Renault: Vom 5-Mrd.-Euro-Rettungspaket zur 35%-Erholung

Renault verzeichnete im ersten Halbjahr einen Verlust von 7,292 Mrd. Euro und einen Absatzrückgang von 34,9%, doch die Aktie stieg dank französischer Staatsgarantie um 35%.

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Renault: Vom 5-Mrd.-Euro-Rettungspaket zur 35%-Erholung
Renault: Von „Kann verschwinden“ zu 35% Kursanstieg in zehn Tagen

Die Szene beginnt mit einem Kauf. Ein Investor gab bekannt, dass er 480 Renault-Aktien zu 74,70 Euro erworben hat, weil er sie bei 90 sieht. Die Argumente klangen vernünftig: niedriges KGV, günstiger Buchwert, steigende Umsätze und Margen sowie ein französischer Staat, der 15% des Kapitals kontrolliert und von dem man annahm, er werde das Unternehmen nicht fallen lassen. Die These war nicht schlecht. Der Zeitplan hingegen war gnadenlos.

Jahre später notierte diese Position weit unter diesen 74,70 Euro, und der Plan hatte sich geändert: Kaufpakete zu 14, zu 12 und, wenn es passt, zu 10. Der Absturz war kein Zufall eines Nachmittags. Jede Abwärtsstufe hatte ihre Ausrede – Diesel, Handelskrieg, Cobi19 – und im Hintergrund blieb ein unangenehmer Verdacht: Dass das Elektroauto das alte Geschäft auffrisst.

Warum fiel Renault vor der Pandemie so stark?

Die verbreitetste Erzählung führt den Schlag auf drei verkettete Stöße zurück. Der erste war der Dieselgate, der die halbe europäische Branche betraf. Der zweite war Trumps Handelskrieg, obwohl manche genau das Gegenteil behaupten: Dass Renault kaum betroffen ist, weil es praktisch nichts in den USA verkauft. Der dritte war ein globaler Automarkt, der nach Jahren außergewöhnlicher Zahlen sein Wachstum einstellte.

Dazu kam eine Produktfrage. Die häufigste Kritik unter Investitionsenthusiasten stammte nicht aus einer Bilanz, sondern vom Autohändler: Eine Saison ästhetisch fragwürdiger Autos, bezahlt mit Marktanteilen und später mit dem Börsenkurs. Die Ästhetik hat sich verbessert, geben dieselben zu, die sie zuvor kritisiert hatten. Die Mechanik, wissen sie nicht mehr.

Die Kaufthese: Günstige Multiplikatoren und institutionelles Geld

Das bullische Argument ist nicht emotional, sondern arithmetisch. Renault handelte mit einem bescheidenen KGV und unter seinem Buchwert, mit steigenden Verkäufen über mehrere Jahre hinweg. In einem Bewertungsfilter tauchten, nach Berechnung eines Teilnehmers, kaum vier oder fünf Unternehmen weltweit darunter auf vergleichbaren Multiplikatoren, und hier liegt der Köder. Die Verlangsamung der eigenen Prognosen wurde, dieser Lesart nach, damit erklärt, dass man von außergewöhnlichen Zahlen kam und dass der Dieseleinbruch mit dem Handelskrieg zusammenfiel.

Hinzu kommt der institutionelle Faktor: Es kursiert die Angabe, dass der Fonds eines bekannten spanischen Value-Managers eine Position in der Aktie hält, und das ermutigt immer die Spätankömmlinge. Wenn jemand mit einem Portfolio im sechsstelligen Bereich dabei ist, gewinnt die Erzählung vom billigen, vergessenen Unternehmen an Boden.

Warum sagte die französische Regierung, Renault „kann verschwinden“?

Weil sie eine Rettung verhandelte und sie gegenüber ihren Steuerzahlern rechtfertigen musste. Wirtschaftsminister Bruno Le Maire erklärte in Le Figaro und Europe 1, dass große Hersteller „um ihr Überleben kämpfen“ und „verschwinden können“. Auffällig war, dass derjenige, der die Warnung aussprach, der Eigentümer von 15% des Unternehmens war.

Die zynischste Lesart – und die am häufigsten wiederholte – ist, dass der Staat brauchte, dass die Öffentlichkeit die Alternative als Abgrund sah, bevor er öffentliches Geld injizierte. Übersetzt: Wenn ein Unternehmen wirklich pleitegeht, kündigt es niemand an; wenn man den Scheck unterschreiben muss, kündigt man die Apokalypse an. Mit diesem Rahmen wurden die Tage vor Abschluss des Darlehens zu einem Spektakel aus Schlagzeilen, Gerüchten und Kursbewegungen.

Das 5-Milliarden-Darlehen und die 35%-Erholung

Am 3. Juni 2020 bestätigte Renault die Unterzeichnung einer Kreditlinie von 5 Milliarden Euro, garantiert vom französischen Staat. An diesem Tag stieg die Aktie um etwa 8% auf 23,50 Euro. Kurz zuvor notierte sie in der Zone von 17 Euro. Die Erholung übertraf 35% in nur anderthalb Wochen, zusätzlich gestützt durch die Umstrukturierungsvereinbarung mit Nissan, europäische Sektorhilfen und den Optimismus, den Goldman Sachs über den Wert fallen ließ.

Der Verlauf dieser Tage liest sich wie ein Handbuch der Euphorie: 21 Euro, dann 23,50, danach 25,20 und ein letzter Stand bei 25,68, bevor er auf 24,26 nachgab. Wer am Tiefpunkt kaufte, feierte mit berechtigter Zufriedenheit; wer seit 74 Euro hielt, blickte auf den Chart mit demselben Gesicht wie jemand, der einen Zug vorbeiziehen sieht, der nicht mehr warten wird.

Wie viel verlor Renault durch das Cobi19?

Viel mehr als der Rest der Branche. Die Gruppe verkaufte 1,25 Millionen Fahrzeuge im ersten Halbjahr 2020, ein Rückgang von 34,9% gegenüber dem Vorjahr, im Vergleich zu einem Marktrückgang von 28,3%. Das Unternehmen selbst führte den Überschuss auf seine hohe Exposition in Ländern mit strengen Lockdowns zurück. Dazu kamen Rekordverluste von 7,292 Milliarden Euro im selben Zeitraum.

Mit diesen Zahlen auf dem Tisch war die Frage einfach: Wie hält man eine 35%-Rally bei einem solchen Aderlass durch? Optimisten antworten, dass der Markt die Zukunft diskontiert und nicht das Quartal; Skeptiker sagen, dass man den Preis einer gut aussehenden Leiche aufblies. Keine der beiden Antworten kann bisher überprüft werden.

Der Fall Dacia und die Wette auf Elektroautos

Renaults defensive Trumpfkarte ist seine Budget-Reihe. Dacia, mit schlichten Modellen und niedrigen Preisen, passt gut in eine Krise wie die kommende. Auf der technologischen Seite war der Zoe das meistverkaufte Elektrofahrzeug in Europa im Juni 2020. Und die Allianz mit Nissan und Mitsubishi vereinbarte, dass bis 2025 fast die Hälfte der Modelle gemeinsam entwickelt werden, wobei jede Marke für eine bestimmte Weltregion und Technologie zuständig ist.

Gegenüber steht das Argument, das keine Nuancen zulässt: Dass die großen traditionellen Hersteller mit dem Elektroauto verschwinden werden und dass die Zukunft einen anderen Namen hat. Es handelt sich um eine These, die einige Teilnehmer dafür kritisieren, dass sie mit Überzeugung, aber ohne Daten gestartet wird, und die, laut dieser Kritik, selten von denen, die sie vertreten, mit demselben Enthusiasmus auf ihr eigenes Portfolio angewendet wird.

Das Detail, das verwirrt, ist das übliche. Derselbe Markt, der die Unterzeichnung des staatlichen Darlehens mit einem 8%-Anstieg belohnte, hatte die 7,292 Milliarden Euro Verlust des Halbjahres noch nicht verdaut. Vielleicht fügt sich alles innerhalb eines Jahres zusammen. Oder vielleicht notiert die Aktie eine Rettung und keine Erholung, was nicht ganz dasselbe ist.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (106 Antworten).

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