Anwalt auf eigene Rechnung in Spanien: Übersättigung und die Nischen, die noch zahlen

Allein in Madrid gibt es mehr Anwälte als in ganz Frankreich. Ein Blick auf die realen Karrierewege: Steuerrecht, Räumungsklagen, Compliance und die Pflichtverteidigung – ohne Schönfärberei.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Anwalt auf eigene Faust: ein Meer von Juristen und ein paar wenige rentable Inseln

Ein 22-jähriger Student im zweiten Jahr des Masterstudiengangs für Anwalts- und Notarpraxis hat die Frage auf den Tisch gebracht, die sich jedes Jahr Tausende Absolventen stellen: Wie verdient man in einem Beruf sein Geld, in dem das Angebot an Anwälten die Nachfrage bei weitem übersteigt? Sein Plan war, eine eigene Kanzlei zu eröffnen, sich nach und nach ein Einkommen aufzubauen und in der Freizeit weiterzustudieren. Die Antworten derer, die seit zwei Jahrzehnten im Geschäft sind, zeichnen ein weniger freundliches Bild: Übersättigung, sinkende Honorare und eine Pflichtverteidigung, die kaum zum Überleben reicht.

Mehr Anwälte als Mandanten

Die Zahl, die das Problem auf den Punkt bringt, ist vernichtend: Allein in Madrid gibt es mehr Anwälte als in ganz Frankreich. Auch Andalusien steht dem kaum nach, so heißt es in der Branche. Bei dieser Dichte konkurriert der frisch Examinierte nicht nur mit seinen Kommilitonen, sondern mit Tausenden etablierten Profis. Trotzdem behaupten manche, die Arbeit sei da: Die Gerichte sind am Limit, die Verfahren nehmen zu, und die Nachfrage nach Rechtsdienstleistungen verschwindet nicht. Das Problem ist nicht die Nachfrage, sondern die Fähigkeit, dafür auch bezahlt zu werden.

Die Nischen, in denen es wirklich Geld gibt

Am besten verdienen nicht die Generalisten. Steuerrecht und internationale Besteuerung gelten als die Spezialisierung mit den besten Aussichten – vorausgesetzt, man ist wirklich gut: „Der Sammelwut des Staates entsteht viel Schmerz, und wer leidet, zahlt." Auch Ausländerrecht, Räumungsklagen und Familienrecht werden genannt, wobei Scheidungen als emotional zermürbend und schlecht bezahlt beschrieben werden. Eine der originellsten Empfehlungen zielt auf Datenschutz und digitale Compliance: Traditionelle Kanzleien haben keine IT-Kenntnisse, und Unternehmen brauchen jemanden, der sich mit VPNs, virtuellen Maschinen und der DSGVO auskennt.

Ein immer wiederkehrender Rat: immer im Voraus kassieren, denn wer die Vorschusszahlung nicht leistet, wird auch die Schlussrechnung nicht bezahlen. Und ein ungewöhnlicher Ausweg: die Verwaltung von Immobilien, die ein ordentliches Einkommen ohne jahrelange Lehrzeit bringt – zum Preis von Auseinandersetzungen mit Eigentümerversammlungen.

Die Pflichtverteidigung: das Sicherheitsnetz, das nicht mehr hergibt

Für alle, die sich selbstständig machen, ist die Pflichtverteidigung (turno de oficio, das spanische System der von Gericht bestellten Anwälte) das natürliche Einfallstor. Man muss drei Jahre nach der Zulassung zur Anwaltskammer warten, und in dieser Zeit lernt man mehr als in jedem Master. Doch die wirtschaftliche Realität fasst ein Anwalt mit fast 20 Jahren Erfahrung zusammen: Die Pflichtverteidigung zahlt einen Hungerlohn, der in Ausgaben aufgeht und kaum etwas für einen selbst übrig lässt. Kein Weg zum Reichtum, sondern ein Polster, das die Schließung verhindert. Und die Schließung schwebt immer über allem: Andere empfahlen direkt, ins Beamtenverhältnis zu wechseln und die Staatsprüfung abzulegen, mit dem Argument, dass die Selbstständigkeit mit dem Aufkommen der künstlichen Intelligenz aussterben wird.

Mit dieser Mischung aus Skepsis und praktischen Ratschlägen ist das Fazit weder schwarz noch weiß. Für den, der seine Spezialisierung klug wählt, im Voraus kassiert und nicht davon träumt, Millionär zu werden, ist Platz; für alle anderen bleibt die Staatsprüfung der Plan B, der nie scheitert. Die verblüffende Zahl: Wer am längsten im Schlamm steckt, schließt nicht aus, dass die Arbeit mit Geduld irgendwann kommt. Nur ob sich das Warten lohnt, sagt er nicht.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (54 Antworten).

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