In Religion aufgewachsene Kinder sind nicht weniger logisch als Atheisten
Die These ist eindeutig: In jeder Religion «erzogene» Kinder seien unfähig, logische Kriterien anzuwenden, und würden zu leicht manipulierbaren Erwachsenen. Der Beitrag erschien in einem Blog, inklusive Verweisen auf Hirnschäden und dem Label Opium des Volkes, und hat eine fast neun Monate dauernde Diskussion mit über 240 Beiträgen ausgelöst. Der Einstieg lässt keinen Spielraum: Religion im Kindesalter macht dumm.
Das sich entwickelnde Gegenargument mischt Alltags-Neurologie, Wissenschaftsgeschichte und eine unbequeme Frage: Wenn das Problem Indoktrination ist, warum richtet sich der Fokus nur auf Kirchen?
Die These: Glaube blockiert das logische Urteilsvermögen
Wer den Ausgangspunkt verteidigt, tut dies ohne Umschweife. Er behauptet, wissenschaftliche Belege zeigten, dass ein Kind, das unter einem Glaubensbekenntnis aufwächst, kein kritisches Denkvermögen entwickelt. Durch dieses Loch im jungen Gehirn entstehe ein formbarer Erwachsener. Die Schlussfolgerung ist wörtlich gemeint: Opium des Volkes, zusätzlich mit Hirnschäden verbunden.
Eine pädagogische Variante ist vielleicht die stärkste. Ein Kind verbringt nicht 30 Stunden pro Woche in einer Kirche, sondern in der Schule. Dort, so argumentiert eine andere Linie, werde ihm beigebracht, Rohmaterial für die Produktion zu sein – in einer Umgebung, in der Dogmen durch die Hintertür eindringen, ganz ohne Soutane.
Die Gegenreaktion kommt aus empirischer Sicht. Viele Nobelpreisträger in Naturwissenschaften erklären sich als gläubig, was die Gleichung zwischen Glauben und fehlender Logik erschwert.
Der Nobelpreis, der Priester des Big Bang und der Gegenbeweis
Das meistzitierte Gegenbeispiel hat einen Namen: Georges Lemaître, ein Priester, formulierte die Theorie des Big Bang, die sich später als wahr erwies. Eine seltsame Art, ein kindisches Gehirn zu haben. Hinzu kommt die persönliche Erfahrung: Wer in einer konfessionellen Schule aufwuchs und an Gott glaubt, erkennt sich in der Diagnose nicht wieder und fordert konkrete Beispiele für diese angebliche Unfähigkeit.
Die Verteidigung beschränkt sich nicht auf Biografien. Es wird argumentiert, dass Menschen mit religiösen Überzeugungen eine stabile Vorstellung von Richtig und Falsch hätten, was sie weniger anfällig für Zeitgeist-Trends mache – Feminismus, LGBT-Aktivismus, Ökologie – und folglich weniger manipulierbar, nicht mehr. Den Hirnschaden verursachten andere Substanzen.
Hier ist Vorsicht geboten. Dass es gläubige Wissenschaftler gibt, beweist nicht, dass religiöse Erziehung keinen Einfluss hat; dass ein Kind an den Weihnachtsmann glaubt, beweist nicht, dass er als Erwachsener aufhört zu denken. Der Zusammenhang zwischen kindlichem Dogmatismus und kognitiver Starrheit bleibt eine Hypothese, keine abgeschlossene Tatsache.
Sünde, Schuld und Beichte: Das Zeugnis der Klosterschulen
Wo die Diskussion konkreter wird, ist bei den Erfahrungsberichten. Wer vier Jahre in einer Klosterschule verbrachte, beschreibt einen konkreten Mechanismus: Sünde, Schuld und die Beichte, um sich von den ersten beiden zu befreien. Das Ergebnis sei laut seiner Erfahrung eine Person, die sich für alles schuldig fühlt, hart über sich selbst urteilt und ihre Werte annulliert sieht. Die andere Wange hinhalten kann keine Lebenseinstellung sein, lautet das Fazit.
Es ist ein Plädoyer gegen Schuldgefühle, nicht gegen Logik. Diese Nuance ist wichtig, denn sie verschiebt den Schwerpunkt: Das Problem ist vielleicht nicht der Glaube an etwas Übernatürliches, sondern das Aufwachsen in einem System, das Gehorsam belohnt und Zweifel bestraft.
Sozialismus, Atheismus und die anderen «Religionen» des Nachbarn
Im letzten Teil dreht sich der Fokus. Mehrere Stimmen behaupten, auch Atheismus sei ein geschlossener, manchmal feindseliger Glaube, und der Mensch brauche etwas, woran er glauben kann, ob falsch oder richtig. Parallel dazu wird der politische Vergleich gezogen: Manche definieren den Sozialismus – Staatsbesitz an Produktionsmitteln – als eine Religion, die gleich schlecht oder schlimmer als das Christentum sei.
Der Vorwurf der Indoktrination hört dann auf, ein Thema für Geistliche zu sein, und wird zum politischen Kampfmittel. Von der Klosterschule zum Ministerium, vom Katechismus zur öffentlichen Politik: Der Vorwurf, Schafe zu züchten, geht in beide Richtungen.
Was man schlussfolgern kann und was als Nächstes auf dem Spiel steht
Die verfügbaren Beweise erlauben keine abschließende Antwort darauf, ob religiöse Erziehung die Fähigkeit zur Unterscheidung von Realität und Fiktion zerstört. Sie zeigen jedoch, dass das Argument als Waffe in mehreren Kriegen gleichzeitig dient: gegen die Kirche, gegen den Staat, gegen den jeweiligen ideologischen Gegner.
Mit diesen Zutaten ist vorhersehbar, dass das Thema vom Glauben zum Lehrplan und von dort zur Bildungspolitik springt. Wer ein endgültiges Urteil über die Logik Gläubiger erwartete, wird enttäuscht bleiben: Die Positionen stehen noch am Anfang, und keine hat die andere auch nur einen Millimeter bewegt.
Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft.
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