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In Spanien finden sieben von zehn Unternehmen keine Mitarbeiter, während 2,7 Millionen Menschen arbeitslos sind. Der Arbeitsmarkt weist strukturelle Defizite auf.
Fachkräftemangel und hohe Arbeitslosigkeit: Die ungelöste Parallele
Spanien hat nicht ein Beschäftigungsproblem, sondern zwei, die sich gegenseitig ignorieren. Sieben von zehn Unternehmen geben an, keine passenden Fachkräfte zu finden, während das Land mit 2,7 Millionen Arbeitslosen kämpft. Diese Zahlen stehen für Arbeitgeber ohne Widerspruch nebeneinander, bieten aber Arbeitssuchenden, die seit Monaten Bewerbungen ohne Rückmeldung versenden, keine überzeugende Erklärung.
Dies ist kein neues Phänomen. Es ist ein andauerndes Missverhältnis, das deutlich zeigt, wie der spanische Arbeitsmarkt gleichzeitig an beiden Enden versagt.
Das gesuchte Profil existiert nicht
Die offizielle Begründung lautet oft Qualifikationsmangel. Doch ein Blick auf die Stellenanzeigen erzählt eine andere Geschichte. Eine aktuelle Anzeige forderte einen Abschluss in Betriebswirtschaft oder vergleichbar, fünf Jahre Berufserfahrung, Kenntnisse in SAP, Excel und Power BI sowie verhandlungssicheres Englisch, Französisch und Deutsch plus Reisebereitschaft. Das Angebot: Tarifgehalt und geteilte Arbeitszeit.
Im Technologiesektor werden die Anforderungen bis zur Absurdität gesteigert. Eine Stelle als Systemadministrator verlangte Zertifikate für AWS, GCP und Azure, Expertise in Kubernetes und Docker, Terraform-Deployment, acht Jahre Vor-Erfahrung, agile Methoden und zusätzlich die Rolle des Scrum Masters. Nach Einschätzung von Brancheninsidern erfüllen diese Kombination nur etwa 5 % der Fachkräfte.
Hinzu kommt die Kleingedrucktes bei den Auswahlverfahren: unbezahlte vierstündige technische Tests, die oft folgenlos bleiben. Viele Kandidaten weigern sich bereits, daran teilzunehmen.
Was bezahlt wird, wenn kein Titel nötig ist
Am anderen Ende des Spektrums liegen Angebote unter 1.200 Euro für geteilte Schichten. Oder 900 Euro, wenn man acht Stunden gemeldet bekommt, aber zwölf arbeitet. Hier liegt das Geschäft, scheint die Mehrheit in Spanien zu denken.
Die Rechnung, die Kritiker vorbringen – dass es nicht am Angebot, sondern am Preis liege –, ist unbequem: Mit einer Unterstützung von 426 Euro im Hintergrund und nach Abzug von Fahrtkosten, Verpflegung und Kleidung bleibt bei bestimmten Jobs nur ein Plus von 200 bis 300 Euro monatlich. Bei diesen Zahlen lohnt sich die Annahme kaum. Befürworter führen dies auf ökonomische Rationalität zurück, nicht auf Faulheit.
Soria: 100 offene Stellen in einem Dorf mit 1.700 Einwohnern
Ein Gegenbeispiel zum Vorwurf der Arbeitsverweigerung findet sich im ländlichen Raum. In einer Gemeinde mit 1.700 Einwohnern werden 100 Arbeitskräfte gesucht. Es gibt keine Menschen im erwerbsfähigen Alter, da sie abgewandert sind, und Auswärtige ziehen nicht hin, weil Infrastruktur fehlt. Santiago Aparicio, Vizepräsident von Cepyme und Präsident der CEOE Castilla y León, spricht von „absoluter Verzweiflung“.
Der Einwand folgt sofort: Wo sollen 100 Familien untergebracht werden? Welche Wohnungen und Dienstleistungen bietet eine Binnenregion, in der die Winter Temperaturen unter minus zehn Grad erreichen? Wenn das Paket nicht Wohnraum, Schulen und Transport umfasst, bleiben die Stellen unbesetzt, selbst wenn Führerscheininhaber verfügbar wären.
Überqualifiziert und übergangen
Es bleibt die Gruppe, die weder eingestellt noch erwartet wird. Rekordüberqualifikation, geringe Weiterbildungsbereitschaft der Firmen und informelle Selektionskriterien prägen das Bild. Über 45-Jährige, die bereit wären, Mindestlohn zu akzeptieren, landen ihre Lebensläufe direkt im Papierkorb. Die offizielle Erzählung klagt über Kandidatenmangel; der reale Filter sieht anders aus.
Dazu kommt der bekannte Parallelweg: Zugang durch Empfehlungen, Vetternwirtschaft als Abkürzung und öffentliche Ausschreibungen (oposiciones) als einziges Feld, auf dem alle nach denselben Regeln konkurrieren.
Die realistischste Prognose ist nicht, dass das Problem gelöst wird, sondern dass es chronisch wird. Solange angebotene Löhne nicht konkurrenzfähig gegenüber Sozialleistungen sind, Bedingungen keine Vereinbarkeit von Beruf und Familie zulassen und der ländliche Raum mehr als nur Gehalt bieten muss, werden weiterhin Servicekräfte fehlen und Akademiker überzählig sein. Die Parallele löst sich nicht auf; sie normalisiert sich.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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