Senat und Kongress am 23J: 600.000 ungültige Stimmen und abweichende Ergebnisse
Ein Wähler nimmt den Stimmzettel für den Kongress, wirft ihn in die Urne und steht dann vor dem des Senats: ein orangefarbenes Blatt, eine Namensliste und drei Kästchen. Er kreuzt die PP an und aus irgendeinem Grund auch eine Partei, die anders ist. Zählt man das um Mitternacht nach vierzehn Stunden Wahltag zusammen, entstehen Zahlen, die die Menschen beunruhigen. Senat und Kongress stimmen fast nie überein. Das ist normal, keine Ausnahme.
Am 23J wurde diese Abweichung zum populären Argument. Ein hoher Polizeibeamter soll Javier Cárdenas auf eine anomale Differenz zwischen den Stimmen für den Kongress und den Senat hingewiesen haben, eine Lücke, die laut dieser Warnung noch nie in diesem Ausmaß aufgetreten sei und die er mit einem Satz zusammenfasste: „Die Leute sind nicht so verrückt, im Senat PP und im Kongress PSOE zu wählen.“ Der Tweet verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Die technische Erklärung war weitaus weniger überzeugend.
Warum liefern Senat und Kongress unterschiedliche Ergebnisse?
Weil es zwei völlig verschiedene Systeme sind, obwohl sie am selben Tag und am selben Tisch gewählt werden. Im Kongress wird über geschlossene Listen pro Provinz abgestimmt, und die Verteilung ist proportional. Im Senat wird eine feste Zahl pro Wahlkreis gewählt — vier Senatoren pro Provinz —, und jede Partei kann nur drei Namen vorschlagen. Die Verteilung ist mehrheitsorientiert und belohnt den Gewinner jeder Provinz viel stärker, als es sein Stimmenanteil in einer anderen Berechnung tun würde.
Der zweite Effekt ist das Kreuzwahlverhalten. Auf dem orangefarbenen Stimmzettel markiert man Personen, nicht Parteilisten, bis zu drei Kästchen. Das lädt zum Mischen ein. Ein Wähler kann im Kongress PSOE wählen und im Senat einen bestimmten Namen der PP ohne schlechtes Gewissen ankreuzen. Manche behaupten, dass die Verteilung nach Wahlkreisen, besonders in denen mit niedrigerer Vertretung, die gesamte Differenz allein erklärt. Es braucht keine Verschwörung: Man muss nur schauen, wie beide Kammern ausgezählt werden.
Die polizeiliche Warnung, die in einem Tweet endete: Was ist beweisbar?
Von der Warnung, die diesem hohen Polizeibeamten zugeschrieben wird, weiß man nur das, was der Tweet sagt: Dass es eine Anomalie gibt und dass man so etwas noch nie gesehen hat. Kein Protokoll, kein Bericht, kein Name. Wahlbetrug ohne Beweise ist eine wiederkehrende Hypothese jedes Mal, wenn eine Auszählung überrascht, und diesmal war das Überraschte das eigene Verteilungssystem des Senats.
Es gilt, zwei Dinge zu trennen. Dass die Ergebnisse beider Kammern abweichen, ist mathematisch erwartbar, wie oben beschrieben. Dass diese Differenz einen Wahlbetrug beweist, ist etwas ganz anderes und wird durch keinerlei Beweise gestützt. Einen Verdacht zu äußern heißt nicht, ihn zu beweisen, schon gar nicht, wenn die Erklärung in jedem Lehrbuch des Wahlrechts zu finden ist.
Was sind die 600.000 ungültigen Stimmen bei diesen Wahlen?
Das sind Stimmzettel, die nicht zählen, weil der Wähler sie fehlerhaft ausgefüllt hat: Er hat mehr Namen angekreuzt als erlaubt, zwei Parteien markiert oder den Umschlag falsch verschlossen. Die genannte Zahl, fast 600.000 ungültige Stimmen, fällt wegen ihrer Größe auf, und ein großer Teil davon konzentriert sich dort, wo die meisten Fehler passieren: beim Senat.
Dort liegt das Detail, das kaum jemand kommentiert. Im Jahr 2015 zählte ein Mitglied des Wahlvorstands Senats-Stimmzettel mit einem X für die PP und einem weiteren für eine unabhängistische Partei, sowie massenhaft annullierte Stimmen, weil der Wähler keine Ahnung hatte, was zu tun war. Das ist kein Betrug, das ist Unwissenheit. Die ungültige Stimme verzeiht allen und bestraft niemanden.
Protokolle, Umschläge und Indra: Was ist überprüfbar und was nicht?
Hier beginnt das echte Misstrauen. Die Auszählung findet nicht in einem Keller statt: Sie geschieht in jedem Wahllokal, öffentlich, unter Aufsicht der Vertreter aller Parteien. Das Protokoll wird von Hand ausgefüllt und sofort übergeben, denn es ist Selbstkopierpapier: Jede Formation erhält ihre Kopie. Bei Tausenden überwachten Wahlurnen würde eine koordinierte Manipulation voraussetzen, dass absolut niemand spricht.
Die andere Front ist die Briefwahl. Es wird behauptet, sie werde zuletzt gezählt und zuerst ausgegeben, weshalb die Anfangsdaten schwanken. Wie ein Forennutzer erklärte, ist die reale Mechanik einfacher: Der Briefumschlag kommt in die Urne und wird mit allen anderen gezählt, sodass das Ergebnis eines Wahllokals das des gesamten Lokals ist, nicht das der letzten Tranche. Und dann ist da das Schicksal der Papiere: Laut den Berichten im Thread werden die Stimmen vernichtet, außer den ungültigen oder den strittigen. Von dort bis zur Schlussfolgerung, dass Indra das Ergebnis bestimmt, ist es ein weiter Weg, den niemand mit Beweisen zurückgelegt hat.
Der Senat, den kaum jemand wählt und der das Verfassungsgericht nominiert
Die Kammer, die die Anomalie erzeugt, ist auch diejenige, die den Menschen am wenigsten wichtig ist, und darin liegt die Paradoxie. Manche wählen den Senat nicht, weil sie denken, er sei nutzlos. Er ist nützlich: Er wählt Mitglieder des Tribunal Constitucional und des CGPJ, unter anderem für weniger auffällige Aufgaben.
Hinzu kommt ein logistisches Detail mit Folgen. Ein Forennutzer berichtete, dass mehrere Formationen die weißen Stimmzettel für den Kongress mit nach Hause nahmen, aber nicht die orangefarbenen für den Senat. Ergebnis: Wer wählen wollte und keinen hatte, füllte den Kandidatennamen mit dem Kugelschreiber aus. Wenn das keine ungültigen Stimmen und Kreuzungen erzeugt, tut es nichts anderes.
Mit dem System des Senats in der Hand lautet die interessante Frage nicht, warum die Stimmen nicht übereinstimmen, sondern warum jemand erwartet hätte, dass sie es tun. Die Lücke zwischen beiden Kammern entsteht nicht, weil einige Umschläge bewegt wurden: Sie entsteht, weil anders gewählt wird, anders gezählt wird und im Grunde sehr wenige wissen, was sie wählen, wenn sie den orangefarbenen Stimmzettel nehmen.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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