Spanien: 83-Jährige nach 28 Jahren in ihrer Madrider Wohnung von Räumung bedroht

Paquita, 83, zahlt 1.150 € im Monat für die Wohnung in Madrid, in der sie seit den 90ern lebt. Das Gericht setzte die Räumung aus, doch ein Termin fehlt weiterhin – ebenso wie eine Alternative.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien: 83-Jährige nach 28 Jahren in ihrer Madrider Wohnung von Räumung bedroht
Paquita, 83 Jahre alt und 28 in derselben Wohnung: die Räumung, die weiter ohne Termin ist

Es gibt eine Tatsache, die jeden verblüfft, der sich mit diesem Fall auch nur ein Minimum auseinandersetzt: Paquita wohnt seit Ende der neunziger Jahre in derselben Wohnung in Santa Ana, nur wenige Meter von der Plaza Mayor in Madrid entfernt. Sie zahlt zuverlässig eine Miete von rund 1.150 Euro im Monat. Und trotzdem will die Eigentümerin sie loswerden. Die für den 22. Juli angesetzte Räumung wurde vom Gericht vorläufig ausgesetzt, das Berichte der Verwaltungen über die Schutzbedürftigkeit der Achtzigjährigen und über verfügbare Wohnalternativen anforderte. Die Entscheidung verschaffte ihr eine Atempause. Gelöst hat sie nichts.

Wer ist Paquita und warum landete ihr Fall vor Gericht

Paquita kam mit 15 Jahren aus Huelva nach Madrid. Sie ist heute 83, hat Parkinson und eine Pflegestufe III. Ihre eingeschränkte Mobilität macht jeden Umzug zu einem Problem erster Ordnung. Die Wohnung ist nicht nur ein Dach über dem Kopf: Hier starben ihre Mutter und ihr Mann, und hier hat sie ein Nachbarschaftsnetz aufgebaut, das für eine Frau mit ihrem Grad an Hilfsbedürftigkeit eine grundlegende Infrastruktur darstellt. Die Immobilie gehört Tolesanta S.L., einer Gesellschaft, die mit einem Immobilienvermögen verbunden ist und Gebäude im Madrider Zentrum verwaltet. Paquitas Familie ist überzeugt, dass hinter dem Verfahren die Absicht steht, die Wohnung an Touristen zu vermieten. „Sie wollen meine Wohnung in eine Ferienwohnung verwandeln. Sie wollen nur Geld, Geld und nochmals Geld“, sagte sie im Sommer. Das Unternehmen hat das nicht öffentlich bestätigt.

Das Gebäude, das Viertel und das Geschäft, das das Zentrum unter Druck setzt

Die Santa Ana 6 liegt nur wenige Meter von der Plaza Mayor entfernt. Sie ist Teil eines Komplexes von Immobilien, die nach der Umstrukturierung des Vermögens der Familie Couret auf verschiedene Gesellschaften verteilt wurden. Laut Daniel Piedrabuena, Vorsitzender der Nachbarschaftsvereinigung La Chispera, bestehen im Gebäude noch mehrere laufende Wohnmietverträge, doch der Trend im Viertel geht in eine andere Richtung: „Sie sind nicht an Wohnmietverträgen interessiert, sie wollen nur Geschäfte machen, und mit Ferienwohnungen oder Studentenmieten verdienen sie mehr.“ Der Name Tolesanta tauchte bereits in einem anderen Konflikt auf: Die Provinzialkammer Madrid bestätigte die Schließung mehrerer Ferienwohnungen, die von Gesellschaften derselben Gruppe in der Calle Toledo 77 betrieben wurden, wo zeitweise rund vierzig der sechzig Wohnungen touristisch genutzt wurden.

Was die Wohnungsdekrete ändern – und was nicht

Die Verabschiedung der Wohnungsdekrete sieht die Aussetzung einer Räumung vor, wenn eine Person schutzbedürftig ist und keine Wohnalternative hat. Das verschafft Luft, löst aber das Kernproblem nicht. Paquita weiß weiterhin nicht, wann sie die Wohnung verlassen muss. Beim ersten Räumungsversuch sagte sie es ungeschönt: „Wie soll ich zwischen Tag eins und Tag 22 eine Wohnung finden, wenn ich mich kaum bewegen kann und mein Sohn keine andere Wahl hat, als zu arbeiten?“ Es ist nicht bekannt, ob ihr Fall unter die Tatbestände fällt, die diese Dekrete schützen. Aus ihrem Umfeld heißt es, es gehe ihr gut, aber sie sei müde, und sie habe aufgehört, mit den Medien zu sprechen, nachdem sie Anrufe von mehr als hundert Zeitungen, Radiosendern und Sendungen erhalten hatte. Wenn sie ihre Meinung nicht ändert, wird sie nur in einem kurzen Video mitwirken.

Das Muster, das sich wiederholt: Mari Carmen, Paquita und das Narrativ der schutzbedürftigen Mieterin

Der Fall hat eine unbequeme Debatte neu eröffnet. Manche meinen, medieneffektive Räumungsfälle würden sich auf Madrid konzentrieren und auf bestimmte Profile aufgebaut, was das tatsächliche Ausmaß des Problems verzerrt. Andere verweisen in die entgegengesetzte Richtung: Die Mieten seien maßlos überhöht, und die eigentliche Verantwortung liege bei den Politikern, die keinen öffentlichen Wohnungsbau betreiben. Eine dritte, schärfere Strömung stellt in Frage, ob jemand, der eine Wohnung hätte kaufen können und es nicht tat, heute öffentlichen Schutz verdiene. Das sind drei Deutungen, die sich nicht versöhnen lassen. Unterdessen wohnt Paquita weiter in Santa Ana. Und wartet weiter.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (39 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver