Soto Ivars: „Migration ist ein Problem“

Ein Geständnis unter Freunden löst eine Debatte aus: Migration als ökonomisches Problem, das die Linke vermeidet. Wohnungsmarkt, Gesundheitssystem und Löhne.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Soto Ivars: „Migration ist ein Problem“
Vom Raval nach Lavapiés: Das Tabu bricht bei Abendessen

Eine pogre Freundin gibt betrunken zu, dass sie Angst hat, allein nach Hause zu gehen und einer Gruppe junger Männer zu begegnen. Stille am Tisch. Blicke zur Tür. Dann die sofortige Entschuldigung: „Ich fühle mich schrecklich, ehrlich.“ Der Schriftsteller Juan Soto Ivars beschreibt diese Szene in einem Artikel für El Confidencial. Davon ausgehend entbrennt eine wiederkehrende Debatte: Die Migration ist ein Problem, und dies laut auszusprechen hat weiterhin gesellschaftliche Kosten. Das Thema ist nicht neu. Neu ist, wer es anspricht.

Warum Migration privat akzeptiert, aber öffentlich verschwiegen wird

Der Text erwähnt auch den Fall von Freunden, die als Stammwähler der Partei Sumar gelten. Sie meldeten ihren Sohn auf einer anderen Schule an, weil es an der ersten angeblich „zu viel Immigration“ gab. Im Gabinete de Julia Otero vertrat der Autor selbst die Ansicht, dass Migration ein Problem sei und dass alle politischen Optionen dieses Thema angehen sollten, um Alternativen zum Nationalismus zu bieten, bevor bestimmte Parteien weiter wachsen. Die Logik ist wahlkämpferisch: Wenn das Thema verwaist bleibt, besetzt es, wer es am lautesten ruft.

Man sollte zwei Dinge trennen. Einerseits das Migrationsphänomen, das für entwickelte Gesellschaften charakteristisch ist. Andererseits das administrative Versagen und dessen Management. Wer beides vermischt, diskutiert über Absichten statt über Zahlen. Und über Zahlen wird hier kaum gesprochen.

Fehlen Arbeitskräfte oder fehlen Löhne, die jemand akzeptieren will?

Es gibt einen häufigen Einwand gegen das Argument, Migranten würden „die Jobs machen, die wir nicht wollen“. Es wird behauptet, dass Japan, Neuseeland oder Australien diesen Weg nicht gegangen sind und ihre Wirtschaft dennoch funktioniert. Daraus ergibt sich eine Formulierung, die halb Europa zusammenfasst: Es gibt keine schlechten Jobs, nur schlechte Löhne. Die Schlussfolgerung lautet, dass ein Überangebot an Arbeitskräften Bedingungen ermöglicht, die ein nationaler Arbeitnehmer kaum akzeptieren würde, mit langen Arbeitszeiten und unzureichender Bezahlung. Ein Vorschlag geht in diese Richtung: Gesetzlich verpflichtende Einstellung von Inländern, um Lohnverbesserungen zu erzwingen, ähnlich wie in Japan oder Südkorea, sowie Sanktionen gegen Unternehmer, die Migranten einstellen, um den Markt zu drücken.

Dem gegenüber steht die Ansicht, dass niedrige Geburtenraten und Alterung bestimmte Migrationsströme unvermeidbar machen. Der Konflikt ist nicht ideologisch, sondern betrifft das Produktionsmodell.

Wohnraum, Gesundheit und Löhne: Wo spürt man die Auswirkungen?

Die wirtschaftlichen Effekte laufen über drei Kanäle, die immer wieder auftauchen. Erstens Beschäftigung: Es wird argumentiert, dass das massive Angebot an Arbeitskräften die Konditionen nach unten gedrückt hat. Zweitens öffentliche Dienstleistungen: Überlastung des Gesundheitswesens und Druck auf die Primärversorgung. Drittens Wohnraum: Höhere Nachfrage auf einem knappen Bestand und steigende Zugangskosten. Manche fügen einen vierten, unbequemen Punkt hinzu: Das Geschäft, Neuankömmlinge in WG-Zimmern unterzubringen, treibt dieselbe Blase voran, die später beklagt wird.

Hinzu kommen fiskalische Kosten: Hilfen für Ankommende ohne familiäres Netz, Anerkennung von Abschlüssen und Betrug bei Sozialleistungen. Kein einzelner Faktor ist entscheidend. Zusammen zeichnen sie einen anhaltenden Druck auf den Wohlfahrtsstaat, den keine Regierung öffentlich quantifizieren wollte.

Angst im Viertel: Raval, Lavapiés und das Nicht-Messbare

Die Anfangsanekdote ist kein Einzelfall. Eine Frau, die täglich durch ein Zentrumsviertel in Barcelona geht, beschreibt ihre Nachbarn als hilfsbereit, während andere genau das Gegenteil über dieselbe Straße berichten. In Madrid wird Lavapiés als linke Wahlinsel innerhalb der Gemeinde genannt, mit Kulturzentren und subventionierten Einrichtungen an jeder Ecke. Teilnehmer betonen, dass das Sicherheitsgefühl nicht durch Kriminalstatistiken gemessen wird, aber Wahlen beeinflusst.

Hier prallen Positionen hart aufeinander. Einige leugnen jeden Zusammenhang zwischen Kriminalität und Herkunft und nennen dies ein Gerücht. Andere antworten, dass Angst nicht diskutiert wird: Man erkennt sie an oder leugnet sie, und Leugnung verschiebt sie nur in die Rhetorik, die man vermeiden wollte. Bemerkenswert ist, dass das Geständnis von jemandem kam, der theoretisch am wenigsten Grund dazu hatte.

Wer profitiert vom Kontrollverlust?

Ein Punkt fehlt oft in den Schlagzeilen: das Geschäft. Gemeint sind Schlepperbanden, die mit Menschen handeln und Reisekosten kassieren, sowie Organisationen, die Aufnahme mit öffentlichen Geldern verwalten. Es kursiert die Information, dass eine NGO, die Migranten in einem Hotel in Guardamar unterbrachte, mehr als 50 Millionen Euro von der Regierung im Jahr 2022 erhielt. Falls dies stimmt, ist der Anreiz, den Fluss nicht zu stoppen, nicht mehr humanitär. Die wiederkehrende Frage: Warum werden Ankommende verfolgt, aber nicht jene, die an ihrem Kommen verdienen?

Grenzschließung, Remigration und Pläne ohne Beweise

Am Rand erscheinen Forderungen nach Grenzschließung und Rücknahme von Regularisierungen, zusammen mit der Warnung, dass es vielleicht zu spät sein könnte und erst interne Probleme gelöst werden müssen. Auch Verschwörungstheorien über einen angeblichen Plan zum Bevölkerungsaustausch tauchen auf, ohne jegliche Beweise. Dieses Rauschen erlaubt es anderen gerade, nicht über das Thema zu sprechen.

Am Ende bleibt die verwirrende Zahl: Die erwähnten 50 Millionen an eine einzelne Organisation in einem Geschäftsjahr stammen nicht aus alarmistischen Broschüren, sondern aus veröffentlichten Informationen. Mit diesem Material auf dem Tisch ist es keine Vorsicht, die Migration weiterhin als tabuisiertes Thema zu behandeln. Es bedeutet, das Argument denen zu überlassen, die es am schlimmsten missbrauchen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (359 Antworten).

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