SOS Rural: 100.000 Oliven in Jaén und Córdoba gefällt

SOS Rural beziffert die für Solar-Megaprojekte gefällten Olivenbäume in Jaén und Córdoba auf 100.000. In Morente organisieren sich Anwohner gegen Projekte, die...

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

SOS Rural: 100.000 Oliven in Jaén und Córdoba gefällt
Hunderttausend Oliven weniger, damit andere Strom verkaufen

Wie viele Olivenbäume müssen gerodet werden, damit ein Photovoltaik-Kraftwerk profitabel ist? In Lopera, einer Gemeinde in der Provinz Jaén, lautet die kursierende Antwort unbequem: so viele, dass die Rodung in Tausenden gezählt wird. Die von SOS Rural verbreitete Anzeige, begleitet von Bildern verwüsteter Flächen, beziffert die betroffenen Olivenbäume zwischen Jaén und Córdoba auf 100.000. Diese Zahl, die in der öffentlichen Diskussion immer wieder auftaucht, ist nur die Spitze des Eisbergs eines Konflikts zwischen zwei unvereinbaren Narrativen: dem der Energiewende und dem der Landwirtschaft, der ihre Bäume verliert.

Es ist kein Einzelfall. Im cordobesischen Weiler Morente haben sich die Nachbarn gegen Solar-Megaprojekte organisiert, die eine Fläche von 840 Fußballfeldern beanspruchen würden. In der Provinz Córdoba ist von mehr als 600 Hektar Olivenhainen und über 50.000 Olivenbäumen im Fokus die Rede. Die dahinterstehende Frage ist nicht trivial: Gibt es in Spanien wirklich nicht genug Ödland für die Installation der Platten?

Warum werden Olivenbäume gefällt statt Brachland genutzt?

Die kurze Antwort lautet, dass flaches Gelände mit Netzanbindung und ohne administrative Hindernisse knapp ist. Die lange Antwort betrifft die Energieabfuhr: Stromleitungen bestimmen, wo ein Kraftwerk angeschlossen werden kann, was die Investoren in bereits elektrifizierte Gebiete drängt. Manche sehen darin den Schlüssel zur gesamten Landkarte. Dagegen spricht ein schwer zu widerlegendes Argument: In Spanien gibt es reichlich Flächen mit geringem agronomischem Wert und hoher Sonneneinstrahlung, etwa ab Albacete aufwärts, die für diesen Zweck nicht genutzt werden.

Die optimistischste Berechnung geht davon aus, dass Kraftwerke dort errichtet werden, wo das Netz es zulässt. Das pessimistische Szenario basiert auf einer anderen Annahme: dass rentables Ackerland billiger zu enteignen als auf dem freien Markt zu kaufen ist. Einige Analysen erinnern daran, dass Enteignungen Ausnahmefälle sind und meist mit den Abfuhrleitungen verbunden sind, nicht mit der Anlage selbst. Der praktische Effekt bleibt jedoch derselbe: Der Eigentümer, der nicht verkaufen will, verliert sein Grundstück.

Enteignung eines Privatmanns zugunsten eines anderen Privatmanns

Hier hört die Angelegenheit auf, rein ökologisch zu sein, und wird ökonomisch. Die häufigste Kritik richtet sich nicht gegen erneuerbare Energien im Allgemeinen, sondern gegen den Mechanismus: Ein privates Unternehmen enteignet ein anderes privates Unternehmen. Wenn der Investor das Land will, soll er den verlangten Preis zahlen; wenn ihm das zu teuer ist, soll er einen anderen Standort suchen. Die Zwangsenteignung, gedacht für Infrastrukturprojekte von öffentlichem Interesse, fungiert letztlich als Kostensenkungsinstrument für den jeweiligen Investor.

Die Parallele zu städtebaulichen Enteignungen ist unvermeidbar. Es wird enteignet, damit der Investor das große Geschäft macht, und die Verwaltung beteiligt sich über Gebühren. Bei Photovoltaikanlagen wiederholt sich dieses Muster unter einem anderen Deckmantel: grüne Energie.

Der Olivenhain, der 25 Jahre braucht, um zurückzukehren

Das agronomische Argument wiegt am schwersten. Ein hundertjähriger Olivenbaum lässt sich nicht in zwei Saisons neu pflanzen. Wird er gerodet, dauert es Jahrzehnte, bis die Produktion ihr Maximum wieder erreicht. Und es handelt sich nicht um irgendeine Kulturpflanze: Spanien ist weltweit führend bei Olivenöl, mit Jaén und Córdoba im Zentrum. Diese Basis zu zerstören, um Platten zu installieren, stellt nach dieser Lesart eine Verlagerung der Ernährungssouveränität hin zu einem Energie-Oligopol dar.

Die aufgezeigte Paradoxie ist doppelt. Erstens haben hundertjährige Olivenbäume einen Marktwert von Tausenden Euro und werden nicht grundlos vernichtet. Zweitens wird das Öl, das von bewässerten Heckenolivenhainen produziert wird – maschinell geerntet und mit gelenkarmen Maschinen geschnitten – in wenigen Händen landen, die den Preis nach Belieben festlegen. Das Ergebnis wäre ein spezialisierter Primärsektor mit wenigen Arbeitern und vielen Technikern in einem Land, das seit Jahrzehnten die OECD-Arbeitslosenstatistik anführt.

Das eigentliche Geschäft: Wer profitiert von der Rodung?

In der Diskussion tauchen konkrete Namen von Investitionsunternehmen auf, ebenso der Verdacht, dass der endgültige Gewinner nicht der Verbraucher ist, der seinen Strom bezahlt, sondern der Investmentfonds, der billiges Land kauft. Die beschriebene Abfolge ist folgende: Olivenbäume werden gerodet, Paneele installiert, langjährige Landwirte verkaufen wegen mangelnder Rentabilität oder Altersrente günstig, und Fonds kaufen die guten Böden. Danach folgen Heckenolivenhaine mit Bewässerung. Am Ende steht das Öl zum Preis, den sie wollen.

Eine weitere erwähnte Konsequenz: Anlagen werden nicht auf Dächern beworben. Dezentrale Energie, die jeder zu Hause erzeugen könnte, passt nicht zum selben Geschäftsmodell, das große Landflächen benötigt. Diese Beobachtung knüpft an die klassische Kritik an der industriellen Umstrukturierung an: Immer gibt es einen Sektor, der die Party bezahlt.

Was passiert mit dem Klima während der Rodung?

Das Klimargument taucht in der Diskussion auf, aber mit Ironie. Wenn das Ziel ist, den Klimawandel zu bremsen, warum wird dann genau das Land gewählt, das CO2 bindet und Nahrung produziert? Die offizielle Antwort ist nicht mit der nötigen Entschiedenheit gekommen. Währenddessen verliert der Boden, das Landschaftsbild und die Agrarproduktion. Der einzige, der vorerst gewinnt, ist die Gewinn-und-Verlust-Rechnung von jemandem.

Der Ball liegt beim autonomen und staatlichen Verwaltungsapparat. Die Enteignungen gehen weiter, die Projekte schreiten voran und die Nachbarn von Lopera und Morente organisieren sich weiterhin. Es gibt kein Ende. Nur eine Frage, die noch niemand mit konkreten Zahlen beantwortet hat: Wenn es Tausende Hektar ungenutztes Trockengebiet gibt, warum dann die Olivenbäume?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (162 Antworten).

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