Spanien: Lebensmittelmehrwertsteuer steigt, Warenkorb 21% teurer

Die spanische Regierung beendet die Mehrwertsteuersenkung für Lebensmittel. Der Warenkorb ist nun 21% teurer als im Januar 2023.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien: Lebensmittelmehrwertsteuer steigt, Warenkorb 21% teurer
Lebensmittel-MwSt in Spanien ab Juni wieder höher, Warenkorb 21% teurer

Die spanische Regierung hat Brüssel mitgeteilt, dass sie die Senkung der Mehrwertsteuer (IVA) auf Lebensmittel zum 30. Juni zurücknimmt. Ab diesem Datum gelten für Brot, Milch, Obst und Gemüse wieder der ermäßigte Satz von 4%, während Öle und Nudeln zum regulären Satz von 10% zurückkehren. Dies markiert das Ende einer Ausnahme, die ursprünglich für ein Halbjahr genehmigt, zweimal verlängert wurde und dem Staat über 2,5 Milliarden Euro an Einnahmen gekostet hat. Die entscheidende Frage ist nicht, wann die Steuer zurückkehrt, sondern ob ihre vorübergehende Abschaffung überhaupt spürbar war.

Kosten einer Senkung, die beim Verbraucher nie ankam

Die offiziellen Zahlen sind eindeutig. Durch den Wegfall der Lebensmittel-MwSt entgingen dem Staat 1,7 Milliarden Euro im Jahr 2023 und weitere 440 Millionen Euro im ersten Quartal 2024. Bis Ende Juni wird das Defizit mehr als 2,5 Milliarden Euro betragen. Gleichzeitig stieg die Inflation bei Lebensmitteln im April auf 4,7%, vier Zehntelpunkte höher als im Vormonat, obwohl der Index vor einem Jahr noch fast 13% betrug. Das Wirtschaftsministerium führte den Anstieg auf den sogenannten Basiseffekt zurück, eine statistische Erklärung, die oft verwendet wird, um konkrete Ursachen zu verschleiern.

Ein weiteres Detail ist irritierend. Der Finanznutzerverband Asufin überwacht seit anderthalb Jahren einen Warenkorb aus Grundprodukten in fünf Ketten — Alcampo, Carrefour, Dia, El Corte Inglés und Mercadona. Der durchschnittliche Einkauf kostet heute 20,91% mehr als im Januar 2023, also genau zu Beginn der Steuersenkung. Im Vergleich zu Dezember 2022, bevor die Supermärkte ihre erste Preissenkung durchführten, ist der Warenkorb 8,12% teurer geworden. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Ketten reichen von 13,73% bis 34,66%.

Steuererhöhung oder Rücknahme einer temporären Vergünstigung?

Hier beginnt die Debatte, die für die politische Kommunikation relevant ist. Eine Argumentation besagt, es handle sich nicht um eine Erhöhung, sondern um die Streichung einer Ausnahme, wodurch die Steuer auf ihr ursprüngliches Niveau zurückkehre. Technisch korrekt, praktisch jedoch irreführend, da der Verbraucher im Juli mehr zahlt als im Juni. Ähnlich verfuhr man zuvor mit der Stromsteuer, die von 10% auf 21% stieg, ohne dass dies als "Erhöhung" bezeichnet wurde.

Die Gegenargumentation lautet, die MwSt hätte gar nicht gesenkt werden dürfen, wenn sie nicht beim Endverbraucher ankommt. Die Daten von Asufin stützen diese Sicht: Wäre die Senkung vollständig weitergegeben worden, müsste der Warenkorb günstiger sein, nicht 21% teurer. Kritiker vermuten, dass die Steuerabschaffung lediglich die Gewinnmargen der Unternehmen erhöhte, statt die Haushaltskassen der Bürger zu entlasten.

Ausblick auf die Lebensmittelpreise im zweiten Halbjahr

Ein Bericht von PWC für den Verband der Hersteller und Händler (Aecoc) schätzt, dass die Aufhebung der reduzierten MwSt die Lebensmittel-Inflation um etwa einen Prozentpunkt erhöhen wird. Diese Prognose wirkt optimistisch, da sie voraussetzt, dass die Einzelhändler Preise nicht aufrunden. Auch die Regierung hofft, dass sich die Preise im zweiten Halbjahr von selbst stabilisieren — eine Erwartung, die bisher nicht eingetreten ist.

Der Zeitplan spielt gegen die Verbraucher. Die vollständige Abschaffung der MwSt auf Olivenöl, im Januar zur Rettung des Krisendekrets vereinbart, ist noch nicht in Kraft getreten. Wenn die Steuer im Juli wieder steigt, wird dieser Schritt wirkungslos bleiben: Niemand wird jemals günstigeres Olivenöl erlebt haben.

Temporäre Vergünstigungen, die dauerhaft werden

Das Muster wiederholt sich auffällig oft. Steuerermäßigungen werden befristet eingeführt, während Steuererhöhungen, ebenfalls als temporär deklariert, dauerhaft bestehen bleiben. Die beiden Erhöhungen der MwSt von 16% auf 21% zwischen 2010 und 2012 wurden als konjunkturbedingt verkauft und gelten auch nach über zehn Jahren unverändert. Die aktuelle Lebensmittel-Senkung hielt kaum zwei Jahre durch.

Die wirtschaftlichen Folgen sind nur ein Teil des Problems. Bei einem 21% teureren Warenkorb und steigender Staatsverschuldung erbt jede Regierung die Spielräume ihrer Vorgänger und verbraucht sie schnell. Der Verbraucher trägt die Kosten, ohne dass erklärt wird, warum die Entlastung, die dem Staatshaushalt fehlte, nie bei ihm ankam.

Sollte die PWC-Prognose eintreffen, fügt die Rückkehr der MwSt nur einen Punkt zur Lebensmittel-Inflation hinzu, und der Warenkorb folgt seinem eigenen Trend. Ist die Schätzung zu niedrig — was historische Erfahrung nahelegt —, kommt die versprochene Stabilisierung später oder gar nicht.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (258 Antworten).

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