Shinzo Abe: Zwei Schüsse und eine unmögliche Flugbahn

Eine verbreitete These behauptet, Abe habe zwei Schüsse in den Hals erhalten, einer ins Herz, und stellt die offizielle Version des Einzeltäters in Nara infrage.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Zwei Schüsse in den Hals und eine offizielle Version, die nicht zusammenpasst

Die im Thread diskutierte Erzählung besagt, dass Shinzo Abe nicht durch einen einzigen Schuss starb und dass die Diagnose der ihn behandelnden Ärzte von zwei Einschüssen im Nacken spricht, einer davon ins Herz. Dies geschah am 8. Juli an einem Tag, der von Chronisten als drückend heiß beschrieben wird, vor dem Bahnhof Kintetsu-Nara, während der mächtigste Politiker Japans eine Wahlkampfrede für einen lokalen Kandidaten der Liberaldemokratischen Partei (LDP) von einer kleinen Bühne aus hielt.

Nara: Zwei Detonationen, fünf Sekunden und niemand greift ein

Der offizielle Bericht war schnell geschlossen. Ein 41-jähriger Ex-Militär, Yamagami Tetsuya, feuerte mit einer selbstgebauten Waffe, floh nicht und gestand ohne Widerstand. Bis dahin ein Fall wie aus dem Lehrbuch. Unbequem sind die Details. Zwischen der ersten und der zweiten Detonation vergehen zwischen vier und fünf Sekunden, ein Zeitraum, in dem niemand aus dem Gefolge auf den Schützen oder den Beschützten stürzt. Laut der im Thread zitierten Analyse zeigen die Bilder, dass der Personenschutz ungewöhnlich weit entfernt war und die Menge weder rannte noch sich duckte, als ob alle im Voraus wussten, wann der Angriff beendet war.

Der erste Schuss wirft ihn nicht zu Boden; der zweite tut es. Dieses Detail — zwei Einschüsse, zwei Zeitpunkte, ein Körper, der aushält und dann fällt — trägt einen großen Teil der Zweifel. Hinzu kommt eine Waffe, die keine Taschenpistole ist, sondern ein großes handwerkliches Gerät, und eine Schussdistanz, die Rekonstruktionen weit unter dem ansiedeln, was jeder Schutzprotokoll als akzeptabel betrachten würde.

Warum passt die Flugbahn der Kugeln nicht zur offiziellen Version?

Hier taucht der Name auf, der den Blickwinkel der Sache änderte. Am 10. Juli veröffentlichte der Blogger Takashi Kitagawa eine Flugbahnanalyse, die den Ursprung der Schüsse von vorne und von oben aus einem der Gebäude verortete, die den Platz flankieren, nicht hinter Abe, wo der Verdächtige festgenommen wurde. Die Argumentation ist rein geometrisch: Wenn der Schütze hinter und unter dem Ziel stand, wie endet dann eine Kugel zuerst im Nacken und danach nahe am Herzen?

Am 12. Juli sagte der Waffenexperte Kozono Hiromi im Fernsehen: Zweimal mit einer handgefertigten Pistole und über eine gewisse Distanz zu treffen, sei ein wenig glaubwürdiges Unterfangen. Die Hypothese eines einzelnen Schusses hielt sich, bis der Chirurg noch am selben Abend bestätigte, dass es zwei waren. In diesem Intervall hatte die halbe Welt eine Abfolge von Ereignissen für gut befunden, die die medizinischen Fachleute Stunden später widerlegten.

Das Motiv des einsamen Schützen und seine unglaubliche Geschichte

Die Medien umarmten die These des Einzeltäters mit einem Enthusiasmus, der nicht auf Beweisen basierte, sondern auf einer Biografie. Die Erzählung über die religiöse Gruppe, bei der seine Mutter sich verschuldet haben soll, und der angesammelte Groll gegen Abe füllten die Titelseiten. Manche schlossen, wie der Journalist Michael Penn, dass die wahre Verschwörung hinter dem Attentat nicht geopolitischer Natur war, sondern ein privater Streit zwischen Abe und dieser Organisation.

Es ist eine bequeme Erklärung. Sie passt zum ungepflegten Mann, zur schlampigen Waffe und zum sofortigen Geständnis. Was sie nicht erklärt, ist die Physik der zwei Schüsse noch die Passivität eines professionellen Personenschutzes, der auf dem Papier niemanden hätte näher als zwanzig Meter heranlassen dürfen.

Welche Rolle spielt die Geopolitik? Boris Johnson und das unmögliche Gleichgewicht

Abe managte ein unmögliches Gleichgewicht: Japan wirtschaftlich China und Russland anzunähern, während er das Sicherheitsbündnis mit den USA, Israel und dem atlantischen Block aufrechterhielt. Beides gleichzeitig zu halten, tut fast niemand, und er schien es ein Jahrzehnt lang geschafft zu haben. Sein Tod kam, nach dieser Lesart, genau als der Spielraum erschöpft war.

Das zeitliche Detail, das in Analysen wiederkehrt: Boris Johnson wurde fast im gleichen Moment zum Rücktritt gezwungen wie das Attentat. Für manche Zufall; für andere eine chiffrierte Botschaft an die politische Klasse der halben Welt.

Die Lesarten, die um den Fall streiten

Die Diagnose zerfällt in drei Strömungen. Eine hält es für eine Hinrichtung globaler Finanzinteressen und verknüpft den Fall mit den Attentaten auf Lincoln, Kennedy und Erzherzog Franz Ferdinand in Sarajevo. Eine andere deutet auf das unmittelbare Ausland hin: China, mit einer geleakten Zielliste über Taiwan und Japan und öffentlichen Feindseligkeitssignalen gegenüber Abe, hätte die Kapazität, den Schlag auszuführen. Eine dritte besteht auf dem Zufall: ein Mann mit einer krummen Waffe und einer persönlichen Fixierung. Der Vergleich mit Admiral Carrero Blanco, einem unbequemen Patrioten für fremde Pläne, kursiert ebenfalls.

Jeder Block hat sein Problem. Die globalistische Lesart erklärt alles und deshalb nichts. Die chinesische macht aus Feindseligkeit Täterschaft ohne Beweise. Und die des Amateur-Schützen kollidiert mit der Physik zweier unmöglicher Schüsse und einer abwesenden Leibwache.



Mit dem bisher Veröffentlichten wird keine der Thesen durch Anhäufung von Beweisen obsiegen. Wahrscheinlich wird sich die offizielle Version festigen, ohne die technischen Fragen zu beantworten, und die japanische Akte wird anderen nie ganz abgeschlossenen Attentatsfällen ähneln. Wer eine definitive Antwort darüber erwartet, wer dahintersteckte, sollte besser nicht die Luft anhalten.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (200 Antworten).

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