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Spanien im Stillstand: alle wissen es, keiner handelt
Ein Tarifvertrag mit Rechtsabbau wird mit den Stimmen derer beschlossen, die selbst verlieren. Eine Debatte über Resignation und Bürgerbewusstsein in Spanien, mit Universe 25…
Spanien im Stillstand: alle wissen es, keiner handelt
Ein Tarifvertrag mit Lohnkürzungen und Verlust von Rechten wurde mit der Ja-Stimme der Mehrheit der Beschäftigten beschlossen. Keiner der Ja-Stimmer ging als Gewinner daraus hervor. Die Szene, die im aktuellen wirtschaftlichen Diskurs nachklingt, wirft eine unbequeme Frage auf: Ist sich Spanien der Schwere seiner Lage bewusst, oder hat es den Niedergang so weit normalisiert, dass er fast zur Alltagsroutine geworden ist?
Apathie als mehrheitliche Antwort
Die vorherrschende Analyse besagt, dass die Mehrheit der Bevölkerung die Realität des Landes nicht wahrnimmt und dass der Teil, der sie wahrnimmt, ebenfalls nicht bereit ist, etwas zu unternehmen. Das Argument wiederholt sich in Varianten: Viele leben an ihrem politischen „Verein" klebend, andere flüchten sich in Resignation, und ein nicht geringer Teil will schlicht nichts wissen. Die häufigsten Antworten laut den gesammelten Zeugnissen sind das fatalistische „Was willst du machen" und das wütendere „Soll sie doch alle kreuzen" – ohne zu bedenken, dass der Adressat am Ende man selbst ist.
Der Vergleich mit dem Experiment Universe 25 – einer Mäusekolonie, die kollabiert, nachdem sie den Sinn der Gemeinschaft verloren hat – dient als Metapher: Wenn eine Gesellschaft an die gemeinsame Zukunft nicht mehr glaubt, flüchten sich die Individuen in den eigenen Komfort, und das System zerfällt, ohne dass es jemand abschaltet.
Die Hälfte des Landes lebt von der anderen
Eines der auffälligsten Ergebnisse ist die Wahrnehmung, dass die Hälfte Spaniens von der anderen Hälfte abhängt und dass diese Abhängigkeit jeden Aufstandsversuch entschärft. Die grobe Formel – „die Hälfte des Landes lebt von der anderen, und die andere rebelliert nicht" – verdichtet eine bittere Sichtweise: Der Sozialstaat erzeugt statt Loyalität ein Klientelsystem, das die Anpassung belohnt und die Beschwerde bestraft. Und wer sich beschwert, so mehrere Analysen, sei meist der kleine Selbstständige oder Unternehmer – dieselbe Minderheit, die weiterhin die Rechnung zahlt.
Der Gegenargument ist nicht weniger scharf: Die Jugend sei darauf erzogen worden, alles hinzunehmen, während die vorausgegangene Generation den eigenen Kindern den Rücken zukehrt. Die Generationenspaltung, mehr als der klassische politische Streit, ist das eigentliche Schlachtfeld.
Ein gescheiterter Land in den Augen der eigenen Bürger
Das Etikett „gescheiterter Staat" taucht immer wieder auf, wenn auch mit Nuancen. Gemeint ist weniger ein drohender wirtschaftlicher Zusammenbruch als der Zerfall des Öffentlichen: Politik, Journalismus, Ordnungskräfte und vor allem die Justiz, die für den Normalbürger als nicht existent beschrieben wird. In diesem Szenario ist Angst als Kontrollmittel nicht mehr nötig, weil die Bürgerschaft selbst überzeugt ist, dass jeder Protest zwecklos ist.
Bilder des Migrationsdrucks in Ceuta kursierten während der Diskussion als Beleg für das Gefühl der Kontrolllosigkeit: Während manche die Szenen sahen und wegschauten, rechtfertigten andere sie mit einem Sarkasmus, der die Entfremdung verrät. Die bis zum Überdruss wiederholte Anekdote war die Antwort derer, die nicht hinsehen wollen: „Die Schlüssel werden wohl drinnen vergessen worden sein."
Der klügste Teil der Debatte, wenn man so will, ist der, der die Paradoxie umarmt: Spanien bleibt ein Einwanderungsland für Millionen Menschen, die von außen kommen, während die eigenen Bürger anstehen, um auszuwandern, einen Plan B vorbereiten oder einfach akzeptieren, dass der Niedergang längst der Normalzustand ist. Nicht einmal Dramatik gibt es: Die Resignation hat sich im lautlosen Modus eingerichtet. Die Zahl, die verunsichert, ist am Ende keine makroökonomische, sondern die Antwort derjenigen, die sich bewusst sind: Statt sich zu mobilisieren, packen viele den Koffer. Unterdessen bleibt das Land am Strand, dribbelt oder starrt aufs Handy. Und genau das, so die Schlussfolgerung, sei beabsichtigt gewesen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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