Rekord-Januar: Ignorieren lokaler Messwerte

Ignacio Escolar behauptet, dieser Januar sei der wärmste seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Daten widersprechen lokalen Thermometern und historischen Registern.

Deutsch · Ursprüngliche Diskussion auf Spanisch · Veröffentlicht

Rekord-Januar: Ignorieren lokaler Messwerte
Wärmster Januar: Der Rekord, den Escolar als Fakt ansieht

Ein Tweet von Ignacio Escolar — „Dieser Januar war der wärmste jemals gemessene“ — macht das Thermometer zum Schlachtfeld. Die Uneinigkeit liegt nicht darin, ob sich der Planet erwärmt, sondern daran, was genau dieser Temperaturrekord bedeutet, wer ihn misst und mit welchen Geräten. Denn wenn die Kontroverse eines klarstellt, dann dass die Zahl schnell veraltet, sobald man sie mit dem Wetter vor der eigenen Haustür vergleicht. Das Thema Klimawandel wird erneut, wie so oft, anhand von Nachbarschafts-Thermometern entschieden.

Was die Daten sagen und wo der Bruch entsteht

Die ursprüngliche Nachricht ist eine Zeile: Januar, der wärmste aller Zeiten. Darauf folgt meist die Antwort des eigenen Thermometers. In Valencia war es kalt; im Norden ein verdammt kalter Januar; in Kastilien-León regnerisch und kühl. Der Einwand ist nicht trivial: Wenn der Rekord global ist, warum war mein Januar normal?

Hier greift eine Erklärung, die viele streifen, aber nicht ausführen. Der weltweite Durchschnitt gewichtet Ozeane, Tropen und riesige unbewohnte Gebiete. Ein milder Winter auf der Nordhalbkugel schließt lokale Fröste nicht aus, und ein Tiefdruckgebiet aus dem Südwesten kann Schnee auf der Meseta hinterlassen, während es trocken und überhitzt ins Mittelmeergebiet zieht. Eine andere Sache ist die Karte zur Meldung: Wenn intensives Rot Hitze anzeigt, sind im Januar Teile Kanadas rot, während die Südhalbkugel weiß erscheint. Eine Karte ohne Legende wird gelesen, wie man sie lesen möchte.

Sind alte Temperaturaufzeichnungen zuverlässig?

Dort liegt das Argument mit dem größten Gewicht. Die klassischen Max-Min-Thermometer — die sechs-Stunden-Ablesegeräte — wurden abgelesen, wenn jemand die Station besuchte, manchmal nur alle zwei oder drei Tage an entlegenen Orten. Aus dieser Lesefrequenz entstand die Statistik. Heute gibt es Echtzeit-Sensoren weltweit, viele in städtischen Umgebungen und Flughäfen, und ungedeckte Gebiete werden durch Interpolation gefüllt.

Das Detail der Fahrenheit-Skala erinnert an die damalige Präzision: Ihr Erfinder legte den Nullpunkt bei der niedrigsten Temperatur fest, die er messen konnte, und Hundert Grad bei seiner eigenen Körpertemperatur, die offenbar hoch lag, denn 100 Grad Fahrenheit entsprechen 37,8 Celsius. Mit diesem Material Zehntelgrade aus der vorindustriellen Zeit zu diskutieren, erfordert viel Vertrauen. Der Ansatz, der Anhänger findet, sind Satelliten, die die Troposphäre messen. Und nach den geteilten Daten würden die letzten drei Monate einen Rückgang zeigen.

Die 1,75 Grad und die schwer verdauliche Berechnung

Die Zahl, die die gesamte Diskussion durchzieht, ist 1,75 Grad seit der vorindustriellen Ära, mehr als zweihundert Jahre Unterschied. Sie wird spöttisch zitiert — wir werden sterben — aber auch ernst gemeint, als irreversible Größe.

Interessanter ist die andere Zahl: 0,48 Zentimeter pro Dekade Anstieg des Meeresspiegels. Eine voreilige Berechnung machte daraus fünf Meter pro Jahrhundert und stützte kurzzeitig die These, Sevilla würde zu Venedig und die Sumpfgebiete am Guadalquivir unter Wasser stehen. Die Korrektur ist einfach: 4,8 Zentimeter pro Dekade. Wer den Fehler beging, gab ihn zu und versprach, die Gezeitenpegel zu prüfen, die öffentlich zugänglich sind. Im Raum stehen der Nullpunkt von Alicante und die römischen Becken am Mittelmeer, zwei Referenzen, die von gegensätzlichen Seiten hervorgeholt werden. Und ein Faktum, das jede Interpretation erschwert: Der Guadalquivir bei Sevilla hat einen Tidenhub von 4 bis 6 Metern, daher sind Zentimeter-Trends dort nicht leicht zu bestimmen.

Weniger Heizung, mehr Weizen und ein Vulkan im Hintergrund

Im wirtschaftlichen Aspekt kursiert ein ironisches Argument: Wenn die Winter milder sind, wird weniger Gas für Heizungen verbrannt und weniger CO2 emittiert. Die Rechnung hat einen Haken, denn die Stromrechnung sinkt nicht automatisch, und die Klimaanlage im Juli frisst das, was der milde Januar einsparte.

Parallel taucht ein anderes Szenario auf. Die russischen und kanadischen Ebenen, heute unter Permafrost, könnten Ackerland werden, und dieses zusätzliche Getreide könnte Biodiesel liefern, der die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen reduziert. Dies ist der Bereich, in dem technologischer Optimismus und das Misstrauen nebeneinander bestehen, dass niemand die Gesamtbilanz geschlossen hat. Es fehlt zu wissen, wie viel es kosten würde und wer es bezahlen würde.

Und das übliche Hintergrundrauschen: Ein Vulkanausbruch, der Millionen Tonnen CO2 freisetzt, Flugzeuge, die keine Kreise mehr drehen, Warnungen der AEMET (spanische Meteorologiebehörde) vor Temperaturen von bis zu -15 Grad, veröffentlicht neben der Ankündigung des wärmsten Januars. Auch die Warnung vor zwanzig Jahren vor einem Planeten am Rande einer zerstörerischen Spirale, die manche als unerfüllte Prophezeiung und andere als verkürzte Frist lesen.

Wenn die Satelliten den Rückgang dieser drei Monate bestätigen, bringt der nächste Januar wieder dieselbe Schlagzeile, mit den Nachbarschafts-Thermometern als Gegenbeweis. Die Kontroverse wird nicht in einem Tweet enden. Sie endet erst, wenn jemand die Gezeitenpegel zeigt. Mit korrekt eingestellter Skala.

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Zusammenfassung einer Diskussion auf Burbuja.info - Foro de economía, actualidad y política., aus dem Spanischen übersetzt und vor der Veröffentlichung geprüft. Die ganze Diskussion lesen (204 Antworten).

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