Laut einem Forumspost wären die Hälfte aller Mieter in Spanien bereits Ausländer
Der auslösende Fakt ist drastisch: Rund 50 Prozent der Mieter in Spanien, etwa fünf Millionen Personen, sollen ausländische Staatsbürger sein, so die Behauptung eines Nutzers in einem wirtschaftlichen Diskussionsforum. Die Zahl ist keine Meinung oder eine Stammtischimpression, sondern der Ausgangspunkt einer Debatte, die binnen weniger Stunden von einer Nachbarschaftsanekdote zu gegenseitigen Vorwürfen über die Verantwortung für den Zusammenbruch des Mietmarktes eskalierte. Und nein, es war nicht der Tourismus. Zumindest nicht allein.
Tourismus erklärt laut dieser These das Ungleichgewicht nicht
Der erste Schlag gegen die übliche Erzählung kommt durch die Statistik. Die registrierten 341.001 Ferienwohnungen machen lediglich 1,28 Prozent des nationalen Immobilienbestands aus, gemäß der im Thread zitierten experimentellen Statistik des INE (Instituto Nacional de Estadística). Der touristische Vermietungssektor stellt demnach nur etwa 10 Prozent des Mietmarktes dar; die verbleibenden 90 Prozent entfallen auf den regulären Wohnraummietmarkt. Mit diesen Grundlagen drängt sich im Start der Diskussion eine unbequeme Schlussfolgerung auf: Das Missverhältnis zwischen Angebot und Nachfrage wurde nicht durch Urlaubsapartments verursacht, sondern durch den Anstieg der Migrantenpopulation, so zumindest diese Interpretation.
Manche gehen weiter und quantifizieren den Anteil, der tatsächlich von Migranten belegt wird: Zwischen 1,4 und 1,6 Millionen Objekte sollen an im Ausland geborene Personen vermietet sein, was 40 bis 45 Prozent des gesamten Mietmarktes entspräche. Die Spannbreite ist groß, aber die Größenordnung bleibt bei allen kursierenden Schätzungen gleich.
Überbelegung als Geschäftsmodell, laut mehreren Berichten
Der härteste Teil der Debatte betrifft nicht die Prozentsätze, sondern die Praktiken. Es wird ein Phänomen beschrieben, das mehrere Teilnehmer aus eigener Erfahrung kennen: Wohnungen, die nie wieder öffentlich inseriert werden, weil sie direkt von einer Familie zur nächsten weitergegeben werden, ohne den Markt zu betreten. In einem Mehrfamilienhaus kann eine 80-Quadratmeter-Wohnung mehrere Familien beherbergen, die Kosten teilen und Einkommen bündeln. Das Ergebnis wäre ein Wettbewerbsdruck durch Überbelegung: Der Markt passt sich Preisen an, die nur mit vier oder fünf Gehältern tragbar sind, während ein Paar mit zwei Einkommen nicht mehr konkurrenzfähig ist.
Das Phänomen konzentriert sich auf bestimmte Gebiete. Im Zentrum von Málaga gibt es laut einem Bericht keinen Wohnraumvermietungsmarkt mehr, nur noch Ferienvermietung. In einem Gebäude in Santa Cruz de Tenerife wären heute 100 Prozent der Apartments touristisch genutzt, vor zehn Jahren waren es null. Globale Prozentzahlen verdecken lokale Realitäten, in denen der Markt vollständig okkupiert ist.
Warum bevorzugen Vermieter Migranten?
Die Frage hat eine unbequeme Antwort. Argumentiert wird, dass viele Eigentümer das Risiko von Mietausfällen und häufigen Wechseln vermeiden, indem sie Mieter auswählen, die Bedingungen akzeptieren, die Einheimische ablehnen würden: WG-Leben, Vorauszahlung, keine Beschwerden über den Zustand der Wohnung. Die mehrfache Meldepflicht pro Adresse (Empadronamiento) wäre der Schlüssel des Systems: Ohne städtische Kontrolle können mehrere Familien an derselben Adresse registriert sein und Zugang zu Sozialhilfe, Gesundheitsversorgung und Schulplätzen erhalten. Ein Teilnehmer schlägt vor, die Registrierung pro Wohnung zu begrenzen, um Überbelegung abzuschrecken.
Das Gegenargument taucht ebenfalls auf: Wenn Vermieter Migranten bevorzugen, liegt es daran, dass der rechtliche Rahmen säumige Mieter schützt und Eigentümer benachteiligt, was dazu führt, Profile mit geringerer Klagefähigkeit auszuwählen. Die Starre des Arbeitsmarktes und der Mangel an Neubau schließen den Kreis.
Der Hintergrund, den niemand bestreitet
Jenseits des direkten Konflikts verbindet die Debatte strukturelle Probleme, die seit Jahren ungelöst bleiben. Der Lohndumping in Sektoren wie Gastronomie und Bauwesen drückt die Löhne nach unten, während die Mietpreise steigen. Die Müllabgabe (Tasa de cochambres), die erstmals vollständig erhoben wird, lastet auf den Mietern und verteuert die Miete zusätzlich. Und die Alterung der einheimischen Bevölkerung, mit einer durchschnittlichen Kinderzahl von 0,6 Kindern pro spanischer Frau gegenüber deutlich höheren Raten bei Migranten, deutet auf einen demografischen Wandel hin, der über den Immobilienmarkt hinausgeht.
Das Gespräch driftet zu düsteren Prognosen: Manche sprechen von zehn Jahren, bis die Lage irreversibel ist, andere weisen darauf hin, dass unter 20-Jährigen in einigen Regionen bereits überwiegend migrantisches Ursprung haben. Es sind Projektionen, keine Gewissheiten, aber sie markieren den Ton eines Unbehagens, das keinen politischen Kanal findet.
Was getan werden kann, laut den Teilnehmern selbst
Die kursierenden Vorschläge reichen vom Administrativen bis zum Drastischen. Kontrolle der Meldedaten, Vor-Ort-Inspektionen, Altersgrenzen für das Wahlrecht, Einschränkungen bei öffentlichen Aufträgen. Keine davon erzeugt Konsens. Was fast alle Beteiligten teilen, ist die Diagnose: Das Problem sei nicht die Zuwanderung an sich, sondern der Mangel an bezahlbarem Wohnraum und das Fehlen von Kontrollen darüber, wie der vorhandene Raum genutzt wird.
Mit diesen Voraussetzungen ist die vernünftigste Prognose, dass sich das Ungleichgewicht verschärft, bevor es korrigiert wird. Der Neubau reicht nicht aus, die Migration geht weiter, und angekündigte Maßnahmen kommen spät und schlecht umgesetzt. Wenn etwas in diesem Austausch klar geworden ist, dann dass der Mietmarkt für einen wachsenden Teil der Bevölkerung nicht mehr funktioniert und dass niemand mit der Macht zur Lösung offenbar auf die Zahlen schaut.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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