Spanien: Müllabgabe wird Pflicht – Chaos in Kommunen

Die verpflichtende Abfallgebühr in Spanien erhöht die Einnahmen bis 2035 um 50 %. Kommunen warnen vor technischen Problemen bei der Berechnung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien: Müllabgabe wird Pflicht – Chaos in Kommunen
Verpflichtende Müllabgabe lässt kommunale Einnahmen um 50 % steigen

In Spanien werden Gemeinden die Müllentsorgung künftig zwingend berechnen müssen, was zu höheren Rechnungen führt. Das im April 2022 verabschiedete Gesetz über Abfälle und kontaminierte Böden für eine Kreislaufwirtschaft verpflichtet erstmals alle spanischen Kommunen, eine „spezifische, differenzierte und kostendeckende“ Gebühr einzuführen, die die tatsächlichen Kosten für Sammlung, Transport und Behandlung widerspiegelt. Die im BOE (Staatsanzeiger) festgelegte Frist betrug drei Jahre. Das bedeutet, dass sie seit 2025 verpflichtend ist, obwohl viele Rathäuser bereits vorgeprescht sind.

Bisher konnten Gemeinden diese Gebühr erlassen oder ganz streichen. Mit der neuen Regelung ist damit Schluss: Die Gebühr ist nicht mehr optional, und wie immer zahlt am Ende der Bürger. Prüfer der lokalen Finanzverwaltung warnen, dass die technische Umsetzung ein Minenfeld sein werde.

Was ändert sich durch die neue Müllabgabe?

Artikel 11 des Gesetzes legt fest, dass die Gebühr Systeme zur zahlungsbezogenen Müllmenge ermöglichen und die tatsächlichen direkten oder indirekten Kosten für Sammlung, Transport und Behandlung abbilden muss. In die Kalkulation fallen die Überwachung dieser Vorgänge, die Nachsorge nach Schließung von Deponien sowie Sensibilisierungs- und Kommunikationskampagnen. Abgezogen werden Erlöse aus der erweiterten Herstellerverantwortung, dem Materialverkauf und der Energiegewinnung.

Kurz gesagt: Die Rechnung darf nicht zu niedrig ausfallen. Die Gebühr wandelt sich vom freiwilligen kommunalen Entgegenkommen zur Pflicht mit den tatsächlichen Kosten als Untergrenze.

Warum Gemeinden von Chaos und Panik sprechen

Der Nationale Verband der Inspektoren der öffentlichen lokalen Finanzen (ANIHPL) hat Alarm geschlagen. In den Rathäusern herrscht aufgrund vielfältiger technischer Schwierigkeiten „Chaos“, und es gibt „totale Panik“, weil das Gesetz Berechnungen verlangt, deren Methodik unbekannt ist: unter anderem die Schätzung des Abfallaufkommens der Bevölkerung. Niemand weiß, woher die Zahlen kommen sollen, lautet die Kritik.

Der Inspektor Juan Ignacio Gomar prognostiziert, dass die Gebühr bei fehlerhafter Umsetzung wie zuvor die Grundsteuer auf Wertzuwachs (plusvalía) gekippt werden könnte. Eine Rückerstattung zu viel erhobener Beträge würde die Haushaltskassen der Gemeinden überlasten. Das Szenario hat einen Namen: Klageflut.

Von 2.079 auf 3.700 Millionen Euro

Die Zahlen sprechen für sich. Laut dem Bericht „Las tasas de residuos en España en 2022“ der Stiftung ENT beliefen sich die Einnahmen aus der Abfallgebühr im Jahr 2021 auf 2.079 Millionen Euro, was 61,15 Euro pro Kopf entspricht. 73,1 % dieser Einnahmen stammen aus der Sammlung, 26,9 % aus der Behandlung.

Die Stiftung für Kreislaufwirtschaft projiziert, dass die Gemeinden dank der neuen Regelung ihre Einnahmen von anfänglich 3.000 Millionen auf 3.700 Millionen Euro im Jahr 2035 steigern werden. Dieser Anstieg entspricht einer Erhöhung der Einnahmen um 50 % und macht die Müllabgabe zur zweitwichtigsten Einnahmequelle der Kommunen, nur hinter der Immobiliensteuer IBI. In einigen Gemeinden wird bereits von rund 320 Euro jährlich für ein Haus mit Grundstück gesprochen, wobei 11 Euro monatlich als untere Referenz gelten. Die Aufschlüsselung der Kosten pro Haushalt, basierend auf den in Vorreitergemeinden kursierenden Beträgen, macht das Thema zu mehr als nur einer Preiserhöhung.

Plastiksteuer nimmt mehr ein als erwartet

Dasselbe Gesetz führte die Sondersteuer auf nicht wiederverwendbare Plastikverpackungen ein, die seit dem 1. Januar 2023 gilt. Bis August hatte das Finanzministerium 402 Millionen Euro eingenommen, sodass die veranschlagten 491 Millionen Euro zum Jahresende leicht erreichbar sind. Der fiskalische Erfolg steht im Kontrast zu den Belastungen für Lebensmittel-, Getränke- und Kosmetikindustrie, die die Kosten an Endkunden weitergeben werden.

Tür-zu-Tür-Sammlung, Karten und 200-Euro-Strafen

Einige Gemeinden testen bereits Modelle. In Pamplona und anderen Orten wird die Tür-zu-Tür-Sammlung oder die Nutzung intelligenter Container erprobt: Jeder Bewohner erhält eine Karte zum Öffnen der Tonne, und die Häufigkeit der Nutzung wird protokolliert. Manche Ortschaften begrenzen die Zugriffe auf 20 pro Jahr und überwachen die Container mit Kameras; das Abstellen von Säcken neben der Tonne wird mit 200 Euro Bußgeld geahndet.

Die Nebenwirkungen beschränken sich nicht darauf. Einige geben zu, beim Sortieren absichtlich Fehler zu machen, um die Sammelwagen zu verwirren, während andere in Dörfern mit tausend Einwohnern ihre Tonnen wegen Diebstahl oder Vandalismus verloren haben.

Weniger recyceln und nicht zahlen: Die Reaktion der Steuerzahler

Ein Teil der Bevölkerung reagiert mit passivem Widerstand: Müll wird nicht mehr getrennt, Sperrmüll wird wild entsorgt oder die Abbuchung der Gebühr verweigert. Das Hauptargument lautet, dass man bereits für Müll zahle und sich der Service nicht verbessere, während gleichzeitig die Lebenshaltungskosten steigen: Ein Burger, der früher 1 Euro kostete, kostet nun 1,45 Euro.

Manche sehen das Problem weniger in der Gebühr selbst als in ihrer Überschneidung mit Steuern, die dieselben Leistungen finanzieren, und argumentieren, dass händisches Mülltrennen, damit Dritte daran verdienen, unbezahlte Arbeit sei. Der Vergleich mit Ecoembes, dem Monopolisten für Verpackungsmanagement, taucht immer wieder auf.

Mit Blick auf das Gesetz deutet alles darauf hin, dass 2025 kein spanischer Haushalt der Rechnung entgehen wird. Was noch unklar ist, ob die Gebühr korrekt berechnet wird oder wie die Grundsteuer auf Wertzuwachs vor Gericht landet. Wahrscheinlich kommt die Rechnung; ob sie korrekt ausgestellt ist, steht auf einem anderen Blatt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (192 Antworten).

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