Sánchez als westlicher Spitzenreiter: Das Narrativ der Stärke

The Economist kürte Spaniens Wirtschaft zur besten des Jahres 2024. In diesem Kontext wird Premier Sánchez als letzter verbleibender westlicher Staatsmann stilisiert.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Sánchez als westlicher Spitzenreiter: Das Narrativ der Stärke
Das Narrativ, das Sánchez als letzten Stehenden im Westen inszeniert

Laut dem Ranking von The Economist war Spanien 2024 die leistungsstärkste Volkswirtschaft unter 37 überwiegend reichen Ländern. Der Präsident erscheint in dieser dominanten Erzählung als letzter westlicher Staatsmann, der standhält. Der Kontrast ist drastisch: Dasselbe Spanien hat seit Monaten keinen neuen Haushalt verabschiedet und regiert per Dekret. Zwischen dem internationalen Bild und der innenpolitischen Realität klafft eine Lücke – und genau diese Diskrepanz ist das Thema.

Was das Ranking von The Economist über die spanische Wirtschaft sagt

Die Grundlage für alles Weitere ist konkret: The Economist stufte Spanien als beste Volkswirtschaft des Jahres 2024 ein, vor 36 anderen überwiegend wohlhabenden Nationen. Daraus wird die politische Schlussfolgerung gezogen. Wenn das Land stärker wächst als seine Nachbarn, so argumentieren die Befürworter dieses Narrativs, besitzt der Verantwortliche einen kaum anzuzweifelnden Rückhalt.

Ein gutes Wachstumsjahr erklärt jedoch allein nicht die Geschwindigkeit, mit der diese Figur aufgebaut wurde. Ihm wird eine Gesprächsfähigkeit mit Peking, Moskau und Washington zugeschrieben, die kein anderer europäischer Führer haben soll. Rekordwachstum, ja; westliche Hegemonie, etwas anderes.

Vom Mindestlohn auf 1.300 Euro und die 37,5-Stunden-Woche

Die beiden am häufigsten genannten Zahlen sind der interprofessionelle Mindestlohn (SMI), der auf 1.300 Euro in 12 Monatsgehältern angehoben wurde, sowie die Verkürzung der Arbeitszeit auf 37,5 Stunden. Der historische Vergleich wird angeführt: Unter der Regierung der PP lag der Mindestlohn bei etwa 600 Euro, und es wurde gewarnt, dass eine Erhöhung den Arbeitsmarkt ruinieren würde.

Diese Prognose trat laut den Befürwortern der Anhebung nicht ein. Der Konsens endet dort. Er bricht zusammen, wenn gefragt wird, warum in der Praxis weiterhin Arbeitnehmer 40 Wochenstunden leisten: Die beschlossene Maßnahme und die reale Lebenswirklichkeit decken sich nicht immer.

Xi Jinping empfängt Sánchez, Trump kontert

Der zweite Pfeiler des Narrativs ist geopolitischer Natur. Laut der eingangs erwähnten Erzählung empfing China Pedro Sánchez als ersten ausländischen Staatschef nach den Sanktionen und Zöllen Trumps. Aus der US-Administration wird diese Annäherung mit einer wiederkehrenden Phrase beschrieben: „Es ist wie sich selbst den Hals abzuschneiden.“ Dass das Treffen stattgefunden hat, steht außer Frage; der tatsächliche politische Gewinn daraus bleibt jedoch unklar.

Dieses Narrativ behauptet zudem, dass Sánchez Kanäle zu Ansprechpartnern offen hält, die in anderen westlichen Hauptstädten geschlossen sind, einschließlich rechter europäischer Politiker. Dieser Spielraum erlaube ihm Bewegungen, bei denen seinen Amtskollegen die Nerven versagen. Andere lesen dies umgekehrt: persönliche Vendetta gegen Washington statt Strategie.



Das Kleingedruckte, das auf den Fotos fehlt

Hier zerbricht die Idylle. Der Haushalt kommt nicht durch, die Exekutive Gesetzgebung per Dekret, Wohnraum verteuert sich unaufhaltsam, und Teile der Analyse sehen eine Verschlechterung im Gesundheitswesen, im öffentlichen Bildungssystem und bei der Sicherheit, während die Schulden steigen. Dass die Wirtschaft wächst, bedeutet nicht automatisch, dass sich die Lebensqualität des Durchschnittsbürgers im gleichen Tempo verbessert.

Die andere Front betrifft Territorien und Außenpolitik. Im Narrativ heißt es, Katalonien und das Baskenland hätten an Gewicht in politischen Verhandlungen gewonnen, und in der Westsahara-Frage habe die Regierung Positionen geräumt. Zudem kursieren Korruptionsvorwürfe gegen die Spitze der Exekutive, die zum Zeitpunkt dieser Diskussion noch nicht rechtskräftig verurteilt sind. Regieren per Dekret hat einen Preis, der auf keinem Gipfeltreffen sichtbar wird.

Warum wirkt das Narrativ außerhalb Spaniens besser?

Außerhalb der Landesgrenzen ist die Figur zur sichtbaren Speerspitze der EU aufgebläht worden. In Großbritannien, so wird berichtet, vergeht kein Tag ohne Artikel, die Sánchez und Spanien als europäischen Referenzpunkt loben, sogar in der Boulevardpresse. Innerhalb Spaniens sieht die Debatte anders aus: Preise, Wohnraum und öffentliche Dienstleistungen.

Dort liegt der Bruch. Dieselbe Politik erzeugt zwei Porträts, die kaum Ähnlichkeit haben – nicht weil eines lügt, sondern weil man unterschiedliche Teile des Bildes betrachtet.

Der beste Führer seit… Franco?

Der Vergleich, der die Auseinandersetzung abschließt, ist der auffälligste: Sánchez in die Liste großer spanischer Herrscher einzureihen, neben Trajan, den Katholischen Königen, Philipp II., Karl III. und, ohne Scham, Francisco Franco. Die Ironie in diesem Vorschlag ist offensichtlich, doch gibt es auch unbequeme Daten für alle: Wenn die westlichen Referenzen Macron, Scholz, Starmer, Meloni oder Trump sind, sinkt der Vergleichsmaßstab von allein.

Das erklärt, warum das Narrativ funktioniert und wo es Risse bekommt. Man muss nicht der Beste sein, um in einem Rennen Erster zu werden, in dem die anderen stolpern.

Wie lange hält ein Ruhm, der im Ausland wächst und im Inland abnimmt?

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (235 Antworten).

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