Silvia Orriols: Anti-Migrationswähler ohne Wahlzettel

Aliança Catalana tritt nur in Katalonien an, was eine landesweite Protestwahl unmöglich macht. Im Diskurs wird behauptet, die EU blockiere restriktive Migrationspolitik.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Silvia Orriols: Anti-Migrationswähler ohne Wahlzettel
Orriols als Proteststimme: Die Grenzen der Rechnung

Die Wahl von Silvia Orriols würde nach Ansicht mehrerer Debattenteilnehmer die spanische Migrationspolitik nicht ändern. Dennoch signalisiert ein Teil der Wählerschaft außerhalb Kataloniens Bereitschaft dazu. Das Problem ist arithmetischer Natur: Aliança Catalana kandidiert nur in Katalonien, sodass der Protestgestus auf dem Stimmzettel fehlt. Im Verlauf des Austauschs wurde diese Logik zerlegt und neu zusammengesetzt, zwischen denen, die Migration als entscheidendes Thema sehen, und jenen, die bezweifeln, dass das gewählte Vehikel zum Ziel führt.

Kann man Aliança Catalana außerhalb Kataloniens wählen?

Nein, solange die Partei keine Kandidaturen in anderen Regionen aufstellt. Die Formation um Silvia Orriols tritt nur in Katalonien an, und einer der Wortmeldungen erinnert daran, dass die Parteichefin selbst erklärt hat, solange sie aktiv sei, werde sie im „Nachbarland“ oder sonst wo in Spanien keine Listen aufstellen. Dies macht die anti-migrantische Stimme aus Andalusien, Madrid oder Galizien zu einem Wunsch ohne Feld auf dem Stimmzettel. Eine Antwort fasste die Paradoxie zusammen: bereit sein, jemanden zu wählen, den man laut eigener Aussage verachtet.

Ripoll und Versprechen, die Kritiker als gebrochen betrachten

Viel Misstrauen entsteht durch ihre Zeit als Bürgermeisterin von Ripoll in Girona. Eine Übersicht ihrer angekündigten Maßnahmen und der tatsächlichen Umsetzung füllt mehrere Argumentationsseiten:

  • Sie versprach, Migranten ohne Aufenthaltsgenehmigung nicht zu registrieren; die Registrierung ging weiter, da dies eine Kompetenz über die Gemeindeebene hinaus ist.
  • Sie sagte, die spanische Flagge wehe nicht am Rathaus; die Flagge hängt weiterhin am Balkon.
  • Sie kündigte die Schließung von Moscheen in der Gemeinde an; diese bleiben offen.

Hinzu kommt eine wiederkehrende Kritik: Sie habe sich zweimal bei Vorschlägen zur Einschränkung des Hijab-Tragens im öffentlichen Raum enthalten. Ihre Verteidiger argumentieren, ohne absolute Mehrheit könne kein Erlass allein beschlossen werden, und manche Unterstützer hätten inakzeptable Bedingungen gestellt. Der Streit bleibt ungelöst.

Der europäische Schutzschild: Warum niemand handeln kann

Eine oft wiederholte These besagt, die Migrationspolitik liege weit über der Generalitat (katalanische Regionalregierung) oder der Zentralregierung. Das Argument lautet, die EU sanktioniere Staaten mit restriktiver Politik, sodass weder als Präsidentin Kataloniens noch als Spaniens Regierungschef der Zustrom per Dekret gestoppt werden könnte. Der einzige indirekte Weg wäre eine wirtschaftliche Krise ohne soziale Rücksichtnahme, mit Kürzungen bei Subventionen und Arbeitslosigkeit, die das Land weniger attraktiv machen würde. Dies ist eine Hypothese, keine Politik, und steht neben der Erinnerung, dass andere EU-Länder Abschiebungen durchführen und somit Spielraum existiert.

Katalonien: Abwandernde Stimmen und Ängste bei Junts und ERC

Der Fokus liegt auf der Autonomieebene. Es wird behauptet, Aliança Catalana sammle stille Wählerstimmen von beiden Seiten – pro- und anti-unabhängigkeitsbewegt – und beunruhige damit Junts, ERC und die CUP, die Unterstützung nach rechts verlieren. Die häufigste Vorhersage ist eine Überraschung bei den nächsten katalanischen Wahlen. Daneben kursiert eine schwer prüfbare Lesart: Im Geschäft der Migration fließe viel Geld, und wer es antaste, mache sich mächtige Feinde. Dies ist ein unbewiesener Verdacht, kein Faktum, und sollte entsprechend behandelt werden.

VOX, Alvise und der Kampf um den anti-migrantischen Raum

Hier bricht die Einheit. Ein Teil lehnt VOX als Lösung ab: Man wirft der Partei vor, ihre Basis in einigen Regionen sei schlecht qualifiziert, die Ankunft wenig gebildeter lateinamerikanischer Zuwanderer lohne sich nicht, und sie blockiere Dissidenten in sozialen Medien. Eine andere Strömung sieht anti-migrantische Parteien als Erfindungen der „Neuen Weltordnung“, eine Theorie ohne Beleg. Eine dritte nennt Alvise Pérez als diskreten Bezugspunkt. Als Alternative taucht Frente Obrero auf. In der Luft liegt die Warnung, die Partei könnte Migranten aus Katalonien vertreiben und in den Rest Spaniens drängen.

Wählen oder nicht: Protest, Enthaltung und Alternativen

Jenseits parteipolitischer Rechnungen richtet sich viel Unmut gegen den Akt des Wählens selbst. Manche beschreiben ihn als einen Glauben, der nur Enttäuschungen bringe, und warnen, bei schlechteren Ergebnissen heiße es wieder „Genießt, was ihr gewählt habt“. Andere drohen mit Enthaltung, bis eine Partei ein wohlhabendes Spanien ohne Ambivalenzen verteidigt, und vergleichen das Angebot mit einer Speisekarte, auf der das Lieblingsgericht fehlt: Entweder man nimmt, was da ist, oder man geht hungrig. Die Gegenposition kommt von denen, die sagen, wenn das Schiff sinkt, helfe auch ein Brett. Im Baskenland wird eine vergleichbare Formation gefordert, um das Duopol von PNV und Bildu zu brechen.

Alles deutet darauf hin, dass die Proteststimme wächst, solange Wohnraum, Arbeit und Sicherheit im Zentrum der Klagen stehen. Ob dies in Sitzen außerhalb Kataloniens mündet, ist fraglich: Ohne Kandidatur gibt es keine Urne. Fundierte Zweifel bleiben.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (361 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

Volver