Spanien gegen Russland: Wer prägte die Geschichte?

Ein historischer Vergleich zwischen Cervantes, Elcano und der Raumfahrt der UdSSR.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien gegen Russland: Wer prägte die Geschichte?
Wer prägte die Geschichte mehr: Spanien, Russland oder das Narrativ?

In Foren wird oft diskutiert, welches Land – Spanien oder Russland – einen größeren Beitrag zur Weltgeschichte geleistet hat. Ein Teilnehmer stellt die These auf, Spaniens Leistungen seien höchstens mit denen der Türkei vergleichbar. Die Mehrheit widerspricht: Ohne den Einfluss von der Iberischen Halbinsel wäre die heutige Welt nicht wiederzuerkennen. Gemeint sind die Entdeckung Amerikas, die erste Erdumrundung und Don Quijote. Doch die Debatte wird schnell komplex.

Cervantes gegen Dostojewski: Der Kampf der Literatur

Manche behaupten, kein russischer Autor habe Miguel de Cervantes übertroffen. Zur Untermauerung zitieren sie Fjodor Dostojewski, der Don Quijote als „höchsten Ausdruck menschlichen Denkens“ bezeichnete. Das Argument stützt sich auf die enorme Verbreitung des Werks – nur die Bibel wurde öfter übersetzt – und die These, dass Spanien die moderne Romanform erfunden habe.

Auf der anderen Seite steht William Shakespeare, was die Diskussion vergiftet. Einige halten den Engländer für universeller; jeder Leser kenne Hamlet oder Romeo und Julia. Andere entgegnen, dass selbst in abgelegenen Teilen Amazoniens Cervantes bekannt sei und Lope de Vega sowie Pedro Calderón de la Barca dem Dramatiker aus Stratford-upon-Avon in nichts nachstehen. Bei den Nobelpreisen werden die zwei spanischsprachigen Preisträger (Camilo José Cela und Mario Vargas Llosa) den russischen gegenübergestellt, deren letzter Preis auf 1987 und der vorletzte auf 1970 datiert wird. Dem wird oft entgegengehalten, dass Russland siebenmal so viele Einwohner wie Spanien hat.

Amerika entdecken und die Welt umrunden: Verdienst und Details

Der technische Meilenstein ist unbestritten. Juan Sebastián Elcano vollendete die erste Umrundung der Erde mit spanischen Schiffen, Besatzungen und Finanzierung. Die Expedition, die den Weg nach Amerika öffnete, stützte sich auf die Gebrüder Pinzón und Kartographen wie Juan de la Cosa, der die erste Karte Amerikas erstellte. Zudem betont man, dass Ferdinand Magellan ohne diese Unterstützung nichts erreicht hätte. Russland hingegen feierte seine erste Weltumsegelung erst 1800, fast drei Jahrhunderte später.

Es gibt jedoch Gegenargumente. Man führt an, dass die Entdeckung Amerikas einer günstigen geografischen Lage und dem Druck eines von Armut und Pest geplagten Europas geschuldet war. Es bedurfte keiner einzigartigen technologischen Durchbruchleistung, und das eigentliche Verdienst liege bei den italienischen Handelsrepubliken. Auch die Herkunft Christoph Kolumbus’ – Genua oder Galizien – ist Teil dieser Debatte. Die Antwort lautet kurz: Ohne spanische Schiffe, Männer und Geld gab es keine Reise, und die Kontinentkarte stammt aus Spanien.

280 Millionen gegen 40: Demografie als Argument

Die häufigste Zahl ist ein Bevölkerungsvergleich: 280 Millionen in der Sowjetunion gegenüber 40 Millionen in Spanien. Daraus leiten russische Befürworter ab, dass die UdSSR im letzten Jahrhundert das Weltraumrennen führte, während – wie ein Teilnehmer ironisiert – wir noch immer auf eine Mondsonde warten. Dies ist die moderne Variante der Idee, dass Russland die jüngere Geschichte dominiert, Spanien aber die Weltgeschichte prägt. Daher drehen sich viele Beiträge am Ende um Geopolitik statt Literatur.

Dieser Wandel ist entscheidend. Was als Diskussion über Kartographie und Romane begann, endet als Plebiszit über Außenpolitik, wobei sich die Lager automatisch formieren. Manche Beiträge degenerieren zu pauschalen Verleumdungen ganzer Gruppen und rassistischen Theorien – Lärm, der keinen sachlichen Kern hat und entsprechend eingeordnet werden sollte.

Warum glänzt Russland nur unter fremder Führung?

Ein Block von Beiträgen konzentriert sich auf Architektur und Eliten. Die Mauern des Kremls wurden von einem Italiener errichtet; halb St. Petersburg wurde von Italienern gebaut. Die beste Regierungszeit trug eine Kaiserin deutscher Herkunft, und der größte territoriale Erfolg ging auf einen Führer georgischer Abstammung zurück. Die Kritik richtet sich auch gegen Baumaterialien: Russlands große Paläste bestünden aus Backstein mit Stuckfassaden, die alle paar Jahre neu gestrichen werden müssten, im Gegensatz zum Königspalast in Madrid, einem steinernen Bauwerk, das nicht brennt.

Auf der Gegenseite verteidigt man Spaniens Beitrag durch Stadtgründungen – hunderte neue Städte mit römischem Rasterplan –, die Kartographie eines ganzen Kontinents, frühe Texte zur Inflation und Geldethik sowie Naturforscher, die neue Arten beschrieben. Die Zerstörung historischer Aufzeichnungen erobeter Kulturen wird im selben Absatz erwähnt, ohne dass jemand dies leugnet.

Sprache als Maßstab für Einfluss

Für einige ist der wahre Maßstab eines Beitrags die hinterlassene Sprache: Menschen, die nichts mit dir zu tun haben, sprechen deine Muttersprache. Aus dieser Sicht schneidet Spanisch besser ab als Russisch, das in Kuba jahrzehntelang präsent war, ohne sich durchzusetzen, oder Mandarin, gebunden an eine Aussprache, die schwer reist. Das Gegenargument: Französisch und Deutsch haben mehr Gewicht auf dem Arbeitsmarkt und in der technischen Produktion, und eine Sprache diene nur dazu, an der Küste Bier zu bestellen.

Auch der Begriff Lateinamerika wird diskutiert. Manche behaupten, er sei im 19. Jahrhundert durch französische imperialistische Propaganda geprägt worden und sollte durch Hispanoamerika ersetzt werden, da die überwiegende Mehrheit des Gebiets spanischsprachig sei. Niemand bestreitet jedoch, dass sich der Begriff im allgemeinen Sprachgebrauch durchgesetzt hat.

Der Ton verschlechtert sich phasenweise, und das Endergebnis bleibt offen. Spanien gewinnt die historische Gesamtbilanz, Russland das letzte Jahrhundert, und die Angelsachsen gewinnen die Debatte, sobald Physik und Evolutionstheorie ins Spiel kommen. Die eigentliche Frage, die niemand ganz beantwortet, ist nicht, wer mehr beigetragen hat, sondern wie viel dieses Duells Geschichte ist und wie viel Spiegelbild eines viel näheren Konflikts.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (220 Antworten).

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