Spanien ersetzt Essenspakete durch Supermarkt-Gutscheinkarten

Die spanische Regierung tauscht physische Lebensmittelpakete gegen aufladbare Karten für den Einkauf im Supermarkt. 100,2 Mio. € für 70.000 Familien, verwaltet vom Roten Kreuz.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien ersetzt Essenspakete durch Supermarkt-Gutscheinkarten
Regierung in Spanien ersetzt Essenspakete durch Gutscheinkarten zur Bekämpfung der Armut

Der Ministerrat hat ein Königliches Dekret verabschiedet, das die physische Ausgabe von Lebensmitteltaschen abschafft und sie durch aufladbare Gutscheinkarten ersetzt, die in Supermärkten eingelöst werden können. Die Maßnahme tritt ab April 2024 in Kraft und soll etwa 70.000 Familien in extremer Armut erreichen. Das erklärte Ziel der Exekutive ist es, den Zugang zu Grundnahrungsmitteln "zu würdigen", indem Familien ihre Lebensmittel selbst auswählen dürfen, anstatt zugewiesene Pakete zu erhalten.

Das Programm wird über eine direkte Zuschussvergabe an das Spanische Rote Kreuz (Cruz Roja Española) abgewickelt, finanziert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds. Der maximale Förderbetrag beläuft sich auf 100,2 Millionen Euro. Davon sind 95,5 Millionen Euro spezifisch für Kosten bei Lebensmitteln und Grundgütern vorgesehen, während 4,7 Millionen Euro für technische Ausgaben reserviert sind, die für die Einrichtung und Verwaltung des Programms auf nationaler Ebene erforderlich sind. Diese nationale Verwaltung ist als vorübergehende und außergewöhnliche Maßnahme für 2024 gedacht; ab dem 1. Januar 2025 sollen die autonomen Gemeinschaften die vollständige Verwaltung übernehmen.

Monatlicher Betrag nach Haushaltstyp und Begünstigten

Die Auswahl der Begünstigten erfolgt durch die sozialen Dienste der jeweiligen autonomen Gemeinschaften, wobei Familien mit Kindern priorisiert werden, deren Einkommen weniger als 40 % des Durchschnittseinkommens beträgt. Die monatlichen Beträge, die diese Familien über die Karte erhalten, sind höher als jene, die sie unter dem früheren Modell der Essenspakete bekamen. Die Beträge staffeln sich nach Größe der Haushaltseinheit: Haushalte mit einem Erwachsenen und einem Minderjährigen erhalten 130 Euro pro Monat; Drei-Personen-Haushalte 160 Euro; Vier-Personen-Haushalte 190 Euro; und Haushalte mit fünf oder mehr Mitgliedern 220 Euro. Laut Ministeriumskreisen übersteigt dieses Modell den bisherigen Durchschnitt von 6 Euro pro Person, ein Betrag, der die grundlegenden Versorgungsbedürfnisse einer Person nicht deckte.

Die Karte kann maximal drei Monate lang aufgeladen werden, danach müssen die Familien eine neue Aufladung beantragen. Das Programm ist zeitlich begrenzt und zielt nicht darauf ab, die Bedürfnisse aller gefährdeten Familien zu decken, sondern dient als ergänzendes Instrument zu anderen Sozialhilfeprogrammen. Mit diesem neuen Modell endet die Zusammenarbeit mit der Föderation der Spanischen Tafeln (FESBAL) für die Verteilung dieser spezifischen Lebensmittel, obwohl die Tafeln weiterhin mit anderen öffentlichen Unterstützungen arbeiten werden.

Kritik an der Verwaltung und den wirtschaftlichen Auswirkungen

Die Entscheidung hat eine breite Debatte über die Wirksamkeit und mögliche Nebenwirkungen der Maßnahme ausgelöst. Einige argumentieren, dass durch die Beseitigung der Vermittlung durch die Tafeln der Weiterverkauf von Produkten oder deren Verwendung für den Kauf nicht-lebensmittelrelevanter Güter wie Reinigungsmittel oder sogar Elektronikartikel erleichtert wird. Es wird angeführt, dass ohne strenge Kontrolle der erworbenen Produkte Familien die Karten möglicherweise für verarbeitete Lebensmittel oder Getränke statt für nahrhafte Grundprodukte ausgeben könnten. Zudem besteht die Sorge, dass die Verwaltung durch die autonomen Gemeinschaften zu politischem Klientelismus oder einer ungleichen Ressourcenverteilung führen könnte.

Andererseits wird die Langzeittragfähigkeit des Modells infrage gestellt, da die Mittel begrenzt sind und aus Europäischen Fonds mit fester Laufzeit stammen. Einige Analysten weisen darauf hin, dass dies ein temporärer Pflaster sein könnte, der die strukturellen Ursachen von Armut und Ungleichheit, wie fehlende stabile Beschäftigung oder hohe Wohnkosten, nicht angeht. Auch wurde kritisiert, dass das System indirekt große Supermarktketten subventionieren könnte, die vom garantierten Umsatzvolumen profitieren, anstatt nur den am stärksten gefährdeten Familien zu helfen.

Vergleich mit anderen europäischen Systemen

In anderen europäischen Ländern wie Frankreich gibt es ähnliche Systeme von Schecks oder Gutscheinen für Lebensmittel, jedoch mit signifikanten Unterschieden in der Umsetzung und Kontrolle. Im französischen Fall ermöglichen Schulschecks den Familien den Kauf einer breiten Pueblerino von Produkten, was Kritik von denen hervorrief, die eine Abweichung vom ursprünglichen Zweck der Hilfe sehen. In Spanien versucht die neue Maßnahme, die bekannten "Hunger-Schlangen" zu vermeiden, ein Phänomen, das in den letzten Jahren umfassend dokumentiert wurde, wo Familien lange Warteschlangen bildeten, um Essenspakete an bestimmten Ausgabestellen zu erhalten.

Der Übergang zu einem System aufladbarer Karten stellt einen Paradigmenwechsel in der Art dar, wie der Staat die Sozialhilfe angeht. Während argumentiert wird, dass dies den Familien mehr Freiheit und Würde gewährt, wirft es auch erhebliche Herausforderungen in Bezug auf Kontrolle, Transparenz und Gerechtigkeit auf. Der Erfolg oder Misserfolg dieser Maßnahme hängt weitgehend davon ab, wie sie in der Praxis verwaltet wird – sowohl auf nationaler als auch auf regionaler Ebene – und von der Fähigkeit der Regierung, sicherzustellen, dass die Mittel effektiv bei den Bedürftigsten ankommen.



Die offene Frage bleibt, ob diese Maßnahme, fernab von einer tatsächlichen Würdigung, die Armut letztlich kommerzialisiert und die Schwächsten zu einem gefangenen Markt für große Ketten macht, während die Inflation ihren unaufhaltsamen Kurs fortsetzt.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (257 Antworten).

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