Selbst Brot backen: die Rechnung, die zeigt, dass man spart (aber nicht immer)
Der extreme Sparkult – die Obsession, an allem zu sparen, bis hin zum Brot – hat seine überzeugten Anhänger, und alle Argumente dafür beruhen auf derselben Übung: die Stückkosten jedes Laibs aufzuschlüsseln. Mit Mehl für 0,85 €/kg und einem 2-€-Päckchen Hefe kommt man auf 1 Euro für 750 Gramm. Aber die Zahlen lassen viel Spielraum, und die Ersparnis hängt davon ab, wen man fragt und wie viel Arbeit man sich zumuten will.
Die echten Kosten eines selbst gebackenen Brots: 1 Euro für 750 Gramm
Die meistverbreitete Rechnung geht von einfachen Zutaten aus: 500 Gramm Type-550-Mehl bzw. starkes Mehl (40 Cent), Trockenhefe (50 Cent), Wasser, Zucker, Salz und Öl (zusammen 5 Cent) sowie der Strom fürs Backen (10 Cent). Summe: 1,05 €. Aber die Hefe ist der Posten, der die Rechnung am stärksten verzerrt: kauft man sie in Einzelportionen, kostet jedes Päckchen 0,50 €. Frische Hefe ist günstiger: 30 Cent für zwei Würfel à 25 Gramm, genug für vier Brote. Damit sinken die Kosten auf 0,80 €. Und wer Sauerteig verwendet – fermentiertes Mehl mit Wasser –, streicht die Hefe komplett aus der Rechnung: Das Brot kostet dann weniger als 60 Cent.
Der Sauerteig-Trick: Brot für 60 Cent
Sauerteig eliminiert nicht nur die Hefekosten, sondern verbessert auch die Verträglichkeit und verlängert die Haltbarkeit auf fünf bis zehn Tage. Der Prozess erfordert Geduld: den Ansatz alle 12-24 Stunden füttern, über mehrere Tage. Aber einmal etabliert, kostet ein 750-Gramm-Laib nur 55-60 Cent. Wer es praktiziert, schwört, dass der Geschmack dem von Industriebrot weit überlegen ist und sich der anfängliche Aufwand mehr als auszahlt. Außerdem verträgt Sauerteigbrot Einfrieren und Toasten besser, was Lebensmittelverschwendung vermeidet.
Brotbackautomat oder von Hand kneten?
Der Brotbackautomat ist der große Katalysator des Heimbackens. Einfache Modelle (35-50 €) erlauben es, den Backvorgang über Nacht zu programmieren und mit frischem Brot aufzuwachen. Aber nicht alles sind Vorteile: Manche bemängeln, dass Brot aus dem Automaten gummiartig werden kann, wenn die Mengenverhältnisse nicht stimmen. Der Konsens: Das beste Preis-Leistungs-Verhältnis erreicht man, wenn man von Hand knetet, 24 Stunden im Kühlschrank langsam fermentieren lässt und im Elektroofen backt. Die energetische Ersparnis dieser Methode lässt sich schwer beziffern, aber das Ergebnis – ein 1-kg-Laib für weniger als 1 Euro – überzeugt selbst die Puristen.
Altes Brot gehört nicht in den Müll: Rezepte und Verwertung
Ein häufiger Kritikpunkt am selbst gebackenen Brot: Es wird schnell hart. In der Praxis hält ein Laib 3 bis 5 Tage bei Raumtemperatur, bis zu 10 Tage in einer Plastiktüte. Die Lösung ist so alt wie das Brot selbst: Brotsuppe, Panade, Auflauf und französischer Brotauflauf (Torrijas). Geriebenes Altbackenes eignet sich als Paniermehl oder lässt sich sogar in einen neuen Teig einarbeiten (mit normalem Mehl im Verhältnis 1:3 gemischt), wobei letzteres zusätzliches Gluten erfordert, damit das Brot locker bleibt. Es gibt keinen Grund, auch nur eine Krume wegzuwerfen.
Die unsichtbare Hürde: die Gewohnheit
Mit den Zahlen auf dem Tisch ist Selberbacken günstiger – bis zu 40 % unter dem 1,20-€-Laib vom Handwerksbäcker – und fast immer gesünder, weil künstliche Backmittel und Konservierungsstoffe entfallen. Das eigentliche Hindernis ist aber weder finanziell noch technisch: Es ist die Trägheit, alle vier Tage 5 Minuten in Zutaten abmessen und Programmieren des Geräts zu investieren. Wer es in seinen Alltag integriert hat, sagt, dass die gesparte Zeit für Bäckereigänge den Aufwand mehr als wettmacht. Aber solange es Supermarktbrot für 0,40 € pro Laib gibt, wird der Sparkampf in jedem Haushalt ausgefochten.
Verwandte Diskussionen im Forum