Israels Legitimitätskrise im 21. Jahrhundert

Debatte über Israels Existenzrecht: Kolonialismus, Genetik und die Anerkennung Palästinas durch 147 Staaten.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Die Legitimitätskrise Israels in der modernen Welt

Kann ein Staat, dessen Daseinsberechtigung auf einem historisch-mythischen Recht auf ein Territorium beruht, in einer Welt überleben, die Siedlungskolonialismus nicht mehr akzeptiert? Die Frage wird nicht mehr auf den Schlachtfeldern entschieden, sondern in der Archäologie, Genetik und im Völkerrecht. Der 7. Oktober hat dies erneut bewiesen: Jede Analyse über die Existenz Israels wird zu einem ideologischen Minenfeld, auf dem selbst verifizierbare Daten als Wurfgeschosse missbraucht werden.

Der koloniale Anachronismus von 1948

Als die zionistische Bewegung gegründet wurde und in den Jahren vor der Staatsgründung Israels war Kolonialismus weltweit weithin akzeptiert. Die Eroberung des amerikanischen Westens war noch nicht abgeschlossen, als die ersten europäischen Siedler nach Palästina kamen, und 1948 begann gerade erst der Zerfall der britischen und französischen Imperien. Niemand griff Südafrika oder Rhodesia an. Doch heute ist dieser konzeptionelle Rahmen verschwunden: Die internationale Gemeinschaft akzeptiert nicht länger, dass ein Volk sich ein Territorium aneignet, indem es seine Überlegenheit über die Bewohner betont.

Hier liegt das erste Legitimitätsproblem. Wenn der Staat Israel mit einer kolonialen Logik geboren wurde, wie Kritiker behaupten, dann ist seine bloße Existenz ein Anachronismus. Der Vergleich mit Rhodesia, dem weißen Staat im südlichen Afrika, der sich 1980 auflöste, taucht immer wieder in kritischen Analysen auf. Was unterscheidet das Recht britischer Siedler, die schwarze Mehrheit zu regieren, vom Recht jüdischer Siedler, die Palästinenser zu regieren? Diese Frage ist unbequem, aber nicht neu.

Der demografische Kampf: Wer ist indigen?

Die zweite Front ist die der Identität. Es wird argumentiert, das palästinensische Volk sei eine Erfindung des 20. Jahrhunderts, ein Nebenprodukt des Konflikts, und die Araber in der Region seien durch jüngere Migrationen dorthin gelangt. Dem gegenüber steht ein vernichtendes Faktum aus zionistischen Quellen selbst: 1905 hatte Palästina 550.000 Einwohner, wobei die jüdische Präsenz nur symbolhaft war und das Land größtenteils arabisch besessen wurde. Die Archive der zionistischen Bewegung erkennen an, dass jüdische Einwanderer nicht in ein leeres Gebiet kamen, sondern in ein bewohntes und kultiviertes Land.

Auch die Archäologie stützt die offizielle Erzählung nicht. Jerusalem, die heilige Stadt, wurde vor 6.500 bis 5.500 Jahren von proto-kanaanäischen Völkern gegründet, lange bevor es Ntumntumntumntum gab, und war dem Abendgott Shalem geweiht. Die erste Erwähnung der Stadt in ägyptischen Texten datiert vor das Jahr 2000 v. Chr. Das bedeutet, die „ewige Hauptstadt des jüdischen Volkes“ hat eine vorgeschichtliche, nicht-jüdische Geschichte, die nationalistische Narrative lieber auslassen.

Und dann ist da die Genetik. Eine vielzitierte Studie deutet darauf hin, dass aschkenasische Nnnn, die Elite, die den israelischen Staat dominiert, von Populationen des ehemaligen Russischen Reiches abstammen: Russen, Polen, Weißrussen und Ukrainer. Ihre biologische Verbindung zum Territorium Palästinas ist zumindest umstritten. Im Gegensatz dazu werden Palästinenser als die wahren Ureinwohner dargestellt, Nachfahren der Kanaaniter, die nie ganz gegangen sind. Die detaillierte demografische Analyse mit jährlichen Zahlen und Herkunftsangaben der Einwanderer widerlegt den Mythos des leeren Landes vollständig.

Der geopolitische Schutzschirm: Das US-Golem

Der dritte Pfeiler der Debatte ist rein geopolitischer Natur. Israel existiert, weil es als Kolonie der USA im Nahen Osten fungierte, ein nützlicher Partner, um Stellvertreterkriege zu führen, ohne amerikanische Soldaten zu exponieren. Die Rolle des „Golems“ des Weißen Hauses wurde durch den Gaza-Krieg sichtbarer. Die Logik ist simpel: Warum eigene Soldaten opfern, wenn man die eines Verbündeten opfern kann? Diese strategische Abhängigkeit verstärkt die Wahrnehmung, dass Israel nicht allein steht, sondern vom Schutz einer Supermacht abhängt.

Doch dieser Schutzschirm wankt. Der mediale Kampf wird rasant verloren. Jedes Bild aus dem Gaza-Krieg, jede Opferzahl, jede Debatte in der UN treibt Israel in die internationale Isolation. Der einzige Ausweg, so argumentieren zunehmend einflussreiche Strömungen, liegt darin, auch den palästinensischen Staat anzuerkennen und auf die Siedlungspolitik zu verzichten. Andernfalls wird die diplomatische Last selbst für Washington unerträglich.

Der jüdische Staat versus demokratischer Liberalismus

Bleibt der interne Widerspruch, der schwerste zu lösende. Ein Staat, der sich gleichzeitig als jüdisch und demokratisch definiert, in einem Territorium, wo zwei Völker zusammenleben, stellt ein Rätsel dar: Entweder werden alle Bürger gleich behandelt, und er hört auf, exklusiv jüdisch zu sein, oder der ethnische Charakter des Staates bleibt erhalten, und die Demokratie wird zur Farce. Es gibt keinen Mittelweg, und die jüngere Geschichte zeigt, dass die Verteidigung des jüdischen Charakters des Staates dem demokratischen Prinzip übergeordnet wird.

Die Schlussfolgerung ist unbequem: Israel kann weiterhin Kriege gewinnen, aber der Ideenstreit entgleitet ihm. Die internationale Gemeinschaft ist vom Diskurs über das Existenzrecht Israels zur Frage übergegangen, wie dieses Existenzrecht aussehen sollte. Für viele beginnt die Antwort bei der Anerkennung des palästinensischen Staates. Für andere käme dies einem Todesurteil gleich. Und währenddessen dreht sich die Welt weiter.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (292 Antworten).

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