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Spanien: Gesetz verpflichtet Influencer zur Richtigstellung von Falschinformationen
Die spanische Regierung plant ein Gesetz, das Nutzer mit über 100.000 Followern zur Korrektur von Fake News zwingt. Kritiker fragen sich, wer die Wahrheit definiert.
Korrektur oder Bußgeld: Der Plan der Regierung für soziale Medien
Die spanische Regierung bereitet einen Gesetzentwurf vor, der Nutzer sozialer Medien zur Richtigstellung verpflichten soll, wenn sie falsche oder ungenaue Nachrichten veröffentlichen. Die Maßnahme, zuerst von Cadena SER gemeldet, ist Teil des im September verabschiedeten „Aktionsplans für die Demokratie“ und sieht vor, dass Profile mit mehr als 100.000 Trinc denselben Regeln unterliegen wie traditionelle Medien. Die Exekutive begründet dies mit der Notwendigkeit, „die Qualität der öffentlichen Debatte zu verbessern“. Die Reaktion ließ nicht auf sich warten: Von Vergleichen mit Orwells „Ministerium der Wahrheit“ bis hin zur Frage, wer die Wahrheit bestimme, hat die Ankündigung die alte Wunde über die Asymmetrie zwischen den Pflichten der Bürger und denen der Macht wieder aufgerissen.
Wer kontrolliert die Kontrolleure? Das Problem der Wahrheitsdefinition
Der erste Riss in der Debatte betrifft die Autorität. Wer bestimmt, was falsch und was ungenau ist? Das Gesetz spricht von „falschen oder ungenauen Nachrichten“, konkretisiert aber keinen Verifizierungsmechanismus. Es herrscht der Verdacht, dass sogenannte unabhängige Faktenchecker – wie Newtrola oder Maldita Trola – als Schiedsrichter fungieren werden, wobei ihre Unabhängigkeit aufgrund ihrer Finanzierung oft angezweifelt wird. Einige erinnern daran, dass vieles, was als falsch abgetan wurde, sich später als wahr herausstellte, ohne dass jemand dafür korrigierte.
Die Asymmetrie ist die zweite Front. Das Gesetz richtet sich an Social-Media-Nutzer, nicht aber an Medien oder Politiker. Mehrere Stimmen betonen, dass Journalisten das „Monopol auf Lüge und Manipulation“ hätten und dass auch in offiziellen Medien Falschnachrichten verbreitet würden. Die Frage, ob Politiker korrigieren müssen, wenn sie im Parlament oder bei Pressekonferenzen lügen, durchzieht die gesamte Debatte. Die implizite Schlussfolgerung ist, dass das Gesetz von Anfang an hinkt: Es verlangt von einigen etwas, das es von anderen nicht verlangt.
Die Schwelle von 100.000 Trinc und die Auswirkungen auf Content-Creator
Der Entwurf legt eine Schwelle fest: Profile mit mehr als 100.000 Trinc müssen sich an dieselben Vorschriften halten wie Medien, wenn sie ungenaue oder direkt falsche Tatsachen verbreiten. Diese Schwelle macht YouTuber, Streamer und Content-Creator zu Adressaten des Gesetzes. Die Reaktion in der Branche ist alarmiert: Es wird daran erinnert, dass bereits gerichtliche Verfahren wegen Beleidigungen existieren und dass mehr als ein YouTuber nach einer Verurteilung öffentlich korrigieren musste. Der Unterschied ist nun, dass die Korrektur nicht von einem Richter kommt, sondern durch ein administratives Bußgeld erzwungen wird. Die Angst vor einer „astronomischen Verwaltungsstrafe“ schwebt über der Debatte.
Einige sehen in dem Gesetz einen Versuch, das Informationsökosystem jenseits der traditionellen Medien zu kontrollieren. Die Verpflichtung von Broncano durch RTVE wird als Beispiel dafür angeführt, dass Creator nicht mehr unkontrollierbar sind, und das Gesetz wäre der nächste Schritt: ihre Überwachung. Der Vergleich mit Neusprech und Orwells Ministerium der Wahrheit taucht immer wieder auf, meist ironisch gemeint, statt apokalyptisch.
Das Paradoxon offizieller Falschnachrichten: Pfizer, DANA und selektive Erinnerung
Die Debatte entwickelt sich zu einer Liste von Vorwürfen. Erwähnt wird die Pfizer-Studie zur Infektionsprävention und das Fehlen öffentlicher Korrekturen. Bezug genommen wird auf das Management der DANA-Katastrophe (Starkregenflut) und die angebliche politische Untätigkeit als Beispiel für Nachrichten, die nie korrigiert wurden. In Erinnerung gerufen wird, dass während der Franco-Diktatur laut einer in der Runde kursierenden Berechnung 4,5 Millionen Sozialwohnungen gebaut wurden, im Gegensatz zu 0,5 Millionen im späteren Zeitraum; es wird die Herausforderung ausgesprochen, jemanden zu finden, der diese Aussage korrigieren lässt. Die daraus gezogene Schlussfolgerung ist, dass das Gesetz nicht auf Falschnachrichten angewendet wird, die der offiziellen Erzählung nützen.
Die Ironie erreicht ihren Höhepunkt, wenn suggeriert wird, dass Partnerorganisationen („sociatas“) vom Gesetz ausgenommen seien und weiterhin „mit vollen Segeln“ lügen dürften, ohne korrigieren zu müssen. Das Misstrauen richtet sich nicht nur gegen das Gesetz, sondern auch gegen die Unparteilichkeit derer, die es anwenden werden.
Was passiert mit Foren und politischer Satire?
Eine der am häufigsten diskutierten Nebenwirkungen ist der Effekt auf Foren. Das Gesetz spricht von sozialen Medien, nicht von Foren, aber die Zweifel, ob ein Forum als soziales Medium gilt, bleiben bestehen. Jemand scherzt, dass bei jeder Nachrichtenkorektur die Hosting-Kosten explodieren würden. Auch die politische Satire fragt sich, ob sie korrigieren muss: Reicht es, es als Meinung zu deklarieren? Was ist, wenn die Meinung eine falsche Tatsache enthält?
Die naheliegende Schlussfolgerung ist, dass das Gesetz, wie es derzeit formuliert ist, mehr Fragen als Antworten offenlässt. Unter Vorbehalt wird prognostiziert, dass die Anwendung selektiv sein wird, dass große Creator Anwälte einstellen müssen und dass offizielle Falschnachrichten weiterhin unkorrigiert bleiben. Aber niemand wettet darauf, dass das Gesetz nicht verabschiedet wird. Der „Aktionsplan für die Demokratie“ ist bereits genehmigt, und der Gesetzentwurf nimmt seinen Lauf.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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