Spanien am Ende der Tabelle: Wirtschaftsmisere wird chronisch

Prekäre Löhne, unbezahlbarer Wohnungsmarkt und das Gefühl eines gescheiterten Landes: Der Wirtschaftspessimismus in Spanien steigt drastisch. Die Daten, die die Unzufriedenheit erklären.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien am Ende der Tabelle: Der Wirtschaftspessimismus ist zur Epidemie geworden

Spanien rühmt sich mit hoher Lebenserwartung, Sonne und Terrassen. Doch das wirtschaftliche Gespräch im Land hat eine düstere Wendung genommen: Junge Menschen können nicht ausziehen, die Löhne reichen nicht für die Miete und der Wocheneinkauf ist zum Dauerproblem geworden. Die Unzufriedenheit ist nicht neu, wohl aber ihre Intensität: Die Wahrnehmung, Spanien gehöre zu den schlechtesten Ländern der entwickelten Welt, greift schnell um sich. Übertreibung oder Symptom von etwas Tieferem?

Die Diagnose: Arbeit, Wohnung und Essen

Der deutliche Ausgangspunkt: prekäre oder schlecht bezahlte Arbeit, Löhne, die für eine Wohnung nicht reichen, und ein unbezahlbarer Wohnungsmarkt. Dazu kommen die Lebensmittelpreise, mit Einbußen bei Qualität und Quantität: Fleisch, Fisch und Obst sind für viele Familien unerreichbar geworden. Der internationale Vergleich schmerzt: Während ein einfaches Tagesmenü in China etwa 2 Euro kostet, sind es in Spanien rund 12. Was die Kaufkraft angeht, hat der Durchschnittsspanier gegenüber anderen Ländern an Boden verloren.

Die Debatte bekommt eine generationelle Färbung: Am schlechtesten dran sind die unter 40-Jährigen, die in der Ungewissheit leben, keine Familie gründen zu können. Währenddessen genießen die über 50-Jährigen beachtliche öffentliche Renten (manche beziehen 3.000 Euro im Monat) und häufen Vermögen an: drei oder vier eigene Wohnungen. Die Kluft zwischen den Generationen wird zunehmend zum Abgrund.

Gescheiterter Staat oder Land in der Krise? Der Schwarzmaler und der Skeptiker

Die Lager polarisieren sich. Die einen behaupten, Spanien habe eine Grenze überschritten: der Sturm auf den Zaun von Ceuta, Stromausfälle, an die man sich mit Unruhe erinnert, und das Gefühl, als Bürger im Stich gelassen zu werden, führen dazu, dass sie offen von einem gescheiterten Staat sprechen. Ironie beiseite: Selbst die Fußball-WM, so ihr Einwand, überdecke den Abstieg in den echten Lebensqualitäts-Rankings nicht.

Auf der Gegenseite fordern andere Gelassenheit: Spanien liege weiterhin in den Top 50 der Welt, und es gebe Länder mit weit gravierenderen Problemen. Das Aber: Innerhalb der ersten Welt gehört Spanien nicht mehr zur Spitze. Der Pessimismus, so heißt es, sei ein Stück weit kleinstädtisch: Man reist nach Osteuropa und merkt, dass sich dort auch alle beschweren.

Auswandern: der alte Ausweg, der nicht mehr so einfach ist

Die Geschichte Spaniens lehrt: Wenn es ungemütlich wird, wird der Koffer gepackt. Doch die aktuelle Analyse entkräftet diesen Ausweg: Die Mieten in osteuropäischen Hauptstädten wie Bukarest, Warschau oder Prag sind seit 2015 um 40 bis 60 Prozent gestiegen. Sie sind nicht mehr die Schnäppchen von einst. Übrig bleiben Optionen wie der entleerte ländliche Raum Spaniens: Burgos und Palencia gelten als günstige Zufluchtsorte mit Fabriken (Renault, Grupo Antolín, Leche Pascual), die noch laufen. Doch eine Bevölkerungsdichte von 12 Einwohnern pro Quadratkilometer und die Kälte sind Hürden, die viele nicht zu zahlen bereit sind. Kurioserweise ist ein Video eines jungen Osteuropäers, der erklärt, in Barcelona niemanden anflirten zu können, weil die Menschen dort so verschlossen seien, zum Symbol der sozialen Frustration geworden. Das Paradies, kurz gesagt, gibt es nirgendwo mehr.

Der politische Faktor und die soziale Apathie

Parallel dazu wird die Politik scharf kritisiert: Korruption, fehlender Respekt gegenüber Institutionen und das Gefühl, die herrschende Klasse mache, was sie wolle. Verweise auf Ministerpräsident Sánchez und die Möglichkeit, dass die PP (die konservative Volkspartei) ihn ablösen könnte, nähren den Eindruck, dass die Parteien Teil des Problems und nicht der Lösung sind. Die Gesellschaft, so heißt es, sei individualisiert: jeder in seiner Blase, mit Kopfhörern im Ohr, unfähig zu protestieren. Die Erinnerung an die Pandemie, als man in Frankreich auf die Straße ging, während man hier um acht Uhr applaudierte, dient als Beispiel für diese Apathie.

Die Frage, die in der Luft hängt, ist unbequem: Wenn die Unzufriedenheit so verbreitet ist, warum sind die Terrassen dann voll und die Menschen genießen den Sommer, als wäre nichts? Der Widerspruch bleibt ungelöst, doch die Unruhe hat sich bereits festgesetzt. Wie lange dieses instabile Gleichgewicht hält, weiß niemand.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (79 Antworten).

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