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Römische Technik: Präzisionsberechnung oder bloßes Trial-and-Error?
Debatte über römische Ingenieurskunst, angestoßen durch Videos von Isaac Moreno Gallo und die Rillen in Tiermes.
Ein römisches Aquädukt, das ein Tal über Dutzende von Kilometern mit einer gleichmäßigen, fast flachen Neigung überquert. Ohne Pumpen, ohne Lasernivellierung, ohne Computer. Zweitausend Jahre später steht es noch. Wenn ein Erklärvideo zur römischen Wasserwirtschaft im Internet viral geht, ist die instinktive Reaktion vieler dieselbe: Das kann nicht nur auf der Erfahrung eines Baumeisters beruhen.
Der Stoff, der die Diskussion nährt, sind die Videos des Ingenieurs Isaac Moreno Gallo und die Serien über Aquädukte, die RTVE mit ihm als Moderator ausstrahlte. Seine These, untermauert durch Diagramme, Infografiken und topographische Arbeit, lautet, dass Rom Hochleistungstechnik betrieb. Und genau da beginnt der Streit.
Die Neigung, die sich nicht improvisieren lässt
Das erste Argument der Befürworter der technischen These ist geometrisch. Ein Aquädukt, das Dutzende von Kilometern mit minimaler und konstanter Steigung zurücklegt, braucht mehr als ein gutes Auge: Es erfordert Nivellierung und eine Bauplanung, die nicht einfach unterwegs entsteht. Die gleichmäßige Neigung, so heißt es, sei weder das Ergebnis handwerklicher Erfahrung noch von Versuch und Irrtum.
Dem gegenüber steht die klassische skeptische Haltung: Manche behaupten, dass für jede Struktur, die fünfzig Jahre hielt, zwanzig einstürzten, und dass nur die besten der Überlebenden bis zu uns gelangt seien. Es habe keine strukturelle Berechnung wie heute gegeben, sagen sie, sondern nur geerbtes Handwerk. Andere kontern, dass auch moderne Bauingenieure überdimensionieren, indem sie Sicherheitsfaktoren multiplizieren, die „von der Norm empfohlen“ werden – was im Grunde bedeutet, sicherheitshalber zu rechnen.
Lassen sich Formeln der modernen Technik ohne die Römer ableiten?
Die Debatte mündet in etwas Grundsätzlicheres: Wie viel der heutigen Technik ist dem klassischen Erbe geschuldet? Manche vertreten die Ansicht, dass rein experimentelle Formeln, wie sie zur Berechnung der Durchflussmenge in Kanälen verwendet werden, zeigen, dass die moderne Technik eher auf erprobten Rezepten als auf reinen Gleichungen basiert. Strömungen der Analyse gehen weiter und behaupten, dass die Anerkennung des Unwissens über antike Techniken gleichbedeutend ist mit der Leugnung des linearen Fortschrittsnarrativs, das an Universitäten und in Berufsverbänden vermittelt wird.
Das Detail, das immer wieder auftaucht: Die Römer halfen sich mit dem Abakus. Unser Wort „Kalkulation“ stammt vom lateinischen calculus, den Rechensteinen des Abakus, und es gab Spezialisten, die ihn blitzschnell bedienten, die calculatores. Das ist kein Unsinn: Sie waren menschliche Computer.
Tiermes, das sorianische Petra und Spuren von Maschinen
Der unbequemste Wendepunkt kommt mit der Ausgrabungsstätte Tiermes in Soria. In seinen Sandsteinwänden gibt es regelmäßige Rillen, die nach Ansicht einiger Beobachter maschinell erzeugt wurden und nicht mit Spitzhacke und Hammer. Die Ähnlichkeiten mit Petra in Jordanien führen manche dazu, eine unangenehme Hypothese aufzustellen: dass Teile dieser Anlagen weit vor Rom entstanden und die Römer lediglich bereits Vorhandenes nutzten.
Die mechanische Erklärung, die diskutiert wird, ist ein mit Schleifmittel getränktes Seil, das zwischen Rollen gespannt und durch Zugkraft bewegt wurde, wobei die Höhe der Verankerungen beim Schnitt stieg. Genau das, was heute in Steinbrüchen passiert, nur in primitiver Form. Niemand hat etwas bewiesen. Und so bleibt die Sache stehen.
Der selbstheilende Beton und das Gold von Las Médulas
Fügen wir die Chemie hinzu. Wie in der Debatte berichtet wird, untersuchten Forscher des MIT, warum römischer Beton hält, und fanden kalziumreiche Sedimente in Mörteln pozzolanischen Ursprungs aus der Gegend um Pozzuoli. Diese Kristalle wachsen bei Rissen und versiegeln sie. Das Material repariert sich selbst. Heute, erklären die Kritiker, lässt man ein modernes Bauwerk ohne Wartung stehen, und es bleibt nicht einmal der Bauplatz übrig.
Und dann ist da die bergbauliche Dimension: Wie ein Teilnehmer erinnert, wurden für die Wasserversorgung von Las Médulas, der größten römischen Goldmine, mehr als 300 Kilometer Kanäle durch die Berge von Cabrera in León gebaut. Das macht man nicht mit Augenmaß. Als Gegenbeispiel werden das Aquädukt von Padre Tembleque in Mexiko angeführt, das im 16. Jahrhundert mit überlieferten Techniken errichtet wurde, oder die spanischen Bewässerungskanäle (Acequias) in New Mexico, die heute noch bewässern.
Zweitausend Jahre Dienstzeit ohne Ersatzteile oder Garantie. Und wir diskutieren weiterhin, ob das Technik war.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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