten

Die Liste ist bekannt: Anstieg der Mehrwertsteuer (IVA), der Strompreise, der Einkommensteuer (IRPF) und der Transportkosten. Vier Schläge gegen das verfügbare Einkommen, die zusammen die Kaufkraft beschneiden, ohne dass jemand am Gehalt gerüttelt hat. Das am häufigsten wiederholte Argument ist so einfach wie schwer zu widerlegen: Wenn ich weniger spare und mehr zahle, konsumiere ich weniger. Kein großes Geheimnis.

Dem gegenüber steht der Vorwurf der Gegenseite, wonach Verzicht auf Ausgaben ein Eigentor sei. Wenn jeder den Gürtel enger schnallt, leidet zuerst der lokale Handel und mit ihm die Arbeitsplätze, die den Konsum stützen. Das Problem, entgegnen die anderen, ist, dass auch dem Bäcker an der Ecke die Steuern erhöht wurden.

Vom Café-Bon bis zum Lidl-Mais: Der Einkaufskorb

Hier werden die Zahlen konkret. Ein Kinoticket für 8 Euro. Zwei Milchkaffees und zwei kleine Toasts für 6 Euro. Und am anderen Ende des Spektrums der Existenzbedarf: Mais bei Lidl für 0,49 Euro pro 285 Gramm und Makkaroni für 0,72 Euro pro Kilo. Das Muster wiederholt sich: Man kauft das Nötigste, der Rest geht ins Sparen.

Auch kleine Ungerechtigkeiten schüren die Gemüter. Die 3D-Brillen im Kino, online gratis reservierbar, werden an der Kasse ohne Ankündigung berechnet. Es sind Details, aber sie nähren das Gefühl, dass man immer die Rechnung eines anderen bezahlt.

Amazon und die MwSt., die beim Finanzamt fehlt

Seit 2013 läuft ein Großteil der Online-Käufe über Amazon, das mit der luxemburgischen MwSt. von 17 % abrechnet, statt der spanischen 21 %. Die EU-Vorschriften setzen Schwellenwerte für grenzüberschreitende Verkäufe – 35.000 oder 100.000 Euro je nach Land –, ab denen große Unternehmen die MwSt. des Ziellandes anwenden sollten. Wer prüft das?

Es gibt zwei gegensätzliche Lesarten. Einige freuen sich, dass ihr Geld nicht in Staatskassen fließt, die später Banken retten. Andere sehen es als Schuss in den Ofen: Wenn die MwSt. im Ausland eingezogen wird, muss jemand dieses Loch mit höheren Steuern für die üblichen Verdächtigen stopfen.

Konsum auf Tiefstand: Autos wie 1989

Die Branchenzahlen zeichnen mehr als nur Ärger. Die Autoverkäufe entsprechen denen von 1989, obwohl es 10 Millionen Einwohner mehr gibt. Der Konsum langlebiger Güter ist seit 2006 um 70 % eingebrochen; der Dienstleistungssektor um 30 %; Güter mit einer Lebensdauer unter drei Jahren ebenfalls um 30 %. In einigen Fällen wird gekauft wie in den 60er-Jahren.

Und wenn dies der logische Konsum ist, sollte die Konsequenz offen ausgesprochen werden: Man muss mit geflickter Kleidung, Ellbogen-Patches und Sohlen-Flicken leben. Niemand hat es laut gesagt.

Vom Ärger zur Postkonsumgesellschaft

Für einen Teil der Konsumenten wurde der Protest vom vorübergehenden Zustand zur Lebensform. Manche bezeichnen sich als postkonsumistisch: Sie brauchen und wollen kaum etwas von dem, was in Einkaufszentren verkauft wird, und vieles dessen, was sie nutzen, zirkuliert außerhalb der üblichen Kanäle. Sparsamkeit, argumentieren andere, sei nicht Armut, sondern der Weg zur finanziellen Unabhängigkeit: Die meisten, die mehr als eine Million Euro netto anhäufen, haben dies durch Arbeit, Investition und Nicht-Ausgeben erreicht.

Bleibt die unbestrittene Tatsache. Während der Volkskonsum erlischt, wächst der Luxus: Für jeden verkauften Ferrari bleiben 20 Seat unverkauft. Das Geld verschwindet nicht. Es wechselt die Hände und verlässt den Kreislauf der Normalsterblichen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (339 Antworten).

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