Rubiales-Kuss auf Hermoso: Übergriff oder Euphorie?

Der Kuss von Luis Rubiales auf Jenni Hermoso bei der WM-Feier löst eine Debatte über Zustimmung, Sexismus und Grenzen aus.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Rubiales-Kuss auf Hermoso: Übergriff oder Euphorie?
Rubiales-Kuss auf Hermoso: Übergriff oder Euphorie?

Am 20. August 2023 küsste Luis Rubiales, Präsident des spanischen Fußballverbandes (RFEF), die Spielerin Jenni Hermoso nach dem Sieg Spaniens bei der Frauen-WM während der Feierlichkeiten auf den Mund. Der von Kameras festgehaltene Geste löste einen politischen und medialen Sturm aus, der noch immer nachwirkt. Die Spielerin erklärte später, dass ihr der Kuss nicht gefallen habe, bat jedoch darum, das Thema nicht weiter zu thematisieren. Der Vorfall eröffnete erneut die Debatte über die Grenzen der Zustimmung und den Sens im Sport.

Was genau passierte bei der WM-Feier?

Rubiales küsste Hermoso ohne explizite Zustimmung auf den Mund, wie Bilder und spätere Aussagen der Fußballerin selbst zeigten. In einem in sozialen Medien verbreiteten Video kommentierte Hermoso ungläubig: „Aber, was machst du da?“ Die Szene ereignete sich auf dem Podium vor den Kameras in einem Moment kollektiver Euphorie. Ein Teil der öffentlichen Meinung interpretierte die Geste als unakzeptablen Eingriff, während andere sie als überschwängliche Begeisterung typisch für die Feier lasen.

Reaktion von Jenni Hermoso: „Hat mir nicht gefallen“

Die Spielerin äußerte zunächst, dass der Kuss ihr nicht zusagte. „Aber hat mir nicht gefallen, ja?“, bestand sie in einem Video darauf. Stunden später bat sie jedoch in einer Erklärung darum, das Thema nicht weiter „zu drehen“, und bezeichnete die Geste als „Ausdruck von Zuneigung und Dankbarkeit“. Diese Ambivalenz nährte alle möglichen Interpretationen. Für manche schloss Hermosos Bitte den Fall ab. Für andere zeigte sie den sozialen und medialen Druck auf ein Opfer, das lieber zur Tagesordnung übergehen möchte.

Debatte über Zustimmung und Sens

Der Artikel von Nadia Tronchoni in El País war der Auslöser der Diskussion: „Ein überraschender Kuss auf den Mund ist ein Übergriff“, schrieb sie. Diese These, unterstützt von der feministischen Bewegung, besagt, dass Zustimmung unerlässlich sei und ein Vorgesetzter sich solche Freiheiten nicht nehmen dürfe. Dagegen argumentierten kritische Stimmen, es handle sich um eine Geste ohne sens Absicht, entstanden aus der Emotion des Moments, und dass die Einstufung als Übergriff sens Gewalt verharmlose. Die Kontroverse entwickelte sich zu einem Aufeinandertreffen von Narrativen über Sens, Misandrie und die politische Instrumentalisierung eines Kusses.

Konsequenzen: Rücktritt, Anzeige oder nichts?

Viele Beteiligte forderten Rubiales' Rücktritt und eine förmliche Anzeige. Andere wiesen darauf hin, dass der Fall ohne Anzeige der Betroffenen im medialen Bereich bleibe. Der Verband versuchte seinerseits, mit Erklärungen und Unterstützungsgesten für die Spielerinnen abzulenken. Die Angelegenheit wurde zum Tauziehen zwischen Regierung, Opposition und Sportverbänden. Zum Zeitpunkt dieser Diskussion lag keine endgültige Lösung vor.

Kontext: Eine von Kontroversen geprägte WM

Spanien gewann die Frauen-WM durch ein Tor von Olga Carmona, doch der Fokus verschob sich schnell auf Rubiales' Kuss. Der Vorfall überschattete teilweise den sportlichen Erfolg und riss alte Wunden auf, wie den Aufruhr von 15 Spielerinnen, die wegen Meinungsverschiedenheiten mit dem Trainer aus der Nationalmannschaft zurückgetreten waren. Die Feier, die ein Meilenstein für den spanischen Frauenfußball hätte sein sollen, endete als kulturelles Schlachtfeld.

Was steht für Rubiales auf dem Spiel?

Rubiales sieht sich einer beispiellosen öffentlichen Kontrolle gegenüber. Manche Analysen deuten darauf hin, dass sein Verbleib an der Spitze des Verbandes von seiner Fähigkeit abhängt, die Krise zu managen. Sozialer und politischer Druck könnte seinen Abgang erzwingen, aber es gibt auch Stimmen, die meinen, die Sache werde sich mit der Zeit verwischen. Klar ist, dass der Kuss den Blick auf Sens im Sport und die Grenzen der Zustimmung im öffentlichen Raum gelenkt hat.



Der Fall bleibt offen. Der Ball liegt beim Justizsystem, beim Verband und bei der öffentlichen Meinung. Wenn bestätigt wird, dass keine Zustimmung vorlag, könnten die Konsequenzen für Rubiales schwerwiegend sein. Wenn er archiviert wird, bleibt er als weitere Episode im polarisierten Spanien bestehen.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (106 Antworten).

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