Russische Luftwaffe beherrscht Himmel nach Jahr nicht

Ein Jahr Krieg und die russische Luftwaffe hat keine Lufthoheit: fehlende Koordination und starke ukrainische Flugabwehr.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Russische Luftwaffe beherrscht Himmel nach Jahr nicht
Ein Jahr Krieg und die russische Luftfahrt hebt immer noch nicht ab

Wie hält man eine Invasion fast ein Jahr lang aufrecht, ohne dass die Luftwaffe entscheidend eingreift? Das ist die Frage, die den ukrainischen Konflikt zwölf Monate nach Beginn überschattet. Russland hat es nicht geschafft, die Lufthoheit zu erringen, seine Flugzeuge nicht mit den Bodentruppen koordiniert und kaum Angriffsmissionen an der Front geflogen. Bemerkenswert ist, dass es es eigentlich leichter haben müsste: Es operiert quasi vor der Haustür, mit eigenen Basen nur wenige Kilometer von der Kontaktlinie entfernt.

Die Kampagne stützt sich auf Artillerie und Raketenwerfer. Wenn Luftschläge erfolgen, richten sie sich gegen Infrastruktur im Landesinneren, nicht gegen Stellungen, die die Infanterie aufhalten. Fast ein Jahr später hat sich dieses Muster nicht geändert.

Die Flugabwehrmauer, die (teilweise) die Blockade erklärt

Die erste Antwort in jeder Analyse ist die Flugabwehr. Die Ukraine verfügte vor dem Krieg über mehr Boden-Luft-Raketenbatterien als alle europäischen Armeen zusammen. Vor Ort bestimmen die Systeme S-300 und BUK, in welcher Höhe überhaupt geflogen werden kann; darunter warten schultergestützte Raketen. Nach vorliegenden Zahlen gibt es mehr als hundert S-300-Batterien, dazu Beiträge der westlichen Partner und die Aufklärung, die diese Batterien unterstützt.

Diese Mauer ist real. Aber sie deckt nur die Hälfte des Problems ab. Eine Armee mit moderner Luftkriegsdoktrin muss nicht über feindliches Gebiet fliegen, um gelenkte Munition aus Dutzenden Kilometern Entfernung abzusetzen. Die Frage lautet also, was auf der anderen Seite fehlt.

Warum es nicht reicht, das System der Flugabwehr anzuschuldigen

Hier kommt der Block der Argumente, der am meisten Unbehagen bereitet. Es wird behauptet, die russische Luftwaffe verfüge kaum über Präzisionsmunition und sei auf ungelenkte Bomben angewiesen, die klassischen „dumb bombs“. Hinzu komme, dass es kein zuverlässiges System zur Unterscheidung eigener und feindlicher Flugzeuge gebe, weshalb Angriffe ins Landesinnere statt über die Front gerichtet würden, wo niemand sicher weiß, was sich darunter befindet.

Die Gegenreaktion fällt hart aus. Noch vor den elektronischen Identifikationssystemen gab es Protokolle und Gefechtsfeldkontrolleure. Wenn ein Jahr später weiterhin Verfahren, Doktrin und Koordination fehlen, ist die Diagnose nicht technischer, sondern grundsätzlicher Natur: Die russische Luftwaffe hat sich als wenig einsatzfähiges Instrument in einem echten Krieg erwiesen. Im Gegensatz dazu sammeln US Navy und USAF in jedem Konflikt Abschüsse und fliegen weiter; Flugzeugverluste sind normal. Das Anomale ist, es gar nicht erst zu versuchen.

Nützt die Luftwaffe in einem modernen Krieg?

Der Dissens betrifft nicht nur Russland. Manche vertreten die Ansicht, die Luftmacht sei tot: Moderne Flugabwehrraketen neutralisieren jeden Eindringversuch, und Kriege gewinne letztlich die Infanterie. Andere antworten mit der Geschichte der westlichen Feldzüge, bei denen die Feindverteidigung zuerst degradiert und die Luftwaffe danach frei agiere. Die Diskussion driftete ins Technische – Marschgeschwindigkeiten, Nachbrenner, Jäger der fünften und sechsten Generation –, mit der Ironie, dass eine Armee, die ihren Truppen direkt vor der Haustür keine Unterstützung geben kann, über Flugzeuge diskutiert, die es noch nicht gibt.

Die offene Frage ist, ob das ukrainische Flugabwehrsystem so undurchdringlich ist wie behauptet oder ob es eine Ausrede für eine größere Unfähigkeit kaschiert. Wer Ersteres betont, schaut auf die mehr als hundert Batterien; wer Letzteres unterstreicht, verweist auf mehr als tausend verlorene gepanzerte Fahrzeuge und eine Luftflotte, von der nach manchen Schätzungen nur ein Bruchteil flugtüchtig wäre.

Die Erinnerung an Syrien und der Kontrast zum Irak

Der Vergleich mit Syrien schließt den Kreis. Dort wurden enthusiastische Berichte über die Effektivität der russischen Luftwaffe veröffentlicht. In der Ukraine, mit dem Krieg vor der Tür und auf flachem Terrain, wurde die medienwirksamste Operation – der Fall von Soledar – ohne konstante Luftunterstützung durchgezogen. Nur Artillerie, Raketenwerfer und Kanonenfutter.

Gegen die Argumentation, die USA hätten nur Gegner ohne Luftwaffe angegriffen, lautet die Antwort einfach: Der Irak oder Serbien hatten Verteidigungssysteme, und dennoch flogen westliche Luftstreitkräfte Einsätze. Auf dem Papier könnte Russland einen Großteil der Front treffen, ohne ukrainisches Territorium zu betreten, nur wenige Kilometer von seinen eigenen Basen entfernt. Tut es aber nicht.

Der verwirrende Datenpunkt

Ein Jahr später gehört der ukrainische Himmel immer noch keinem klar. Die russische Luftwaffe hat nicht abgehoben; auch die ukrainische operiert nicht frei. Und während darüber diskutiert wird, ob Raketen den Jagdflugzeug-Abschied besiegelt haben, ist das einzig Verifizierbare, dass die zweitgrößte Luftwaffe der Welt seit zwölf Monaten nicht beweisen konnte, dass sie es ist. Vielleicht besteht die Doktrin darin, abzuwarten, bis der Gegner ermüdet.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (118 Antworten).

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