Spanien: Mindesteinkommen IMV hemmt Arbeitsanreize

In Spanien schrumpft der Unterschied zwischen Arbeitseinkommen und Sozialhilfe auf nur 400 Euro netto monatlich.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Spanien: Mindesteinkommen IMV hemmt Arbeitsanreize
Arbeit lohnt sich nicht mehr: Das IMV und die Falle des Einkommensunterschieds

Eine im öffentlichen Diskurs kursierende Berechnung macht es deutlich: Für eine alleinerziehende Familie mit zwei Kindern können die Nettoeinkünfte durch Zuschüsse über 3.200 Euro pro Monat steigen, während ein Arbeitnehmer mit Durchschnittslohn kaum 1.900 Euro erreicht. Die Schlussfolgerung ist unbequem: In vielen Fällen lohnt sich Arbeit weniger als Nichtstun. Das Existenzminimum (IMV) und andere Leistungen haben einen Boden geschaffen, der weit davon entfernt ist, ein Sicherheitsnetz zu sein; er hat sich für jene, die keine lohnenden Jobs finden, zu einer rationalen Alternative entwickelt.

Die Debatte ist nicht neu, aber sie wurde nach der Ausstrahlung eines TV-Beitrags angeheizt, der zugab, was viele bereits wussten: Der Unterschied zwischen Arbeiten und Bezugsleistungen beträgt manchmal nur wenige Hundert Euro. Die am häufigsten genannte Zahl ist ein Unterschied von 400 Euro netto pro Monat zwischen einem Angestellten und einem Leistungsempfänger. Bei dieser Marge schwindet der Anreiz, früh aufzustehen, zu pendeln und einen Chef zu ertragen.

Die Rechnung, die das offizielle Narrativ widerlegt

Die Aufschlüsselung ist aufschlussreich. Eine nicht arbeitende Familie kann 1.600 Euro an Zuschüssen erhalten, doch nach Zahlung von Miete (500), Nebenkosten (200), Schule (100) und Essen (400) bleiben ihr 400 Euro. Ein Arbeitnehmer mit einem Gehalt von 1.900 Euro kann nach Transportkosten, Steuern und anderen Ausgaben am Ende eine ähnliche oder sogar geringere Sparfähigkeit haben. Die Falle liegt in den mit der Beschäftigung verbundenen Kosten: Benzin, Parkgebühren, Essen außer Haus, Kleidung, Wäsche. Ausgaben, die der Leistungsempfänger nicht hat.

Manche behaupten, das IMV sei ein reines Arbeitsabschreckungsmittel. Es ist keine Theorie, sondern einfache Mathematik: Wenn der Unterschied zwischen Nichtstun und Gesundheitsschädigung bei 400 Euro liegt, steht nur ein Träumer oder jemand mit einer Arbeitsethik aus dem letzten Jahrhundert um 6:00 Uhr auf. Die statistische Schönfärberei ist obszön: Man zählt nicht als arbeitslos, es sei denn, man meldet sich an, was die Zahlen mittels Checkbook-Politik bereinigt.

Das versteckte Geschäft: Mieten und Schattenwirtschaft

Das eigentliche Geschäft besteht laut mehreren Analysen darin, Zimmer an Migranten unter beengten Bedingungen zu vermieten. Es wird ein Modell beschrieben, bei dem in jeder der drei Zimmer einer Wohnung mit einem Bad zwei Etagenbetten gestellt werden und 800 Euro pro Zimmer verlangt werden, insgesamt 2.400 Euro pro Monat. Mit diesem Geschäft verdient man doppelt so viel wie die maximale Rente. Die Schattenwirtschaft nährt sich selbst: Viele Leistungsempfänger arbeiten schwarz, was die Löhne der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten drückt.

Die Gastronomie ist ein Beispiel. Ein Restaurantbesitzer gibt zu, jährlich 550.000 Euro schwarz abzurechnen, was das Finanzamt nicht erkennt, und dass seine Mitarbeiter auf dem Papier 20 Stunden und real 50 Stunden arbeiten, wobei sie 8,50 Euro pro Stunde schwarz bezahlt werden. Der Betrug ist kein Einzelfall, sondern ein System, das unfair mit denen konkurriert, die sich an die Regeln halten.

Produktivität: Der Elefant im Raum

Über das IMV hinaus ist das Grundproblem, dass Spanien bei der Produktivität zurückgefallen ist und nur prekäre Jobs schafft. Der Kapitalstock und die Produktivität brauchen Jahrzehnte zum Aufbau, werden aber in wenigen Jahren zerstört. Das Produktionsgewebe hat sich verschlechtert, und die Politik der Zuschüsse baut es nicht wieder auf.

Einige weisen darauf hin, dass das IMV 2020 als Reaktion auf soziale Unzufriedenheit nach der Pandemie geschaffen wurde. Es wird nicht abgeschafft werden, weil die Parteien Angst vor Stimmenverlust haben. Man gibt Brot und Spiele, um die Bürger zufrieden zu stellen. Die politische Falle ist offensichtlich: Sobald das Recht geschaffen ist, wäre seine Abschaffung ein unvorstellbares Wahlkampfrisiko.

Was ist mit denen, die tatsächlich arbeiten?

Es gibt einen unbequemen Konsens: Wer weiter arbeitet, tut dies aus Würde oder Notwendigkeit, nicht weil es sich lohnt. Ein Arbeitnehmer, der täglich 60 Kilometer pendelt, gibt 200 Euro pro Monat für Benzin aus, verliert zwei Stunden am Tag und kommt erschöpft an. Die Opportunitätskosten sind brutal. Währenddessen gibt der Leistungsempfänger nichts für Transport aus, isst zu Hause und braucht keine Reinigung.

Die schwebende Frage ist, ob dieses System tragfähig ist. Bei steigender Staatsverschuldung und alternder Bevölkerung werden das IMV und die damit verbundenen Hilfen zur unerträglichen Last. Früher oder später muss man wählen zwischen dem Erhalt des Wohlfahrtsstaates und der Förderung von Beschäftigung. Die Antwort wird nicht technisch, sondern politisch sein. Was, wenn das Problem nicht das IMV ist, sondern die Elendslöhne, die der Markt bietet?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (155 Antworten).

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