Spanien wird 2027 einen tiefgreifenden Wandel erleben, geprägt von einer Rechtsverschiebung, den Auswirkungen der Einwanderung und dem wachsenden Einfluss der Auslandswähler – und damit die politische und gesellschaftliche Landschaft neu definieren.
## Die Rechtsverschiebung und die Krise der Sozialdemokratie
Das Spanien, das uns 2027 erwartet, zeichnet sich als ein radikal anderes Land ab als das, das wir vor kaum acht Jahren kannten. Die Umfragen, einschließlich derer der Zeitung **El Español** selbst, deuten auf eine unbestreitbare soziologische Verschiebung nach rechts hin. Dieses Phänomen ist kein Zufall, sondern eine Reaktion auf das, was manche Analysten als „ferale Reaktion der Bürger ablehnen“ gegenüber dem Ministerpräsidenten **Pedro Sánchez** betrachten, der eine viszerale Reaktion ausgelöst hat, wie sie kein anderer Regierungschef seit Jahrzehnten hervorgerufen hat.
Die Vorstellung von Spanien als einem von Natur aus sozialdemokratischen Land – ein Klischee, an das viele von uns jahrelang geglaubt haben – scheint zu zerbröckeln. Die Realität sei, so diese Sichtweise, dass Spanien eine instinktive Abneigung gegen individuelle Verantwortung entwickelt habe, eine Art Katholizismus mit einer kindlichen Vorstellung vom freien Willen. Der Bürger, so das Argument, werde dem folgen, der ihm ein akzeptables Lebensniveau garantiere, wenn auch subventioniert, ohne sich allzu sehr um die Konsequenzen zu scheren. Das **Ingreso Mínimo Vital (IMV)** (spanische Mindesteinkommensunterstützung) wird als Beispiel dieses „Regimes bequemer Halbsklaverei“ dargestellt, das den Bürger am Abgrund entlangführt, aber durch die Stimme aufgefangen wird.
Die Linke befindet sich derweil auf historischen Tiefständen, mit weniger Stimmen als zu Zeiten von **Alfredo Pérez Rubalcaba** oder **Cayo Lara**. Die Präsenz von Figuren wie **Alvise** auf der rechten Seite, die die konservative Wählerschaft für sich beansprucht, wird als Faktor wahrgenommen, der paradoxerweise **Pedro Sánchez** nützt, indem er die gegnerische Wählerschaft spaltet. Sánchez' Strategie scheint darin zu bestehen, die Stimmen seiner Linken zu absorbieren, allerdings mit dem Risiko, dass eine wiederauferstandene extremlinke Partei, wie das **Podemos** von 2016/17, den **PSOE** in eine sehr geschwächte Position bringen könnte, die bis an den Rand der politischen Auslöschung reicht. Sánchez' Schicksal hängt zum Teil von der aktuellen Schwäche und mangelnden Geschlossenheit der Linken ab, die als ein Aufgebot „adoleszenter Narzissten“ beschrieben wird, die sich mehr um Selbstinszenierung kümmern als um echte Politik.
## Das Gewicht der Auslandswähler und der Einwanderung
Blickt man auf 2027, so wird ein entscheidender Faktor das Wählerverzeichnis und vor allem das Gewicht der Auslandswähler sein. Die Wahlen von 2031 könnten bei knappen Ergebnissen von Wählern entschieden werden, die außerhalb Spaniens leben oder das Land nie betreten haben, aber ein Stimmrecht besitzen. Diese **voto CERA** (Wählerregister der im Ausland lebenden Spanier) wird mit dem historischen Einfluss von Parteien wie **CiU** oder **PNV** verglichen. Der Fehler, so die Warnung, wäre, diese Stimme als ideologisch zu betrachten; sie sei vor allem identitär.
Die Masseneinwanderung – jene, die eine kritische Masse überschritten hat, sodass eine vollständige Integration in die Aufnahmegesellschaft nicht mehr notwendig erscheint – stellt eine weitere Herausforderung dar. Die Prämisse, dass sich die Migranten an die kulturellen Werte Spaniens anpassen würden, kollidiert mit der Vorstellung, dass sie jene Werte reproduzieren könnten, vor denen ihre Mitglieder geflohen sind. Der Gründer des modernen Singapur, **Lee Kuan Yew**, warnte bereits damals, dass rassistische Vorurteile und die Bevorzugung der eigenen Ethnie tiefe Instinkte sind, die schwer auszurotten sind. Die Versuchung der Politiker, zu glauben, sie könnten die Komplexität einer multikulturellen Gesellschaft lösen, an der so viele gescheitert sind, wird als eine Form des Messianismus betrachtet. Demut, so der Vorschlag, sei das beste Gegenmittel gegen soziale Ingenieurskunst.
Das Argument, Einwanderung sei notwendig, um die Renten und den Sozialstaat zu stützen, wird durch die aktuelle Realität in Frage gestellt: Renten am Zusammenbruch, eine Herauszögerung des Renteneintrittsalters, ein kollabierter Immobilienmarkt, seit zwei Jahrzehnten stagnierende Löhne, degradiertes Gesundheitswesen und öffentlicher Verkehr, steigende Kriminalität und schlechte Bildungsergebnisse. Die Behauptung, das Problem sei der Mangel an Einwanderern statt das Management der bestehenden Einwanderung, wird als „Lüge“ abgetan. Die Stimmen für Parteien wie die **AfD** in Deutschland werden als Folge von Bürgern dargestellt, die angesichts fehlender politischer Antworten zu eigenen Schlüssen gelangt sind.
## Die unsichere Zukunft für die Rechte und die Wirtschaft
Der **PP** steht bei den Wahlen 2027 vor einem entscheidenden Zeitfenster, einer „Kugel“, die er nicht verschwenden darf, anders als bei früheren Wahlen. Die Rechte, so das Argument, wähle keine Kandidaten, sondern Ideen, auch wenn Figuren wie **Alberto Núñez Feijóo** oder **Santiago Abascal** nicht mit internationalen Führern wie **Javier Milei**, **Nayib Bukele** oder **Giorgia Meloni** vergleichbar seien. Die Mentalität des „würdevollen Verlierers“, ein missverstandenes Erbe des Katholizismus, könnte sich als Hindernis erweisen.
Die Linke hingegen scheint ihre Ideen erschöpft zu haben und greift zu strategischen Bündnissen, sogar mit dem Sarracin, ein riskantes Wagnis, das sich gegen sie wenden könnte. Die Welt von 2026 ist nicht die von 1992; Europa wird als eine „Maschinerie der Stagnation“ beschrieben, in der nichts mehr sich auszahlt – weder Arbeit, noch Sparen, noch Unternehmertum. Die EU wird zum „Friedhof“ der Chancen. Der spanische Staat, so heißt es, sei kaum mehr als eine „gewaltige bürokratische Maschine zum Kauf der Wählerstimmen“.
Die Nation, betäubt von „Bonobussen“ und der Erzählung von der „Rechten“, verharrt in einem Zustand der Lethargie. Die Zukunft des Durchschnittsbürgers, so die Behauptung, werde nicht von seiner Anstrengung oder seinem Talent abhängen, sondern von seiner Fähigkeit, sich in Gruppen zu integrieren, deren Stimmen die Parteien kaufen müssen: NGOs, Gewerkschaften, Rentner und Einwanderer. Außerhalb dieser Gruppen sieht die Zukunft in Spanien düster aus. Die entscheidende Frage ist, ob die Rechtsverschiebung auf eine Nachfrage nach einer anderen Wirtschaftspolitik zurückgeht oder vor allem auf den Wunsch nach Ordnung, Grenzen und Identität. Und ob eine Regierung aus **PP** und **Vox** den „echten Wandel“ vollziehen kann, ohne das soziale Bündnis zu zerbrechen, das weiterhin öffentliche Gesundheitsversorgung und Renten einfordert – und wer oder was dabei geopfert werden wird.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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