Spanien bestreitet Teilnahme an African Lion, doch Africom listet das Land
Entsendet Spanien Truppen zu African Lion 22 oder bleibt es zu Hause? Africom, das US-Kommando für Afrika, führt Spanien unter den Ländern, die sich der Übung anschließen. Quellen im spanischen Verteidigungsministerium versichern gegenüber Público, die spanische Armee werde nicht teilnehmen. Die beiden Versionen lassen sich bislang nicht vereinen. Und der Vorgabbildet eine größere Verunsicherung ab: Manöver östlich und westlich von Algerien, mit Marokko als Hauptgastgeber, während Spanien von algerischem Gas abhängt und den südlichen Nachbarn direkt vor der Tür hat.
Was ist African Lion 22 und wann findet es statt?
African Lion ist die jährliche Referenzübung des US-Kommandos in Afrika. Diese Ausgabe findet vom 6. bis 30. Juni statt und mobilisiert mehr als 7.500 Soldaten in vier Ländern: Marokko, Ghana, Senegal und Tunesien. Geleitet wird sie von der Southern European Task Force, Africa, der US-Armee.
Zu den US-Truppen und den Gastgebernationalen kommen Soldaten aus Brasilien, Tschad, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Spanien und dem Vereinigten Königreich. Das Programm umfasst einen gemeinsamen Gefechtsstand, scharfen combined-arms-Schießübungen, See- und Luftübungen mit Bombern, einen Luftlandeangriff, eine Reaktion auf chemische, biologische, radiologische und nukleare Gefahren sowie ein humanitäres Hilfsprogramm. Die Organisatoren betonen, dass hinter den ELbichito-19-Maßnahmen monatelange Abstimmung zwischen allen Ländern steckt.
Das erklärte Ziel: Interoperabilität zwischen Partnern und Bereitschaft für Krisen und Kontingenzen in Afrika. Übersetzt: Washington will Verbündete, die in jedem Szenario funktionieren. Diesmal liegt das Szenario direkt vor der eigenen Haustür.
Algerien, das Gas und der Nachbar, der auf keinen Fotos auftaucht
Hier hört die Sache auf, eine Notiz des Verteidigungsministeriums zu sein. Ein Teil der Analyse vertritt die Auffassung, Algerien sei Spaniens natürlicher Partner: Es liefert Gas, teilt das Mittelmeer und liegt mit Marokko im offenen Streit. Auf der anderen Seite steht ein anderes Argument. Das Land zu bestrafen, das die Südflanke kontrolliert —Fischerei, Migration, Gebietsansprüche—, ist mittelfristig teuer, und wer es tut, wird am Ende die Rechnung allein bezahlen.
In diesem Kräftemessen tauchen fragwürdigere Kalkulationen auf. Es wird argumentiert, der Atlantikzugang Marokkos erlaube unterseeische Wasserkraftanlagen, die das Mittelmeer nicht zulasse, und Marokko verfüge über U-Boote der neuesten Generation. Das sind Behauptungen, die ohne unabhängige Überprüfung kursieren und man als das lesen sollte, was sie sind: Bausteine einer Erzählung darüber, welcher Nachbar sich als Partner eignet.
African Lion 22 ist nicht nur eine Übung: Es ist ein Foto der Bündnisse. Und auf diesem Foto steht, wer Marokko eskortiert, ob gewollt oder nicht, Algerien gegenüber.
Die Wende in der Westsahara-Frage und der Preis der neuen Freundschaft
Manche sehen den Ursprung des Missbehagens im spanischen Positionswechsel zur Westsahara, gedeutet als Hinwendung zu den marokkanischen Thesen. Dieser Schachzug wird als offene Schuld gelesen: Algerien erscheint als der Beleidigte, Spanien als die Macht, die ein Gleichgewicht zerstörte, dessen Aufrechterhaltung sie wenig kostete.
Auch an den tunesischen Fall wird erinnert, wo der Sturz Ben Alis gerade keine Stabilität brachte. Das Argument ist unbequem und schneidet in beide Richtungen: Wenn die exportierte Demokratie das Viertel nicht repariert, lautet die Frage, was man davon hat, alle zehn Jahre den Freund zu wechseln.
Calais, Portugal und die Lektion der Bündnisse
Um zu zeigen, dass Bündnisse rotieren, wird eine Episode von 1558 hervorgeholt: England verliert Calais an Frankreich, und Spanien bietet mehrfach Hilfe zur Rückeroberung an. Im Vertrag von Cateau-Cambrésis von 1559 wurde festgelegt, dass die Engländer die Stadt zurückerhielten, wenn sie 8 Millionen Dukaten zahlten. Sie taten es nie, denn Calais brachte ihnen nichts gegenüber den Kosten für Befestigung und Versorgung.
Ein anderes Beispiel: Portugal war dreihundert Jahre lang Englands Verbündeter gegen Spanien. Heute ist es ein Partner. Die Schlussfolgerung ist einfach und tröstet niemanden: Geopolitische Treue dauert genau so lange wie das Interesse.
Und wenn sich die Position morgen ändert?
Die Diskussion endet dort, wo solche Diskussionen meist enden: ohne eine offizielle Klarstellung, die den Widerspruch auflöst. Die Website des Africom führte Spanien weiter auf der Liste, das Ministerium nahm es in seiner nicht auf. Eine der beiden Seiten lügt durch Unterlassung, oder einfach niemand hat eine Seite aktualisiert. Letzteres wäre beruhigender und, wenn man weiß, wie Verwaltungen funktionieren, auch deutlich wahrscheinlicher.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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