Rufiáns Angriff auf VOX schlägt nach hinten los: Die Rede, die deren Wahlkampf beflügelt

Gabriel Rufiáns Rede über Ceuta und Marokko spaltet Spanien: Die einen sehen einen Wahrheitssprecher, die anderen einen Demagogen. Die Ironie: Der Angriff auf VOX verschafft ihr kostenlose Werbung.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Rufiáns Angriff auf VOX schlägt nach hinten los: Die Rede, die deren Wahlkampf beflügelt
Rufián: unbequeme Wahrheiten, Paradoxa und die eine oder andere Verschwörungstheorie

Es gibt einen Moment, in dem Gabriel Rufián zum Mittelpunkt aller Blicke wird: Wenn er spricht, gerät die Rechte in Wut und die Linke in Verlegenheit. Seine jüngste Rede über Ceuta und Marokko hat erneut einen wunden Punkt getroffen. Die Frage, die er aufwirft, ist direkt: Wer will die Regierung von Sánchez stürzen? Seine Antwort liegt, so sagt er, nicht im Parlament, sondern in Rabat und in den Logen.

Die Rede, die das Parlament spaltet

Rufián behauptete, Marokko wolle die Regierung von Pedro Sánchez mit Hilfe von PP, VOX, Israel und der Polizei zu Fall bringen. Diese Formulierung, irgendwo zwischen halber Wahrheit und Verschwörungserzählung, hat widersprüchliche Reaktionen ausgelöst. Manche halten dem ERC-Abgeordneten (katalanische Linkspartei) zugute, dass er unbequeme Wahrheiten ausspricht, und sehen in der Spannung, die er erzeugt, den Beweis seiner Wirkung. Auf der anderen Seite wird ihm vorgeworfen, einige dieser Wahrheiten zu erfinden und die Verschwörungstheorien, die er selbst konstruiert, nicht so zu nennen.

Die schärfste Kritik kommt jedoch nicht von der Rechten, sondern von denen, die ihn daran erinnern, dass er die Regierung, die er angeblich verteidigt, mit seinen Stimmen selbst stützt. Wenn Sánchez' Regierung eine «Marionette» Marokkos ist, wie Rufián andeutet, was tut ERC dann an der Macht? Diese Inkonsistenz ist die verwundbarste Stelle.

Das Paradox des Redners: Wahlkampf für VOX?

Ein Analyseansatz macht die Runde: Jedes Mal, wenn Rufián versucht, VOX zu dämonisieren, wird er zur besten Werbekampagne für Santiago Abascals Partei. Der Tweet von Raúl Gallart fasst es zusammen: Wer einen schlechten Tag hat, soll an Rufián denken, der VOX dämonisieren wollte und dabei zur besten Wahlkampagne für Abascals Partei wurde. Das Paradox ist unbequem: Der härteste Angriff wird zum Lautsprecher des Gegners.

Und da liegt das Detail, das viele übersehen: Rufiáns Rede schenkt Abascals Partei in dem Versuch, VOX zu zerlegen, genau das, was sie braucht: Aufmerksamkeit und einen Feind, auf den sie zeigen kann.

Der Schatten des 11M und die Anglosphäre

Die Konversation bleibt nicht bei Ceuta. In den Reaktionen taucht der 11M (die Madrider Zuganschläge von 2004) auf als angebliche Staatsoperation, um die Regierung zu wechseln und Zapatero zu installieren, der Marokko gegenüber aufgeschlossener war. Es ist eine Lesart, der zufolge die PSOE (die spanische Sozialdemokratie) verschwieg, was sie wusste. Ein Gerichtsurteil stützt das nicht, aber die Idee lebt in bestimmten Kreisen weiter.

Auch die Anglosphäre und die Zionisten werden als Kräfte genannt, die die spanische Politik kontrollieren. Die Rechte sei, so diese Sichtweise, ein Tentakel der Anglosphäre. Das sind Behauptungen im Reich der Spekulation, aber sie zeigen eine tiefe Unzufriedenheit mit der offiziellen Erzählung.

Wenn Rufián das Beste ist, was wir haben, was sagt das über die politische Klasse aus? Die Frage bleibt offen. Klar ist: Seine Rede, irgendwo zwischen Wahrheit und Paranoia, schafft, was wenigen gelingt: alle anderen auf eines zu einigen. Dass sie nicht wollen, dass er spricht.

Auch verfügbar auf: English

Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (94 Antworten).

Weitere Zusammenfassungen

Alle Zusammenfassungen auf Deutsch →

-
Volver