Russland beziffert ukrainische Verluste seit dem 4. Juni auf 7.500

Das russische Verteidigungsministerium beziffert die ukrainischen Verluste seit dem 4. Juni auf 7.500 und räumt ein, dass die durch Luftangriffe und Präzisionswaffen verursachten nicht enthalten sind.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Russland beziffert ukrainische Verluste seit dem 4. Juni auf 7.500
Russland beziffert ukrainische Verluste seit dem 4. Juni auf 7.500

Wie viele Soldaten hat die Gegenoffensive gekostet? Das russische Verteidigungsministerium nennt eine Zahl: rund 7.500 Verluste —Tote und Verwundete— in den Kampfgebieten seit dem 4. Juni. Und es warnt, dass diese Zahl die Soldaten nicht einschließt, die durch hochpräzise Langstreckenwaffen oder durch Luftangriffe im ukrainischen Hinterland getroffen wurden. Das heißt, der offizielle Bericht räumt ein, dass die tatsächliche Gesamtzahl höher wäre. Oder niedriger. Je nachdem, wer da rechnet.

Derselbe Bericht führt aus, dass allein in der Richtung Saporischschja und Süddonezk die ukrainischen Truppen innerhalb von 24 Stunden mehr als 800 Mann, 20 Panzer und zwei in den USA hergestellte M777-Haubitzen verloren haben sollen. In der Richtung Cherson weitere 50 Soldaten. Parallel dazu meldete die russische Armee nächtliche Angriffe auf Sammelstellen ukrainischer Reservisten und ausländischer Söldner sowie auf Lagerhäuser mit Munition, Waffen und westlichem Militärgerät, wobei alle Ziele «erfasst und zerstört» worden seien.

Das Problem, dem Feindbericht zu glauben

Die erste Reaktion auf jede Verlustzahl, die eine der beiden Seiten veröffentlicht, ist immer dieselbe: Wer bescheinigt das? Russland nennt seine Zahlen, die Ukraine ihre, und die NATO ihre. Keine passt zur anderen. Das Misstrauen ist keine Wirtshauszynik: Es ist der vernünftige Ausgangspunkt, wenn die Quelle selbst am Konflikt interessiert ist.

Dennoch hat die Zahl eine innere Lesart, die man nicht übersehen sollte. Das russische Ministerium selbst gibt zu, dass die Zahl von 7.500 eine Untergrenze, keine Obergrenze ist: Verluste durch Präzisionswaffen und Luftangriffe in der Tiefe sind ausdrücklich ausgeschlossen. Ein Bericht, der sich selbst nach oben korrigiert, ist ungewöhnlich. Entweder ist das ungeschickte Propaganda, oder Propaganda, die sich größeren Zahlen vorwegnehmen will, die über andere Kanäle kursieren werden.

20 Panzer und zwei M777 in 24 Stunden: die materielle Lesart

Die Aufschlüsselung nach Abschnitten ist das Konkreteste am Bericht. Saporischschja und Süddonezk konzentrieren den Großteil: mehr als 800 Mann, 20 Kampfpanzer und zwei amerikanische M777-Haubitzen an einem einzigen Tag. In Cherson 50 Soldaten. Rechnet man die Zahlen zusammen, ergibt sich aus dem russischen Bericht ein Tagesdurchschnitt von rund tausend Verlusten, Toten und Verwundeten, an allen Fronten zusammen.

Da liegt der Kern der Sache: Die Gegenoffensive wird in zerstörtem Material und ausgefallenen Soldaten gemessen, nicht in gewonnenen Kilometern. Und das Material hat eine unbequeme Besonderheit. M777 und westliche Panzerfahrzeuge lassen sich nicht per Erlass ersetzen: Jedes verlorene Stück ist ein Stück, das angefordert, transportiert und in einer europäischen Hauptstadt oder in Washington politisch gerechtfertigt werden muss.

Ausländische Söldner und westliche Lager: das erklärte Ziel

Der Bericht erwähnt ausdrücklich Angriffe auf Konzentrationen von ukrainischen Reservisten und ausländischen Söldnern sowie auf Lagerhäuser mit Munition, Waffen und westlichem Militärgerät. Es ist die Argumentationslinie, die Moskau ständig wiederholt: Die Gegenoffensive wird nicht nur von ukrainischen Soldaten getragen, sondern von Ausbildern, Freiwilligen und NATO-Lieferungen. Die Lager als vorrangiges Ziel darzustellen ist zugleich ein Militärbericht und eine politische Botschaft an Brüssel.

Die Frage, die in der Luft bleibt, ist eine reine Logistikfrage. Westliche Munition im Depot zu zerstören zwingt zum Wiederaufbau einer Versorgungskette, die durch halb Europa führt. Jedes getroffene Lager verzögert Lieferungen, die ohnehin nur in einem Rinnsal ankommen.

Die Gegenoffensive, die am Verschleiß gemessen wird

Die dominante Erzählung in den Kasernen und Kanzleien hat sich gedreht: von der Erwartung eines schnellen Durchbruchs der Front zur Einsicht, dass es hier um gegenseitigen Verschleiß geht. Mit diesen Zahlen auf dem Tisch lautet die Frage nicht mehr, wie viel Gelände zurückerobert wird, sondern zu welchem Preis pro Quadratmeter. Und der Preis wird in zwei Währungen gezahlt: Soldaten und Gerät, die sich nicht in einem Quartal herstellen lassen.

Manche behaupten, diese Berichte seien reines Theater und die einzige verlässliche Zahl komme, wenn der Krieg vorbei sei, falls er vorbei sei. Dagegen spricht ein Detail: Der Bericht selbst nimmt sich die Mühe abzugrenzen, was er nicht zählt. Ein Dokument, das sich selbst eingrenzt, lädt dazu ein, es mit der Lupe zu lesen, wenn auch mit einer skeptischen Lupe.

Am Ende bleibt als einzige Gewissheit des russischen Berichts die alte: Die Zahlen des Krieges schreibt der, der schießt, und wer sie liest, tut gut daran zu misstrauen. Das hindert den Feindbericht nicht daran, ab und zu ungewollt etwas Wahres zu sagen.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (14 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver