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EU fordert Schließung von Universitäten und Stärkung der Berufsbildung
Brüssel rät Spanien zur Schließung von Unis und Förderung der Berufsbildung. Madrid hat bereits 14 private Hochschulen, Galizien hält drei Geschichts-Fakultäten offen.
Die EU fordert die Schließung von Fakultäten: Madrid zählt bereits 14 private Hochschulen
Brüssel hat Spanien aufgefordert, Universitäten zu schließen und junge Menschen stärker auf die berufliche Bildung (Formación Profesional) umzuleiten. Das Argument hinter dieser Empfehlung ist rein wirtschaftlich und ungeschönt: Der spanische Arbeitsmarkt kann das jährliche Volumen an Absolventen nicht absorbieren. Die Forderung kommt in einer Zeit, in der sich die akademische Landkarte seit zwei Jahrzehnten aus territorialer Trägheit weiterentwickelt hat, mit Campus-Standorten in fast allen Provinzhauptstädten. Vor allem aber kommt sie, nachdem der Hochschulabschluss für die vorherige Generation kein Garant mehr für stabile Beschäftigung war.
Es gibt ein Überangebot, aber eine Nachfragelücke. Bis hierhin herrscht Konsens.
Galizien: Drei Geschichts-Fakultäten für eine Bevölkerung ohne Kinder
Der Fall Galizien dient als Röntgenaufnahme. Eine alternde Region mit kaum Geburtenrate unterhält drei philologische Fakultäten — Englisch, Galicisch und Hispanistik — sowie drei weitere für Geschichte. An der galicischen Fakultät in A Coruña gibt es mehr Dozenten als Studenten. In Ourense erreicht die Geschichtsfakultät selbst bei Zusammenrechnung aller Semester keine 200 Einschreibungen. Die wiederkehrende Rechnung ist einfach: Eine einzige hätte genügt, ergänzt durch Stipendien für Pendler. Der Rest sind laufende Kosten und besetzte Lehrstühle.
Warum Madrid 14 private Universitäten ansammelt
Die Paradoxie des Augenblicks: Die europäische Empfehlung zielt auf das öffentliche Netz, während die Autonome Gemeinschaft Madrid bereits 14 private Universitäten vorweist und die Zahl steigt weiter. Keine autonome Region verzichtet auf ihren Campus. Er dient dazu, die Bevölkerung zu binden, damit Tech-Unternehmen Niederlassungen gründen und damit im Ausland ausgebildete Fachkräfte vor Ort bleiben. Diskutiert wird nicht, ob es zu viele Fakultäten gibt, sondern ob jemand den Mut hat, die eigene zu schließen.
Ein Detail illustriert die Fehlsteuerung besser als jeder Bericht: Ein ingenieurwissenschaftlicher Masterstudiengang, der zur Berufsausübung berechtigt, hatte im Jahr 2021 nur einen einzigen Studierenden. Heute sind es vier oder fünf. Er existiert weiter, weil sein Fortbestand nicht von der Nachfrage abhängt, sondern vom Willen der Leitung.
„Viele Journalisten, Philosophen und Psychologen, wenige Installateure“
Auf dem Tisch liegt eine Anekdote, die beredter ist als jede Statistik: Ein Schweizer Kunde bemerkte, dass in seinem Land ein Klempner oder Elektriker mehr verdient als ein Anwalt, und dass Spanien diesem Trend folgt. Die Berufsbildung bietet bessere Jobaussichten, bessere Arbeitszeiten und Gehaltsobergrenzen, die oft über denen geisteswissenschaftlicher Abschlüsse liegen. Es fehlt ihr jedoch das Prestige, was schwer wiegt: Der gesellschaftliche Status belohnt weiterhin den Hochschulabschluss, auch wenn das Gehalt nicht mithält. Hinzu kommt eine unbequeme Kritik aus dem System selbst: Manche Berufsschullehrer sind Ingenieure, die noch nie eine Heizung repariert haben.
Verdacht auf Vetternwirtschaft und geschützte Professuren
Ein Teil der Diagnose behauptet, die Universität habe in der Praxis als Vermittlungsapparat für Verwandte und Bekannte gedient und dass Abteilungen und Lehrstühle unantastbar seien. Dies ist ein häufiger, aber fallweise unverifizierter Vorwurf. Dagegen steht die Sicht der Insider: Auswahlverfahren basieren auf Publikationen, Lehre und Forschungsaufenthalten, und maßgeschneiderte Stellen können vor Gericht landen. Verdacht und Regelwerk koexistieren, doch niemand hat das Gesamtbild auditiert.
Statt Jobsuche: Vorbereitung auf den öffentlichen Dienst
Eine Zahl verwirrt jene, die glauben, die Universität diene der Aufnahme privater Beschäftigung: Ein beachtlicher Teil der Studierenden sucht keinen Job, sondern eine Beamtenstelle. Sie bilden sich für die Prüfung zum öffentlichen Dienst (oposiciones) aus, und die kommenden Jahre bringen eine massive Pensionierungswelle im öffentlichen Sektor, die das beste Fenster seit Jahrzehnten öffnet. Aus dieser Logik klingt der Rat, junge Menschen in Handwerksberufe zu lenken, wie ein Drängen nach unten. Manche lesen darin sogar eine Strategie, Jugendliche in schlecht bezahlte manuelle Tätigkeiten abzudrängen. Es ist eine Hypothese, kein Faktum, erklärt aber, warum die Empfehlung in bestimmten Kreisen so schlecht ankommt.
KI frisst den Abschluss
Und darunter alles überragend: Die KI. Die Liste der Profile, die Automatisierung in wenigen Jahren entleeren könnte, umfasst Übersetzer, Programmierer, Webdesigner, Berater und Prozessvertreter. In einigen multinationalen Unternehmen treffen bereits Hunderte Lebensläufe von Junior-Programmierern ein, die ungelesen aussortiert werden; eingestellt wird fast nur Senior-Personal. Die Schlagzeile neben der Warnung — 45 % der Jugendlichen nutzen ChatGPT als Psychologen — sagt weniger über mentale Gesundheit als über die Geschwindigkeit, mit der Tools im Alltag angekommen sind.
Die Lage bleibt festgefahren. Keine Verwaltung schließt eine öffentliche Fakultät, solange das Personal etwas mitzureden hat, und Brüssel kann dies nicht per Dekret tun. Die Ungewissheit besteht nicht darin, ob es zu viele Absolventen gibt, sondern darin, wie viele am Ende Projekte unterschreiben werden, die niemand geprüft hat.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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