Warum Schuhe im Laden 99 Euro kosten und online weniger
Ist es normal, außerhalb des Schlussverkaufs 100 Euro für ein Paar Schuhe zu zahlen? Die kurze Antwort lautet: ja, wenn man im falschen Vertriebskanal kauft. Die lange Antwort beinhaltet, laut einer Rechnung, die in der Branche kursiert, Margen von 200 bis 300 Prozent, Modelle, die ab Werk 30 Euro kosten, und eine Preisdifferenz zwischen Spanien und Großbritannien, die bei einem konkreten Modell 35 Euro für dasselbe Paar beträgt.
Ausgangspunkt war ein Einkaufsnachmittag in zwei Einkaufszentren. Das Ziel: ein Paar mit weicher Sohle, von einer dieser bequemen Marken, die jeder kennt. Das Ergebnis: In allen Geschäften waren die günstigsten Modelle dieser Art mit 99 Euro ausgezeichnet. Im Vorjahr hatten vergleichbare 60 gekostet. Die Frage, die in der Luft hängt: Gibt es eine Preisabsprache, oder hat der Handelskalender einfach beschlossen, dass außerhalb des Schlussverkaufs niemand kauft?
Die Marge, die das Schaufenster einbehält
Die häufigste Erklärung zielt nicht auf den Hersteller ab. Die Schaufensterpreise enthalten einen Aufschlag, der in vielen Fällen das Dreifache der Produktionskosten ausmacht. Eine Rechnung, die in der Branche kursiert, macht es deutlich: Damenledersandalen verlassen die Fabrik im Schnitt für 20 Euro, Lederschuhe für etwa 30, und die Herrenmodelle, die eine bekannte Marke für über 170 Euro verkauft, werden in Almansa für rund 42 gefertigt. Die Differenz bleibt nicht bei dem, der die Sohle näht.
Hier kommt der Einzelhandel ins Spiel, der nach Lage, Marke und Saison sein eigenes Kriterium anlegt. In kommerziell weniger attraktiven Lagen, in kleinen Geschäften und bei weniger bekannten Marken erscheint derselbe Produkttyp zu Preisen, die die Erzählung Lügen strafen. Manche haben Lederschuhe für 15 Euro im Schlussverkauf gekauft und das ganze Jahr mit einer Schuhcreme-Behandlung getragen. Andere haben 25 Euro für Mustangs in einem Stadtteil-Schuhgeschäft gezahlt, Treuerabatt inklusive.
Die Spanien-Großbritannien-Schere: 35 Euro für denselben Schuh
Der geografische Unterschied ist die unbequemste Zahl. Ein konkretes Clarks-Modell, der Carter Lo GTX, kostet auf der britischen Website 104,7 Euro, auf der spanischen 140 Euro. Gleiches Produkt, gleiche Marke, 35 Euro Unterschied. Die offizielle Erklärung wäre die Anpassung an den lokalen Markt – eine elegante Umschreibung dafür, dass man hier mehr zahlt, weil es möglich ist.
Das zusätzliche Problem: Viele Marken blockieren den Kauf über die Website des Herkunftslandes. Clarks liefert nicht aus seinem britischen Shop nach Spanien, sodass Käufer über die spanische Tochterfirma gehen müssen. Andere Marken erlauben den Einkauf im Ausland, und dort ist die Ersparnis direkt. Manche haben in England gekauft und dann in einem spanischen Geschäft verglichen – und nicht nur einen Preisunterschied, sondern auch einen Qualitätsunterschied festgestellt: Der britische Schuh wirkte besser verarbeitet als der, der hier verkauft wurde.
Amazon, Markt und Outlet: Wo der Preis bricht
Die am häufigsten genannte Alternative ist der Onlinekauf. Bei Amazon erscheinen hochwertige Laufschuhe für 50 Euro bis an die Haustür geliefert, im Ladengeschäft könnten sie fast das Dreifache kosten. Ein Paar Sandalen und reduzierte Skechers machten zusammen 45 Euro aus. Der Trick liegt in Gutscheincodes und punktuellen Angeboten: Es gibt zusätzliche 10 Prozent Rabatt mit bestimmten Codes und kostenlosen Versand ab 25 Pfund bei bestimmten Artikeln.
Um diese Preise zu verfolgen, gibt es ein Werkzeug, das als unverzichtbar gilt: eine Browser-Erweiterung, die die Preisentwicklung eines Artikels über Monate zeigt. Ohne diesen Verlauf fällt man leicht auf ein Scheinangebot herein. Der andere Weg ist das Outlet der Marke selbst, wo Angebote innerhalb weniger Tage eintreffen und Preise auftauchen, die es im offiziellen Shop nicht gibt.
Wochenmarkt und Supermarkt vervollständigen das Bild. In jedem Ort gibt es Schuhe für 10 oder 20 Euro, und Supermarkt-Sandalen für unter 30. Der Einwand ist die Qualität: Wer billiges Schuhwerk probiert hat, berichtet von Erfahrungen mit zwei Wochen Haltbarkeit. Wer die Ausnahme gefunden hat, hält dagegen, dass Lederschuhe für 40 bis 60 Euro, mit Bedacht gekauft, Jahre halten.
Schuhe als Wertanlage (oder nicht)
Am anderen Ende stehen diejenigen, die behaupten, billige Schuhe seien eine Scheinsparsamkeit. Ein Paar hochwertige Stiefel, so das Argument, kostet nicht unter 100 Euro, und es gibt spanische Marken, die zu den besten der Welt zählen und deren Preise über 200 liegen. Die Verteidigung: Ein gut gemachter Lederschuh hält Jahrzehnte, kann im Geschäft selbst repariert und erneuert werden und kommt am Ende pro Nutzungsjahr günstiger als zehn Wegwerfpaare.
Das Gegenargument: Diese Logik funktioniert nur, wenn man alle paar Jahre einmal kauft und gut wählt. Die Größe variiert je nach Modell, die Passform ändert sich, und der Onlinekauf ohne Anprobieren ist eine Lotterie. Der häufigste Rat: im Ladengeschäft anprobieren und dann dasselbe Modell in derselben Größe online suchen. Eine Methode, die bei Geduld funktioniert – und den klassischen Einzelhandel als kostenlose Umkleidekabine zurücklässt.
Welche Marken und Geschäfte stehen auf der Liste?
Zu den als zuverlässig genannten spanischen Marken gehören Fluchos, Pitillos, Dorking, Chiruca, Pikolinos, Sendra, Hispanitas, Martinelli, Lottusse und Camper. Im britischen Segment erscheinen Loake, Grenson und Crockett & Jones, mit Preisen, die in manchen Fällen über 200 Euro liegen. Für den Alltag werden günstige Schuhketten wie Merkal als das Kiabi unter den Schuhen beschrieben: das ganze Jahr über billig und in Einkaufszentren vertreten.
Die praktische Schlussfolgerung aus all dem: Der Schlussverkaufskalender ist kein Naturgesetz. Er ist eine handelsübliche Konvention. Außerhalb davon lässt sich derselbe Schuh 40 Prozent günstiger finden, wenn man Kanal, Land oder Marke wechselt. Was nie sinkt, ist die Beruhigung zu wissen, dass man 99 Euro für etwas gezahlt hat, das in einem anderen Schaufenster 60 kostete.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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