Spanien: Chef muss Arztbesuche genehmigen

Ein Aushang in einem spanischen Restaurant verpflichtet Kellner, für Arztbesuche die Erlaubnis des Chefs einzuholen. Die Gastronomie steht unter Druck.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Chef muss Arztbesuche genehmigen
Wie weit reicht die Autorität eines Arbeitgebers über den Körper seiner Mitarbeiter? In der spanischen Gastronomie, wie ein virales Foto zeigt, muss man den Chef um Erlaubnis bitten, bevor man zum Arzt geht. Das Bild auf den sozialen Medien zeigt eine Anweisungsliste mit Aufgaben wie Bodenreinigung oder Uniformpflicht, aber auch eine Klausel, die das Unbehagen einer ganzen Branche offenbart: Wenn es einem Mitarbeiter schlecht geht, muss er erst zur Arbeit kommen, und der Chef entscheidet, ob eine Krankmeldung akzeptiert wird.
Was genau steht im Aushang
Das handgeschriebene, nicht unterschriebene Blatt listet Pflichten auf, die in vielen Restaurants als selbstverständlich gelten: Abräumen, Servieren, Putzen, nicht untätig sein. Was die Diskussion entfachte, ist der Punkt, an dem gewarnt wird, dass Krankmeldungen zuerst vom Arbeitgeber genehmigt werden müssen, der dann bestimmt, ob der Mitarbeiter wirklich krank ist. In den Kommentaren fragte niemand, ob sie auch Bierfässer vom Lieferwagen entladen sollen, und einige scherzten, dass nur noch Peitschenhiebe fehlten. Der Verweis auf den „Spüler, der die Toiletten reinigt“, rundete das Bild eines Jobs ab, in dem die Vielseitigkeit keine Grenzen kennt.
Warum niemand überrascht ist
Der beunruhigendste Teil ist die Reaktion derer, die seit Jahren im Geschäft sind. „So war es schon immer“, fassen mehrere zusammen, mit dem Hinweis, dass dies früher ausgeglichen wurde: Man aß vor dem Service im Restaurant und die Trinkgelder waren üppig. Jetzt beschränkt sich das Handbuch darauf, Unterwerfung zu fordern. Das Argument, es sei nur eine Liste vernünftiger Aufgaben, kollidiert mit der Tatsache, dass keine dieser Aufgaben erfordert, dass ein Chef als Richter über die Gesundheit seiner Belegschaft fungiert. Die Grenze zwischen Zusammenarbeit und Demütigung verschwimmt, wenn die Belegschaft eine Erlaubnis braucht, um krank zu werden.
Die Wirtschaft hinter dem Missbrauch
Hinter dem Aushang verbirgt sich eine Anreizstruktur, die auf dem Foto nicht sichtbar ist. Bei einer Arbeitslosenquote von etwa 20 % ist der protestierende Arbeitnehmer leicht ersetzbar. Befürworter der Arbeitgeberseite argumentieren, dass kein Mitarbeiter mehr generiert, als er verdient, und dass das Geschäft bei höheren Löhnen nicht rentabel wäre; die direkteste Antwort lautet: Wenn das Modell nur funktioniert, indem disziplinäre Maßnahmen ohne Kosten durchgesetzt werden, liegt das Problem im Modell selbst. Ob die Löhne niedrig sind, weil die Produktivität gering ist, oder weil der Gewinn bei denen bleibt, die nicht im Saal arbeiten, bleibt offen.
Menüpreise und Marge des Lokals
Es gibt eine zweite wirtschaftliche Lesart, die man nicht außer Acht lassen sollte. Dieselben Personen, die würdige Bedingungen fordern, beschweren sich, dass ein Teller Rührei mit Schinken 17 Euro kostet. Aber die Kostenaufstellung eines Restaurants – Miete, Strom, Gas, SGAE (Verwertungsgesellschaft), Steuerberater, Buchhaltung, Versicherungen, Geschirrbruch – erklärt, dass das Problem nicht der Preis der Karte ist, sondern die Verteilung dessen, was am Ende des Monats übrig bleibt. Wenn der Besitzer die Marge einstreicht und dem Personal nur eine Aufgabenliste und einen Mindestlohn lässt, ist der Konflikt nicht zwischen Kunden und Kellnern, sondern zwischen denen, die das Risiko tragen, und denen, die die Schicht übernehmen.
Mit diesem Verhaltenskodex ist es nicht verwunderlich, dass die Gastronomie keine Kellner findet. Es fällt schwer, sich vorzustellen, wie ein Erwachsener dem Chef erklärt, dass er Durchfall hat, um zu sehen, ob er ihn zum Arzt lässt. Aber der Markt passt sich auf seine Weise an: Wenn die Aufgabenliste aus einer anderen Epoche stammt, lautet die Antwort vieler einfach, nicht zu erscheinen. Dann wird der Chef feststellen, dass das Kehren der Halle lustiger ist, wenn es jemand anderes tut.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (141 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver