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Selbstständig in Spanien: Was die Firmengründung kostet, bevor der erste Euro reinkommt
Bevor der erste Euro eingenommen wird, hat ein Gründer in Spanien bereits über 1.000 Euro für Marke, SL und RETA gezahlt. Wie viele Projekte sterben, bevor sie entstehen?
Die unsichtbare Maut der Selbstständigkeit in Spanien: 1.000 Euro vor der ersten Einnahme
Bevor man das erste Produkt verkauft oder den ersten Euro einnimmt, hat ein Gründer in Spanien bereits mehr als 1.000 Euro für die EU-Markenanmeldung ausgegeben, mehrere Hundert für die Gründung einer SL (spanische GmbH) und zahlt einen monatlichen RETA-Beitrag (Sozialversicherung für Selbstständige), der auch in Monaten ohne Einkommen nicht pausiert. Die Frage ist unbequem: Wie viele Projekte sterben an dieser anfänglichen Hürde, bevor sie überhaupt entstehen?
Die Kosten der Firmeneröffnung: Eine Ausgabe, die nicht aufs Einkommen wartet
Die Anmeldung einer Marke bei der Europäischen Union kostet rund 1.000 Euro. Softwarelizenzen, was die einzelne eben kostet. Die Gründung einer SL: mehrere Hundert Euro und jede Menge Kopfschmerzen. Und der RETA-Beitrag für Gesellschaften: mehrere Hundert Euro monatlich, die man zahlt, ob das Unternehmen verdient oder nicht. Das ist die Realität, die ein Gründer beschreibt, der sich mit der spanischen Bürokratie auseinandersetzt: Bevor man überhaupt die Türen öffnet, ist man schon in den roten Zahlen.
Manche halten das für normal bei jedem seriösen Geschäft. Investitionen in Räumlichkeiten, Werkzeuge, Lagerbestand, Personal, Lizenzen und Produktentwicklung sind notwendige Ausgaben vor dem Start. Das gibt es in Spanien, in den USA, in China oder in Mosambik. Der Unterschied liegt in den Beträgen und in der Starrheit des spanischen Systems, wo die Fixkosten sich nicht an der Realität des Projekts orientieren.
Autónomo, SL oder LLC: Die drei Wege und ihre Fallen
Die gängigste Alternative ist die Anmeldung als Autónomo (Selbstständiger). Das bedeutet aber, Name, Ausweisnummer und Adresse im Netz offenzulegen – etwas, das viele aus Datenschutz- und Sicherheitsgründen nicht tun wollen. Zudem beträgt der Autónomo-Beitrag in den ersten Monaten zwar nur etwa 60 Euro, steigt danach aber. Die andere Option ist die Gründung einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung, die viele Kanzleien fertig gegründet verkaufen – doch der RETA-Beitrag für Gesellschaften ist ein monatlicher Brocken.
Manche Gründer schauen in die USA und gründen dort eine LLC. Der Vorteil: Man muss in Spanien nicht als Selbstständiger angemeldet sein, wenn das Geschäft überwiegend online läuft. Aber die spanische Steuerbehörde (Hacienda) sieht das nicht gern, wenn man in Spanien lebt und von hier aus arbeitet. Die Gefahr einer Betriebsprüfung ist real, und das Risiko, als Steuerhinterzieher eingestuft zu werden, ist hoch. Andere empfehlen Estland, aber ein Umzug dorthin ist nicht für alle eine Option, und wenn Hacienda erfährt, dass man eine estnische Gesellschaft von Spanien aus betreibt, wird das Problem ernst.
Ein spanisches Problem oder ein universelles?
Es gibt eine Strömung, die darin eine bewusste Abschreckung sieht. Die Idee: Nur Leute mit Geld sollen mehr Geld machen können. Wenn man eine großartige Idee hat, kann man sie einem zum gewünschten Preis abkaufen oder einfach kopieren. Man kann einen auch für 1.300 Euro einstellen, damit er sie entwickelt, während das Unternehmen sich an seiner Arbeit mästet. In diesem Umfeld wird Selbstständigkeit zu einem Akt des Glaubens.
Andere erinnern aber daran, dass der Ansatz in China ein anderer ist. Das chinesische Pendant zu den europäischen Behörden will ebenfalls Geld einnehmen, spielt aber auf lange Sicht: Es macht sich nicht daran, kleinen Unternehmen ohne Angestellte oder mit drei, vier Leuten Geld abzuknöpfen. Es lässt sie wachsen und Umsätze machen und kassiert später viel über niedrige Steuern. Hier wird kassiert, bevor der erste Euro eingenommen wird; dort erst danach, wenn das Unternehmen bereits Angestellte hat und Millionen von Yuan umsetzt.
Der Kontext: Rekord bei den Selbstständigen – aber was für welche?
Die offiziellen Zahlen zeigen, dass die RETA kontinuierlich wächst. Mitte 2026 steigt die Zahl der Mitglieder auf 3.490.000, mit fast 70.000 Netto-Neuanmeldungen seit Januar. Das ist ein historischer Rekord. Doch die kritische Lesart: Viele dieser Selbstständigen sind Scheinselbstständige – Lieferboten von Plattformen, Fahrer von Apps, Beschäftigte von Unternehmen, die Arbeit auslagern, um Kosten zu sparen. Das Rider-Gesetz soll dem Einhalt gebieten, doch die Realität ist, dass das System viele weiterhin in eine verdeckte Prekarität drängt.
Währenddessen wächst auch die öffentliche Beschäftigung – und nicht nur die der verbeamteten Beamten. Hunderttausende Menschen beziehen Geld vom Staat ohne die Kontrollen eines klassischen öffentlichen Arbeitsverhältnisses: Staatsunternehmen, Observatorien, Berater, Ad-hoc-Verträge. Der Vergleich mit Dänemark, wo öffentliche Dienstleistungen wirklich geleistet werden, inklusive Kita, lässt Spanien schlecht dastehen.
Die Frage, die in der Luft bleibt: Ist die spanische Bürokratie so gestaltet, dass nur diejenigen gründen können, die bereits Kapital haben – oder ist sie schlicht das Ergebnis eines ineffizienten Systems, das nicht zwischen einem kleinen Projekt und einem Großkonzern unterscheidet? Währenddessen zahlt der Gründer, der seine Türen öffnen will, weiter die Maut, ohne zu wissen, ob sein Geschäft überhaupt funktionieren wird.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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