Wenn das Shirt ausziehen zum männlichen Privileg wird
El País legt erneut nach mit einem Artikel über die Gewohnheit, dass sich Männer in öffentlichen Räumen das Shirt ausziehen. Sie nennen es ein „Privileg" und vergleichen es mit der Freiheit von Frauen, den Oberkörper zu zeigen – die nach wie vor ein Tabu ist. Mitten in der Hitzewelle geht die Kontroverse über das Ästhetische hinaus und berührt die gesellschaftliche Heuchelei.
Ein doppelter Maßstab, der niemanden überzeugt
Während Frauen auf der Straße ihr Dekolleté zeigen können, ohne rechtliche Konsequenzen zu fürchten (allerdings nicht ohne Blicke), werden Männer, die sich das Shirt ausziehen, als unhöflich bezeichnet – oder schlimmer noch: als Inhaber eines Privilegs dargestellt. Die Argumentation der Zeitung, die das Phänomen mit dem Klimawandel und Profilierungssucht verknüpft, ignoriert, dass die Regeln symmetrisch sein sollten: Entweder dürfen alle den Oberkörper zeigen, oder niemand.
Das Unbehagen am doppelten Standard
Manche meinen, das Problem sei nicht das Kleidungsstück, sondern die Figur: Ein Mann mit Bierbauch hinterlässt nicht denselben Eindruck wie ein Bodybuilder. Andere weisen darauf hin, dass die eigentliche Diskriminierung darin besteht, dass die weibliche Brust weiterhin als Sensual gilt, während die männliche neutral ist. Solange diese Asymmetrie nicht gelöst ist, bleibt die Kontroverse leeres Folklore.
Die eigentliche Frage ist, ob es wirklich wichtig ist, ob sich jemand mitten in einer ausgedörrten Stadt das Shirt auszieht. Angesichts der Klimakrise und immer häufigerer Hitzewellen sollte die Debatte vielleicht darum gehen, wie man sich abkühlt – und nicht darum, wer mehr Haut zeigt.
Verwandte Diskussionen im Forum